Schwieriger Umgang mit der Uhrenstadt

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Der Lengnauer Ex-Gemeindepräsident Erwin Fischer war während acht Jahren Präsident der Wirtschaftskammer Biel-Seeland. Zu Grenchen hatte er immer ein gutes Verhältnis, trotz dessen Austritt aus dem Verein.

Urs Byland

Erwin Fischer, im April 2008 verabschiedete sich Grenchen aus der Wirtschaftskammer Biel-Seeland. Bedauern Sie den Abgang?

Erwin Fischer: Ich habe den Entscheid begriffen, aber auch bedauert. Die Stadt hatte klare Bedingungen gestellt. Sie wollte, dass der Kanton Solothurn sie in der WIBS unterstützt. Das haben wir nicht geschafft. Immerhin ist das Amt Büren in der WIBS vertreten und die Regionalplanung Grenchen-Büren und dadurch auch wieder Grenchen.

Was ist die WIBS?

Fischer: WIBS ist die Drehscheibe aller Wirtschaftsplayer in der Region. Der Verbände, der Gemeinden, der Planungsregion, der Gewerkschaften und der Bildungsinstitutionen. Wir konzentrieren uns auf die gemeinsamen Interessen, etwa die Autobahn A5 oder die regionale Standortförderung. Wir machten uns auch Überlegungen zur Lancierung einer Region zusammen mit Solothurn und dem Berner Jura.

Warum?

Fischer: Für mich wird eine Wirtschaftsregion geprägt von den Menschen und von der Industrie der Region. Hier hat es eine Grenze dazwischen ...

... die vieles verunmöglicht.

Fischer: Ja. Sie ist eine Hürde. Ich habe politisch versucht, Schritte über die Grenze zu machen. Erste Erfolge sind Projekte mit beiden Kantonen.

Welche Projekte?

Fischer: Von einem darf ich nicht reden, das andere ist das Projekt «Fachkräfte für den Jurasüdfuss». Wir haben ein Projekt angestossen mit den beiden Bildungsdirektionen, beispielsweise im Bereich der Höheren Fachschulen. Ein Studium im Kanton Bern gilt auch im Kanton Solothurn. Studierende aus beiden Kantonen werden zu gleichen Konditionen zugelassen (Schulgeld).

Wie gross ist der Umfang dieser Projekte innerhalb der WIBS?

Fischer: Das sind Teilaufgaben. Als Basisdienstleistung führen wir ein Liegenschaftsregister im Wirtschaftsbereich. Sogar Grenchen ist da noch dabei.

Soll aber rausgeworfen werden?

Fischer: Ja, so weit wird es kommen.

Welches sind die weiteren Aufgaben?

Fischer: Die ganze Vernetzung unserer Partner. Die Projekte sind aber wichtiger geworden. Daran können sich die Leute orientieren, das ist konkreter.

Sind der WIBS die beiden erwähnten Projekte mit Solothurn wichtig?

Fischer: Von mir aus gesehen schon. Hier fliesst auch Geld. Es braucht etwas, dass ein Kanton über die Grenzen hinweg Geld vergibt. Die WIBS muss sich jetzt aber auf das bernische Gebiet konzentrieren. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Solothurn wird auf einer anderen Stufe gesucht. Etwa mit der Solothurner Handelskammer.

Wird die Verbindung zum Kanton Solothurn mit dem Ende der angesprochenen Projekte gekappt?

Fischer: Da bin ich mir nicht sicher. Da müssen Sie dann die neue Präsidentin fragen, Sibylle Thomke, eine Grenchnerin, die aber in Biel lebt. Die WIBS war immer bestrebt, Anstösse zu geben. Nach langen Vorarbeiten haben wir jetzt eine günstige Konstellation. Klaus Fischer und Bernhard Pulver (BE) sind Regierungsräte, die sich nicht scheuen, an Tabus zu rühren.

Im Bereich Standortmarketing bleibt die Grenze unüberwindbar?

Fischer: Ein Projekt nennt sich Wohnen im Kanton Bern. Das ist natürlich Gift für Grenchen. Aber wir wollen ja nicht die Grenchner ins Bernbiet locken, sondern Leute von ausserhalb der Region.

«Wohnen im Seeland» wäre den Grenchnern als Projektname lieber?

Fischer: Es war die Idee von Regierungsrat Andreas Rickenbacher, die Marke Bern besser zu positionieren. Das ist sein Recht. Ich sagte ihm, bei uns an der Grenze sei dies heikel. Gutnachbarliche Beziehungen würden strapaziert.

Was macht WIBS für das Amt Büren?

Fischer: Diese Frage wird immer wieder gestellt. Wir machen vor allem etwas im Bereich Standortmarketing. Wir könnten die Gemeinden unterstützen, wenn sie wollen. Beispielsweise beim Wohnen. Oft haben die Interessierten keine Informationen, wie die Region aussieht. Wir geben diese Informationen. Und die Gemeinden können zusätzliche hinzufügen. Im Amt Büren wird dies viel zu wenig genutzt. Vielleicht ist es auch nicht bekannt. Vielleicht ist es aber auch kein Bedürfnis.

Würde es sich für Grenchen lohnen, wieder Mitglied der WIBS zu werden?

Fischer: Für Grenchen lohnt sich eine gute Zusammenarbeit mit der WIBS. Es würde sich mehr lohnen, wenn Grenchen Unterstützung aus seinem Hinterland hätte. Und hier meine ich Solothurn. Zu ungleich sind die Bedingungen in Bezug auf die Bevölkerungszahl.

Konkret ist die Mitgliedschaft von Grenchen nicht erste Priorität?

Fischer: Man sollte die Zusammenarbeit formalisieren, so dass Projekte lanciert werden können. Jetzt beruht die Zusammenarbeit auf Eigeninitiative.

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