Palmen schmücken den Raum, Dance-Musik erklingt im Hintergrund. Jugendliche in sommerlichen Tenues sitzen an den Kraftgeräten. Auf dem Laufband rennen Mittvierzigerinnen. Schweissperlen kullern von ihren Gesichtern.

Nicht die Strandatmosphäre ist der Grund, warum viele hier das Studio der Fitnesscenter-Kette Discountfit in Dietikon besuchen. Sondern der Preis: Für 468 Franken pro Jahr können Mitglieder trainieren – das ist weit weniger, als sie in einem traditionellen Fitnesscenter bezahlen würden. «Mir geht es einzig ums Trainieren», sagt die 28-jährige Vanessa Lutz, die seit kurzem Mitglied ist.

Das Prinzip der Selbstbedienung, sprich, dass man hier zwischen 6 bis 23 Uhr ein- und ausgehen, selbstständig an den Maschinen trainieren und wieder nach Hause gehen kann, passt vielen. «Wenn ich einmal in die Sauna will, dann besuche ich die Sauna eben separat», sagt Vanessa Lutz und kämpft sich weiter ab.

Schwitzen zum Discounttarif ist in der Schweiz der neue Renner: Eine Studie des Beratungsunternehmens Edelhelfer, die der «Nordwestschweiz» exklusiv vorliegt, kommt zum Schluss, dass der Marktanteil von Budget-Anbietern wie Discountfit, Basefit.ch oder Fitmade heute schon bei fünf Prozent liegt. Das ist nicht unbedeutend, erwirtschafteten die 1147 Fitnessanlagen schweizweit doch einen Umsatz von 1,07 Milliarden Franken im letzten Jahr.

Anzahl Studios verdoppeln

Und die Budget-Anbieter setzen jetzt zum grossen Sprung an. Die Fitnesscenter-Kette Basefit.ch etwa hat Ende Mai eine Zürcher Investorengruppe ins Boot geholt. Mit dem zusätzlichen Kapital will sie die Expansion vorantreiben. Die Anzahl der Studios soll in den nächsten drei Jahren von zehn auf zwanzig verdoppelt werden, wie die Geschäftsführerin Susanne Wendt auf Anfrage sagt. Aufgrund der Eröffnung neuer Filialen wird auch die Mitgliederzahl auf rund 50 000 steigen, schätzt sie. Zum Vergleich: Bei der branchenführenden Migros, die mit eigenen Fitnessparks und Fitnesscenter-Ketten wie Flowerpower einen Marktanteil von 15 Prozent hält, trainieren über 165 000 Mitglieder.

Während ein Jahresabonnement bei Flowerpower 1240 Franken kostet, kann man in den Studios von Basefit.ch für 555 Franken pro Jahr trainieren. Möglich macht dies das Bausteinprinzip — vergleichbar mit den Billig-Fluglinien. «Man bezahlt nur das, was man wirklich brauchen will», erklärt Susanne Wendt. Wer nach dem Training duschen oder ins Solarium gehen möchte, bezahlt extra. Wellnessangebote sucht man hier vergebens. Und die Fitness-Lektionen kommen vom digitalen Trainer via Bildschirm: «Weil wir auf Zusatzangebote verzichten, können wir die Preise tief halten», so die Geschäftsführerin.

Es ist noch viel Potenzial da

Die Kette Discountfit geht einen Schritt weiter und setzt nur auf Kraft- und Ausdauergeräte. Wer eine professionelle Einführung wünscht, muss, im Gegensatz zu Basefit.ch, dafür bezahlen. Auch bei Discountfit sind die Zeichen klar: Noch in diesem Jahr sollen weitere Filialen eröffnet werden, sagt Mitinhaber Ivan Cotting: «Möglich ist eine Verdoppelung und mehr in der ganzen Schweiz.» Er ist überzeugt, dass noch viel Potenzial vorhanden sei. Auch wenn in der Deutschschweiz die Dichte an Fitnessanlagen schon hoch sei.

Wie reagiert der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenterverband (SFGV) auf die Billigwelle? Man stehe den Budget-Anbietern nicht schlecht gegenüber, sagt Claude Ammann, Präsident der Dachorganisation. Und fügt an: «Solange die Studios klar kommunizieren, welche Dienstleistungen sie anbieten.»

Damit meint er die Tatsache, dass sich die Budget-Anbieter bislang nicht dem freiwilligen Bewertungstest unterzogen hätten. Dieser weist etwa die Betreuungs- und Ausbildungsqualität der Mitarbeitenden aus. Fitnesscenter werden dabei – ähnlich wie Hotels – von der unabhängigen Kontrollstelle «Swiss Classification» mit einem bis fünf Sternen ausgezeichnet.

«Das System zeigt den Konsumenten, welche Dienstleistungen sie wo bekommen», sagt Ammann. Der SFGV-Präsident glaubt nicht daran, dass sich die Budget-Anbieter je testen lassen werden. Auch deshalb nicht, weil geschultes Personal für alle Fitnesscenter der grösste Kostenpunkt darstelle und dieses bei Günstig-Centern fehle oder nur gegen Bezahlung verfügbar sei.

Sterne hin oder her: Niels Gronau, Geschäftsinhaber von Edelhelfer und Mitautor der aktuellen Studie, ist überzeugt, dass Budget-Anbieter künftig eine wichtige Rolle im Fitnessmarkt spielen werden: «Das Tiefpreis-Marktsegment ist stark am Wachsen.» Die Strategie der Billigstudios funktioniere nicht nur kurzfristig, sie sei auch nachhaltig.