Prüfkonzern
SGS profitiert auch von höheren Rohstoffpreisen

Der Genfer Inspektionskonzern ist dabei, sich aus dem Corona-Loch herauszuarbeiten.

Daniel Zulauf
Merken
Drucken
Teilen
SGS: Ein 21-Milliarden-Konzern mit Sitz in Genf.

SGS: Ein 21-Milliarden-Konzern mit Sitz in Genf.

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Der Genfer Warenprüf- und Inspektionskonzern SGS ist auf gutem Weg, die Corona-Delle zu überwinden. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erwirtschaftete das global weitverzweigte Unternehmen einen Umsatz von knapp 3,1 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Steigerung von 17 Prozent verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Allerdings hatte SGS im Jahr vor Ausbruch der Pandemie noch deutlich höhere Verkäufe erzielt. Per Mitte 2019 hatte der Konzern einen Sechsmonatsumsatz von 3,34 Milliarden Franken ausgewiesen.

Gewinn liegt immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau

Auch der Gewinn bewegt sich noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Zwar vermochte das Unternehmen das operative Ergebnis im Vorjahresvergleich um über 40 Prozent auf 430 Millionen Franken zu verbessern. Doch zur Mitte 2019 hatte der Betriebsgewinn (vor Zinsen und Steuern) noch 636 Millionen Franken betragen.

Dabei hatte SGS in der zweiten Hälfte 2019 ein Restrukturierungsprogramm durchgeführt und weltweit Stellen abgebaut, nachdem der chinesisch-amerikanische Handelsstreit die Entwicklung der Firma beeinträchtigt hatte. Der Konzern beschäftigt aktuell rund 92'000 Vollzeitangestellte. Mitte 2019 waren es noch rund 96’000 gewesen.

Schwankungen bei den Rohstoffpreisen

SGS fungiert im internationalen Handel als neutrale Mittlerin zwischen den Parteien. Bei der Verschiffung von Rohstoffen prüft sie die Qualität und Mengen. Bei Konsumgütern kontrolliert zum Beispiel die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards.

Die Verrechnung dieser Dienstleistung ist mindestens teilweise vom Wert der verschifften Ware abhängig. Bei den Rohstoffen war die Preisvolatilität zuletzt besonders hoch. So war etwa das Rohöl im Berichtshalbjahr deutlich mehr als 50 Prozent teurer als im ersten Halbjahr 2020.

Der Einfluss der Rohstoffpreise auf die SGS-Verkäufe ist in der seit Anfang Jahr geltenden Darstellung aber nicht mehr so gut nachvollziehbar wie früher. 2020 hatte SGS die verkauften Leistungen noch auf acht Sparten, 2015 sogar auf zehn Sparten aufgeteilt. Die nun gültige Darstellung umfasst nur noch fünf Sparten mit einem veränderten thematischen Fokus.

Der Aktienkurs hat das Tal längst verlassen

In den Vordergrund stellt SGS nun andere Aktivitäten als die Kontrolle von Roh- und Agrargrundstoffen, die am Anfang der Entwicklung des über 120 Jahre alten Konzerns gestanden hatten. Inzwischen profitiert SGS vor allem von Regulierungen, die beispielsweise der verbesserten Transparenz für Konsumenten beim Kauf von nachhaltigen Produkten dienen und deren Einhaltung überwacht werden muss.

Die SGS-Aktien quittierten die aktuellen Halbjahreszahlen ein einem schwachen Gesamtmarkt mit deutlichen Kurseinbussen. Allerdings notieren die Papiere bei einem Kurs von um die 2860 Franken immer noch etwa 15 Prozent höher als im Juli 2019. Der Börsenwert von SGS beträgt gut 21 Milliarden Franken.