Syngenta

Selbst ist die Firma: Immer sät jemand Gerüchte

..

Manchmal bringt sich der Basler Saatgut- und Pflanzesnchutzmittelkonzern sogar selbst in die Schlagzeilen. Aber ganz allgemein kämpft die Branche tatsächlich mit der «Fusionitis» - wegen Margendruck.

Wenn das kein bewegtes Jahr war für Syngenta! Und es ist nicht einmal vorbei. Zum Jahresende könne es durchaus sein, dass sich der Agrokonzern mit einem Fusions- oder Übernahmepartner einigen könnte.

Nur: das hat es 2015 verschiedene Male geheissen – und zu entsprechenden Kursausschlägen an der Börse geführt (vgl. Grafik). Seit Ende Oktober legte die Syngenta-Aktie 25 Prozent zu. Gestern schloss sie bei 376.10 Franken. Das ist ein Plus von 0,43 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.

Der heftigste Kurssprung nach oben gab es Ende April, als das Werben des US-Konkurrenten Monsanto um Syngenta losging. Syngenta zeigte sich gänzlich abgeneigt: Die Fusion berge grosse Risiken, der Kaufpreis sei viel zu tief, sagte die Geschäftsleitung.

Überdies stimme die Firmenstrategie – kein Grund, diese wegen einer Fusion zu ändern. Wirkliche Verhandlungen zwischen Syngenta und Monsanto wurden nie geführt. Im September gab Monsanto auf, der Kurs rutschte wieder ab. Ende Oktober ist Syngenta-Chef Mike Mack zurückgetreten.

Die Chinesen am Drücker

Doch seit ein paar Wochen gibt es neue Gerüchte. Mitte November hiess es, die China National Chemical Corp (Kurz: Chem China) würde 42 Milliarden für Syngenta bieten, vergangene Woche sei das Angebot auf 43,7 Milliarden aufgebessert worden.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass eine zweistufige Übernahme geplant sei. Chem China habe den Erwerb von zunächst 70 Prozent an Syngenta angeboten, zusammen mit der Option, später die übrigen 30 Prozent zu kaufen. Chem China habe rund 470 Fr. je Aktie für 70 Prozent von Syngenta geboten. Bei diesem Preis hätte das Unternehmen einen Marktwert von etwa 43,7 Mrd. Fr. Chem China hatte zuvor nur 449 Fr. je Aktie geboten.

Syngenta werde noch vor Jahresende eine Sitzung des Verwaltungsrats abhalten, um über die Transaktion abzustimmen, hiess es bei Bloomberg unter Berufung auf «informierte Kreise». Die Gespräche seien bereits fortgeschritten, aber es gebe noch keine Vereinbarung und keine Garantie für den Vollzug. In Basel gabs dazu gestern keinen Kommentar.

Monsanto wieder im Rennen?

Offensichtlich ist die Türe bei Syngenta doch nicht so fest zu, wie es bislang den Anschein machte. Und sie bringt sich auch gleich selber ins Gespräch. In einem Interview am Freitag vergangener Woche signalisierte der Syngenta-Interimchef John Ramsay in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones grundsätzliches Interesse an «allen wertsteigernden Gelegenheiten in der Branche».

«Das schliesst Monsanto und viele andere mit ein», sagte er. Es könnte eine Reaktion sein auf den Druck von einer Gruppe «kritischer Aktionäre». Sie hätten damals den Verkauf an Monsanto zu einem Preis von 470 Franken pro Aktie wohl gerne gesehen. Sie wirft seit Oktober der Syngenta-Leitung vor, Chancen verpasst zu haben, schreiben sie auf ihrer Website.

Zu angeblichen Gesprächen mit Chem China wollte Ramsay sich im Interview nicht äussern. Er erklärte aber, dass ein Zusammenschluss mit den Chinesen weniger hohe regulatorische Risiken beinhalten würde als mit den westlichen Rivalen, zu denen auch BASF und Bayer gehören. Auch diese Konzerne standen zwischendurch als Käufer zur Debatte.

Vergangene Woche hatten Dow Chemical und Du Pont die bisher grösste Chemiefusion angekündigt. Damit entsteht auch in der Agrarchemie ein neuer Branchenriese und setzt die Konkurrenz unter Druck. Syngenta dürfte neben einem Zusammenschluss mit Monsanto auch den Kauf von Geschäftsbereichen prüfen, die Dow und Du Pont aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abstossen müssen.

Für Basel sehr wichtig

Wer auch immer es sein wird: Für Basel wäre eine Übernahme von grosser Bedeutung. Der Hauptsitz würde von Basel möglicherweise verschwinden, bei einer Fusion «unter Gleichen» stünden die Chancen wohl besser. Die geplante Unternehmenssteuerreform III (USRIII) ist für die Firmen ein Unsicherheitsfaktor und schwächt die Verhandlungsposition von Schweizer Firmen – auch wenn wahrscheinlich Steuervergünstigungen für innovative Firmen («Lizenzboxen») die Holdingprivilegien ablösen dürften.

Warum überhaupt fusionieren?

Grund für die «Fusionitis» ist die unter Druck stehende Branche. Die Margen sind seit einiger Zeit abnehmend. Mit Fusionen können Marktgebiete ausgedehnt und Absatzkanäle ergänzt werden. Zudem spielen Kostenüberlegungen eine Rolle: Es können beispielsweise Doppelspurigkeiten beseitigt werden. Solches könnte einen bedeutenden Arbeitsplatzabbau zur Folge haben.

Wichtig ist ausserdem die Steuerfrage. Der US-Pharmakonzern Pfizer will mit der irischen Firma Allergan fusionieren und den Hauptsitz ins steuergünstigere Irland verlegen. Ob die US-Behörden einen solchen Deal absegnen, ist allerdings eine andere Frage.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1