Übernahme

Sekretariat der Weko ist gegen Goldbach-Deal – Tamedia spielt Powerplay

Die Wettbewerbskommission prüft die Übernahme der Vermarkterin Goldbach durch Tamedia derzeit vertieft. (Themenbild)

Die Wettbewerbskommission prüft die Übernahme der Vermarkterin Goldbach durch Tamedia derzeit vertieft. (Themenbild)

Am 20. August findet ein entscheidendes Hearing statt. Die Wettbewerbskommission (Weko) diskutiert, ob der Medienkonzern Tamedia den Werbevermarkter Goldbach vollständig übernehmen darf. Die Tamedia, die schon eine Mehrheit der Goldbach-Aktien aufgekauft hat, ist beunruhigt. Sie fürchtet ein Verbot, da sich das Sekretariat der Weko im Juni in seiner vorläufigen Beurteilung gegen die Übernahme ausgesprochen hat.

Für das Hearing hat sich Tamedia gewappnet und die Fribourger Volkswirtschaftsprofessoren Reiner Eichenberger und Mark Schelker mit einem Gutachten beauftragt. Um zusätzlichen Druck herzustellen, wurde dieses am Dienstag ausgewählten Medien zur Verfügung gestellt. Die Botschaft der Professoren ist klar: Ein Verbot der Übernahme wäre nicht nur falsch, auch die Argumentation des Weko-Sekretariats sei falsch.

Der 15-seitige Bericht gibt einen Einblick in die Arbeitsweise der Weko. Nachdem Tamedia und Goldbach im vergangenen Dezember die Übernahmeabsicht angekündigt hatten, schloss die Weko Anfang Mai ihre Vorprüfung ab. Sie war zum Schluss gekommen, eine vertiefte Prüfung dränge sich auf. Nicht die Addition der Geschäftsaktivitäten beider Firmen sei ein wettbewerbsrechtliches Problem, da sie auf unterschiedlichen Märkten tätig seien. Doch die «Verbundeffekte», die entstehen, könnten eine marktbeherrschende Stellung begründen.

Wechselhafte Argumentation

In der vorläufigen Beurteilung vom 25. Juni, so die Tamedia-Gutachter, habe die Weko dann aber eine völlig neue Argumentation aufgestellt. Weitere Abklärungen hätten zwar ergeben, auch die Verbundeffekte seien unproblematisch. Doch im Zusammenspiel mit dem Vermarkter Admeira (Swisscom, Ringier, SRG) drohe eine kollektive Marktbeherrschung, wenn sich auch Tamedia und Goldbach zusammenschliessen. Anders gesagt: Der Wettbewerb sei besser gewährleistet, wenn der von der Weko bewilligten, grossen Admeira mit Tamedia und Goldbach zwei mittelgrosse Konkurrenten gegenüberstehen, als wenn Admeira und Tamedia/Goldbach eine Art Duopol bildeten. Mit einer ähnlichen Begründung hatte die Weko einen Zusammenschluss der Telekommunikationsunternehmen Sunrise und Orange (heute Salt) verhindert, um kein Duopol mit der Swisscom entstehen zu lassen.

Die Weko stützt sich in der aktuellen Begründung allerdings auf das Argument der «Symmetrie». Dies bedeutet, dass zwei dominante Firmen, die über gleiche Strukturen und Angebote verfügten, wenig Anreize hätten, sich zu konkurrenzieren. Vielmehr würden sie zusammen den Markt vor weiteren Anbietern abschotten. Die Professoren Eichenberger und Schelker zerzausen die Argumentation, da die Interessenlage von Tamedia/Goldbach und Admeira gerade nicht symmetrisch sei. Als Beispiel werden die unterschiedliche Eigentümerstruktur oder die Art der vermarkteten Produkte genannt. Gravierend sei auch, dass sich die Weko bei ihrer Prüfung auf die Werbevermarktung von TV-Stationen und Printtitel fokussiere und dabei den Online-Bereich ausblende. Reiner Eichenberger folgert, wenn es von der Weko richtig gewesen sei, Admeira zu bewilligen, dann müsse zwingend auch Tamedia/Goldbach bewilligt werden.

Blaupause «Symmetrie»

Im Powerplay gegen die Wettbewerbskommission hofft die Tamedia auf die Schützenhilfe der gesamten Medienbranche. Schliesslich liegen bei den Wettbewerbshütern auch das Gesuch der Tamedia, von Christoph Blocher die Basler Zeitung übernehmen zu dürfen, sowie das Gesuch der NZZ-Gruppe und der AZ Medien, zu der diese Zeitung gehört, das Regionalmediengeschäft zusammenzuführen. Insbesondere die Feststellung einer problematischen «Symmetrie» könnte für die Weko zur argumentativen Blaupause werden, um in der Endphase der schweizerischen Medienkonzentration doch noch intervenierend einzugreifen. Ob sie sich vom Powerplay politisch beeindrucken lässt, zeigt sich spätestens im kommenden Monat. Auf dann ist der Tamedia/Goldbach-Entscheid terminiert.

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