Bereits 2018 setzte in der Schweizer Textilindustrie ein Abschwung ein, und dieser hat sich seit Jahresbeginn verschärft. Die Exporte sanken im ersten Quartal um 7 Prozent auf 321 Millionen Franken. Abgenommen haben sowohl die Ausfuhren der modischen als auch jene der technischen Textilien, die eine immer grössere Rolle spielen. Der Verband Swiss Textiles spricht im jüngsten Konjunkturbericht von einem «harzigen Einstieg» der  Textil- und Bekleidungsindustrie ins neue Jahr.

Die Probleme werden vor allem auf externe Faktoren zurückgeführt, so auf den anhaltenden Handelskonflikt der USA mit China, aber auch mit der EU. Und auf die wirtschaftlichen Turbulenzen in der Türkei, eine restriktivere Kreditvergabe in China, stockende Autoproduktion in Deutschland und auf den hängigen Brexit. All diese Schwierigkeiten belasten das globale Wirtschaftswachstum und hemmen die Investitionstätigkeit, was auch die hiesige Textil- und Bekleidungsindustrie zu spüren bekommt.

Konkret äussert sich das neben rückläufigen Exporten in der allgemeinen Geschäftslage, deren Bewertung durch die Textil- und Bekleidungsunternehmen sich «rasant verschlechtert» hat. Der Indikator ist im ersten Quartal «schlagartig» abgestürzt und erstmals seit 15 Monaten wieder knapp negativ. Das heisst: die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als «schlecht» einstufen, übersteigt jene, die von einer «guten» Geschäftslage sprechen. Auch die Angaben der Firmen über die Höhe ihres Auftragsbestands haben sich verschlechtert, doch wird der Saldo von Swiss Textiles verglichen mit den Werten nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank Anfang 2015 als «normal» taxiert.

Erstaunlich solide Job-Situation

Weniger Exporte, schleppender Geschäftsgang, oft zu kleine Auftragsbestände – «dieses getrübte Bild gilt es nun ein wenig zu relativieren», sagt Jasmin Schmid, die beim Branchenverband die Abteilung Wirtschaft und Statistik leitet. Zum einen seien solch unmittelbare und heftige Reaktionen der Branche auf internationale Veränderungen nicht unüblich. Denn das Textil- und Bekleidungsgeschäft gilt als sehr preissensibel und weist kurze Produktionszyklen auf. Zum anderen wird die diesjährige Entwicklung mit dem Vorjahr 2018 verglichen, und dieses war ein starkes für die Branche. Kommt hinzu, dass die Kapazitätsauslastung weiterhin auf rekordhohem Niveau, gut 87 Prozent, liegt. Allerdings sind die Kapazitäten in der Vergangenheit drastisch reduziert worden.

Noch solide zeigt sich die Beschäftigung. So standen in der Branche Ende Jahr gemessen in Vollzeitstellen 12'445 Personen in Lohn und Brot, 183 mehr als vor Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote in der Branche betrug im März 3 Prozent.

Höhere Preise möglich

Den erschwerten Exportbedingungen zum Trotz rechnet – oder hofft – Swiss Textiles damit, dass sich die Lage der Weltwirtschaft im zweiten Semester aufhellt. Diese Einschätzung kontrastiert mit durchzogenen kurzfristigen Erwartungen der Unternehmen. So rechnen vorerst mehr Firmen mit niedrigeren als mit höheren Bestellungen, ein Viertel der Betriebe geht von rückläufiger Beschäftigung aus, und auch die Erwartungen betreffend Exporte sind noch einen Tick weniger optimistisch. So rechnet nur noch eine knappe Mehrheit mit steigenden Ausfuhren. «Äusserst zuversichtlich» geben sich die Unternehmen hinsichtlich einer Steigerung der Verkaufspreise. Doch auch das ist relativ. Marcel Meister, Chef der Emmentaler Meister & Cie AG, spricht von höheren Rohstoffpreisen sowie Personal- und Betriebskosten. Das rechtfertige höhere Verkaufspreise, verbesser aber die Gewinnmarge nicht.

Meister demonstriert, worauf es heute ankommt, um als Schweizer Textiler im globalen Wettbewerb bestehen zu können: mit hoch spezialisierten Produkten in Nischenmärkten. Meister & Cie, 150 Jahre alt, entwickelt und produziert technische Textilgeflechte wie zum Beispiel Faserseile für Seilparks, Züge usw. und biomedizinische Textilgeflechte für Implantate. Mit solchen hochwertigen Erzeugnissen differenziert sich Marcel Meister nicht nur von Konkurrenten, sondern kann auch ein Bollwerk gegen externe Einflüsse bilden: «Die Preissensitivität und damit der Einfluss der generellen Rahmenbedingungen ist umso geringer, je spezialisierter das Produkt ist.»