5 Wochen bis Ostern

Schweizer stehen auf Schoggi aus dem Ausland

Schweizer Ostern-Schoggi sieht nicht nur appetitlich aus, es schmeckt auch lecker – und das, obwohl die Schoggi aus dem Ausland in der Schweiz immer mehr gefragt ist.

Schweizer Ostern-Schoggi sieht nicht nur appetitlich aus, es schmeckt auch lecker – und das, obwohl die Schoggi aus dem Ausland in der Schweiz immer mehr gefragt ist.

Die Schweizer stehen auf ausländische Schoggi: Über ein Drittel der in der Schweiz gegessenen Schokolade stammt aus dem Ausland. In den letzten 20 Jahren hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt.

In fünf Wochen ist Ostern. Die Regale in den Läden sind bereits mit Schoggihasen gefüllt. Ein besonders beliebtes Exemplar ist der Goldhase von Lindt & Sprüngli. Was viele Konsumenten nicht wissen: Der Schweizer Schokoladenkonzern produziert den Goldhasen ausschliesslich in Deutschland. Jeder Goldhase, der in der Schweiz über den Ladentisch geht, wurde importiert.

Der bekannte Lindt-Goldhase ist «Schweizer» Schokolade - «made in Germany»

Der bekannte Lindt-Goldhase ist «Schweizer» Schokolade - «made in Germany»

Ein Test am Selecta-Automat auf der «Nordwestschweiz»-Redaktion zeigt, dass auch der KitKat-Riegel in Deutschland produziert wurde – obwohl KitKat zum Schweizer Lebensmittelmulti Nestlé gehört. Auch andere Schweizer Schokoladenkonzerne, die im Ausland präsent sind, importieren Produkte in die Schweiz. Das hat mit dazu beigetragen, dass der Import-Anteil am Schokoladen-Konsum in der Schweiz in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen ist. Gemäss Chocosuisse, dem Verband Schweizerischer Schokoladefabrikanten, verzehrten die Schweizer 1995 noch 17,9 Prozent ausländische Schoggi. Bis 2014 stieg dieser Anteil auf 37,2 Prozent, wie gestern bekannt gegeben wurde.

Werden Schweizer abgezockt?

Der Import von Schokolade, die von international tätigen Schweizer Konzernen im Ausland produziert wurde, ist aber nicht der Hauptgrund für den Import-Anstieg. Den grössten Anteil an dieser Entwicklung hat die Einfuhr ausländischer Billigtafeln sowie zahlreicher ausländischer Schoko-Riegel und Schoko-Snacks, sagt Urs Furrer, Direktor von Chocosuisse: «Rund 80 Prozent der Importe stammen von internationalen Schokoladenherstellern, die nichts mit der Schweiz zu tun haben.»

Furrer erwartet für 2015 keine Trendwende: «Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses macht ausländische Schokolade noch günstiger. Das verstärkt den Importdruck zusätzlich.»

Doch sind die Schweizer Schokoladenhersteller vielleicht selbst schuld daran, dass sich die Schweizer vermehrt für Schokolade aus dem Ausland entscheiden? Ein Blick in die Jahresstatistik 2014 legt diesen Schluss nahe: In Tonnen blieben nur 37 Prozent der hierzulande produzierten Schokolade in der Schweiz. Der Rest wurde exportiert. Mit diesen 37 Prozent der produzierten Gesamtmenge erzielte die Schweizer Schokoladenindustrie aber 53 Prozent des Gesamtumsatzes. Während der Absatz in Tonnen in der Schweiz also kleiner war, war der Umsatz in Franken in der Schweiz grösser. Bezahlen Schweizer sogar für Schoggi, die in der Schweiz produziert wurde, einen Aufpreis? Obwohl beim Verkauf im Ausland höhere Transportkosten anfallen?

Furrer bestreitet dies: «Dass die Umsätze in der Schweiz pro verkauftem Kilo höher sind, liegt vor allem daran, dass nach wie vor relativ viele Schweizer Konsumenten hochwertige Produkte bevorzugen.» Hierzulande gönnten sich zum Beispiel mehr Leute edle Pralinés mit einer schönen Verpackung als in anderen Märkten, wo eher günstige Schokolade nachgefragt werde.

Wachstum dank Exporten

Dem Trend zu Schokolade aus dem Ausland zum Trotz: Sorgen machen muss man sich um die Schweizer Schokoladenindustrie nicht. Denn obwohl die einheimischen Produzenten den Absatz im Inland seit 1995 nur unwesentlich steigern konnten (plus 1,1 Prozent), wird in der Schweiz heute deutlich mehr Schokolade produziert als vor 20 Jahren (plus 43,2 Prozent).

Die zusätzlich produzierte Menge geht praktisch vollumfänglich in den Export. Ob diese Entwicklung auch in diesem Jahr anhalten wird, ist aber fraglich. Furrer: «Der starke Franken macht uns auch im Exportgeschäft zu schaffen.» Zusätzlich verschärft werde die Situation durch Nachteile beim Rohstoff-Einkauf: «Der Schutz der Schweizer Landwirtschaft führt für uns zu Wettbewerbsnachteilen. Das können wir uns mit dem starken Franken nicht mehr leisten.» Er appelliert an die Politik, dies zu ändern.

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