Mit gesunden Bilanzen im Rücken und dem starken Franken in der Hand haben Schweizer Unternehmen in den vergangenen Jahren im Ausland kräftig zugekauft. Im Hauptmarkt EU wurden unter anderem der Sanitärhersteller Geberit in Finnland, der Hörgeräteanbieter Sonova in den Niederlanden und der Spezialist für Schliessanlagen Dorma + Kaba in Deutschland fündig.

Fusionen bilden den sichtbarsten Teil dessen, was man als ausländische Direktinvestitionen oder auch Foreign Direct Investments (FDI) bezeichnet und nach der Lesart des Internationalen Währungsfonds mindestens eine Zehn-Prozent-Beteiligung umfassen muss. Bei den FDI in der EU waren Schweizer Firmen im vergangenen Jahr wiederum eifrig. Mehr als das: Aus vorläufigen Daten der Statistikbehörde Eurostat ergibt sich, dass die Schweiz 2016 von allen Nicht-EU-Ländern am meisten investierte. Mit 55 Milliarden Euro übertrumpfte sie knapp die USA als traditionelle Nummer eins, deren Firmen 54 Milliarden Euro anlegten.

Nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fliessen rund drei Viertel der Auslandinvestitionen in die europäischen Länder. In der EU-Rangliste folgten 2016 die rund 40 Offshore-Finanzplätze, Japan und Kanada – dies mit grossem Abstand. Den Spitzenplatz errangen die Schweizer weniger durch eigenes Zutun, sondern als Folge eines Einbruchs in den FDI der Amerikaner. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt nicht weniger als 76 Prozent. Eurostat hat bisher keine Erklärung für den Rückschlag, wie die Behörde auf Anfrage mitteilt. Auch die grossen Unternehmensberatungen rätseln über die Gründe. Damit bleibt offen, ob ihn Gesetzesänderungen in Amerika verursacht haben oder die Wahlpropaganda von Donald Trump erste Wirkungen entfaltete.

Die Verschiebung ändert allerdings nichts an der Dominanz der USA im Bestand der Direktanlagen in EU-Europa. Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen betrugen sie gut 2,4 Billionen Euro, gefolgt von der Eidgenossenschaft mit 627 Milliarden Euro. Das ist immer noch deutlich mehr als der gesamte Kapitalstock, den die Asiaten in Europa investiert hatten, nämlich 524 Milliarden Euro.

Frage der Produktionskosten

Die Investitionszurückhaltung wirkte auch in der Gegenrichtung. Investoren aus der EU zogen 2016 insgesamt nahezu 100 Milliarden Euro aus den Vereinigten Staaten ab, wohingegen die Schweiz 21 Milliarden Euro anlockte, dabei nur übertroffen von Brasilien mit 33 Milliarden Euro. FDI sind höchst schwankungsanfällig. Einzelne Milliardenakquisitionen vermögen ebenso wie Währungsverwerfungen das Bild in einem Jahr rasch zu verändern.

Andererseits spricht nichts dafür, dass die Schweizer Investitionen in diesem Jahr sichtbar schrumpfen werden. Dies kommt auch daher, dass sich nach den Worten des Fusionsspezialisten Patrik Kerler von der Unternehmensberatung KPMG für den Werkplatz Schweiz stets die Frage der Produktionskosten stellt. Sie liegen zum Beispiel im Euro-Raum deutlich niedriger als hierzulande. Die internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind relativ robust. Das dürfte auch für die Investitionstätigkeit gelten. Schon für 2015 stellte die SNB für alle Auslandsinvestitionen der Schweiz fest, dass sie sich «deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre» bewegten.