"Es ist meine tiefe Überzeugung, dass es ausgesprochen gefährlich wäre, der Nationalbank vonseiten der Regierung oder der Verwaltung öffentlich eine Empfehlung zu geben", sagte Brunetti in einem Interview im "SonntagsBlick".

Er warnte vor der Vorstellung, dass man die SNB nach der Affäre um den zurückgetretenen Präsidenten Philipp Hildebrand stärker regulieren und mehr Einflussmöglichkeiten schaffen wolle. Wenn die Unabhängigkeit der SNB in Frage gestellt werde, führe dies zu "grundlegenden Problemen".

Kandidat für SNB-Direktorium

Brunetti, der per 1. Februar an die Universität Bern wechselt, wird als Kandidat für die Wahl ins Direktorium der SNB gehandelt. Im Interview wollte er sich dazu nicht äussern.

Der gegenwärtige Frankenkurs sei für viele Unternehmen ein Problem, sagte Brunetti weiter. Er hoffe, dass sich der Wechselkurs normalisieren werde, wenn sich die internationale Situation weiter beruhige.

Positiv sei, dass es in den vergangenen Wochen im Euro-Raum keine neuen Turbulenzen gegeben habe. Zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit einiger Euro-Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's am Freitag sagte Brunetti, diese habe sich bereits seit längerer Zeit abgezeichnet und ändere wenig an der grundsätzlichen Einschätzung.

Die grösste Gefahr besteht gemäss Brunetti darin, dass sich die Schuldenkrise in der Euro-Zone zu einer Bankenkrise ausweitet. Unter der Annahme, dass eine solche abgewendet werden könne, habe sich an der Konjunkturprognose des Seco vom Dezember grundsätzlich nichts geändert. "Gewisse Indikatoren haben sich sogar positiv entwickelt", so Brunetti.

Bei ihrer letzten Einschätzung waren die Ökonomen des Bundes Anfang Dezember von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,5 Prozent für 2012 ausgegangen.