Flexibilität

Sieben Mal mehr Bestellungen: Auto-Abos starten nach der Coronakrise durch

Das Geschäft mit dem Auto-Abo läuft gut. Nun wird es ausgebaut (Symbolbild).

Das Geschäft mit dem Auto-Abo läuft gut. Nun wird es ausgebaut (Symbolbild).

Anbieter wie Carvolution, Clyde und Upto bieten flexible Auto-Abos an. Das neue Geschäftsmodell ist gefragt – doch lohnt es sich auch für die Lenker?

Ein Mietauto, das sich anfühlt wie das eigene: Das Geschäftsmodell der Auto-Abos floriert. Firmen wie Carvolution, Upto oder Clyde vermieten neue oder fast neue Auto zu günstigeren Konditionen mieten, als es bei grossen Autovermietern der Fall ist - und zwar dauerhaft. Nach der Mindestvertragslaufzeit können Lenker mit Fristen von wenigen Monaten kündigen oder auf ein anderes Modell wechseln. Service, Reifenwechsel und Versicherungen sind inklusive, nur das Tanken und der Parkplatz müssen selbst bezahlt werden.

Pionier dieses Geschäftsmodells ist Carvolution. Das 2018 gegründete Unternehmen mit Sitz in Bannwil BE hat bereits «mehrere hundert Autos» ausgeliefert. Die Coronakrise hat Carvolution einen Wachstumsschub beschert. Im März wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Wachstum von 210 Prozent verzeichnet, in den Tagen nach den Lockerungen des Lockdowns am 22. Juni wurden bis zu siebenmal mehr Autos verkauft als in den Wochen zuvor. Einen Seat Ibiza gibt es ab knapp 400 Franken pro Monat.

Elektroautos sind beliebt

Co-Gründerin Léa Miggiano sagt, gerade bei Unternehmen sei ein «enormes Interesse» zu spüren. Aber auch Private entdecken das Geschäftsmodell. Beliebt seien etwa Elektroautos, bei denen viele noch unsicher seien, ob ein solches Fahrzeug zu ihnen passe. «Das Auto-Abo ist noch in den Startlöchern, aber wächst aktuell in einem beeindruckenden Tempo», sagt Miggiano. Vor einigen Monaten ist die Mobiliar als strategischer Partner bei Carvolution eingestiegen, investiert hat auch der Venture-Capital-Geber Redalpine.

Der Erfolg der jungen Firma hat die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Der Autohändler Amag hat mit Clyde ein eigenes Angebot an den Start gebracht. Im Angebot sind Autos aus dem VW-Konzern. Einen VW Polo gibt es ab 519 Franken pro Monat, ein Audi A8 quattro kostet 1739 Franken monatlich.

«Immer weniger wollen Auto besitzen»

Auch die Versicherung Axa hat das Geschäft entdeckt. Ihr Angebot heisst «upto». Die Kundenzahl habe in den letzten Wochen «spürbar» zugenommen, sagt eine Sprecherin. «Wir gehen davon aus, dass die Coronakrise zu dieser Entwicklung beigetragen hat.» Upto liege über den Erwartungen. «Wir gehen davon aus, dass immer weniger Schweizer ein eigenes Auto kaufen oder eines besitzen wollen», sagt die Sprecherin. Während der Coronakrise hat das Auto als Verkehrsmittel an Beliebtheit gewonnen, während der öffentliche Verkehr gemieden wurde.

Doch fährt tatsächlich günstiger, wer sein Auto mietet? Im Vergleich zum herkömmlichen Leasing sind die Auto-Abos bei längerer Mietdauer billiger. Wer sich aber ein eigenes Auto kaufen kann, ist im Vorteil.

Ab wenigen Jahren ist Eigenbesitz günstiger

Das zeigt das Beispiel eines Seat-Ibiza-Modell. Wer dieses neu kauft und die laut TCS durchschnittlichen Summen in Service, Reifenwechsel und Versicherung investiert, muss im Jahr der Anschaffung knapp 20’000 Franken aufwenden und in jedem folgenden Jahr etwa 2’500 Franken. Bei Carvolution kostet das Auto 5’380 Franken pro Jahr, beim ersten Abschluss fällt eine Pauschale von 390 Franken an. Doch dieser Betrag wird jedes Jahr fällig, während ein Autobesitzer eine deutlich tiefere jährliche Summe investieren muss. Ab dem siebten Jahr wäre der Eigenbesitz in diesem Beispiel günstiger als das Abo.

Im Fall eines VW Polo, den Anbieter Clyde mit 12’000 Kilometern an die Kunden abliefert, wäre der Kauf eines vergleichbaren Autos nach sechs Jahren günstiger als das Abo. «Wenn jemand sein Auto 8 bis 9 Jahre besitzt und regelmässig fährt, kann der Autokauf tatsächlich die günstigere Lösung sein», sagt Clyde-Geschäftsführer Timo Nührich. Doch viele brauchten ein Auto nicht das ganze Jahr über oder wollten es flexibel zurückgeben können – etwa, weil sie ins Ausland verreisen oder ein anderes Modell brauchen.

Jüngere schätzen die Flexibilität

Diese Flexibilität, davon ist Nührich überzeugt, entspreche der Denkweise jüngerer Generationen. Hinzu komme, dass die Coronakrise vielen vor Augen geführt habe, dass sich die persönlichen Umstände schnell ändern könnten – ideale Voraussetzungen für ein Abomodell. Bei Clyde seien in den letzten Monaten jeweils regelmässig neue Rekorde verzeichnet worden. «Das Abo wird den Kauf und das Leasing ablösen», sagt Nühring. Er rechnet damit, dass weitere Anbieter in den Markt drängen, etwa Autovermieter oder die Autohersteller selbst.

Dass sich immer mehr Wettbewerber im Geschäft tummeln, sei nichts Schlechtes, sagt Carvolution-Mitgründerin Léa Miggiano. «Insgesamt stärken die neuen Mitbewerber unsere Überzeugung, dass das Auto-Abo zu grossen Teilen das Leasing und den Autokauf ablösen werden.» Bei der Axa heisst es, die Konkurrenz sei «sicherlich zu spüren». Der Versicherer will sein Angebot nun zu einer Mobilitäts-Plattform weiterentwickeln und andere Technologien und Verkehrmsittel wie E-Bike oder ÖV mit einbeziehen.

Einen kleineren, aber wichtigen Schritt haben die Anbieter bereits bei den Nummernschildern gemacht. Während ihre Autos zu Beginn Kennzeichen des Kanton Appenzell-Innerrhoden trugen – jenes Kantons, der zusammen mit dem Kanton Waadt fast alle Mietautos einlöst – kriegen Lenker nun eines aus ihrem Wohnkanton. «Keine Sorge», schreibt die Axa den Kunden, «du musst nicht mit einem AI herumfahren.»

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