Wintersport

Schweizer Skigebiete investieren 400 Millionen – im Wettrüsten heisst es jeder gegen jeden

Im Alpenraum ist ein grosser Verdrängungskampf im Gange. Nach Jahren der Stagnation mischen die Schweizer Skigebiete wieder aktiv mit – und investieren Hunderte Millionen von Franken.

Nach fast zehn Jahren Rückgang stieg die Zahl der Skisportler in den Schweizer Alpen wieder. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben die Schweizer selbst: Inzwischen sind 63 Prozent der Gäste auf hiesigen Pisten aus der Schweiz – vor zehn Jahren lag ihr Anteil noch bei 50 Prozent.

Die zurückliegenden mageren Jahre führten bei Seilbahnbetreibern zu einem regelrechten Rückstand der Investitionen – den bauen sie nun ab: allein in diesem Jahr investieren sie 400 Millionen Franken, eine Rekordsumme!

Andreas Keller von Seilbahnen Schweiz sagt gegenüber SonntagsBlick: «Nach dem Investitionsstau der Krisenjahre hat sich die finanzielle Lage bei diversen Unternehmen verbessert. Deshalb wird nun wieder mehr investiert.»

Alte Anlagen weichen modernen Sesselliften. Viel Geld geht auch in Beschneiungsanlagen und die dazugehörigen Speicherseen. Darüber hinaus setzen die Bahnen hohe Summen ein, um ihre Anlagen an den öffentlichen Verkehr anzubinden.

Die Kleine Scheidegg zwischen Eiger und Lauberhorn im Berner Oberland verbindet Grindelwald mit Lauterbrunnen.

Die Kleine Scheidegg zwischen Eiger und Lauberhorn im Berner Oberland verbindet Grindelwald mit Lauterbrunnen.

Die neuen Bahnterminals in Fiesch VS und in Grindelwald BE gelten als Leuchtturmprojekte der Branche, als wegweisend für die künftige Entwicklung. Die Schweizer Wintersportorte müssen mit Destinationen überall in den Alpen konkurrieren – denn auch anderswo investieren Bahnen kräftig in den Wintersport: allein 754 Millionen Euro sind es in Österreich.

Im gesamten Alpenbogen ist ein riesiger Verdrängungskampf in Gang, den auch Schweizer Destinationen untereinander austragen. Nur wenige Top-Destinationen können sich dieses Wettrüsten aus eigener Kraft leisten – immer häufiger muss der Steuerzahler aushelfen.

«Ohne Skitourismus wären die Alpen tot!»

Riesige Summen werden auch im Berner Oberland investiert. 470 Millionen Franken investierten die Jungfraubahnen in Etappen in ihre neue V-Bahn und ein neues Terminal in Grindelwald. Die Bahnen investieren in eine bessere Anbindung an den ÖV, kürzere Reisezeit aufs Jungfraujoch und in den Skisport.

Im Interview mit SonntagsBlick verteidigt Kessler den Wintertourismus: «Er hat trotz allem Zukunft – ohne Skisport wären die Alpen tot.»

Kritik übt der Chef der Jungfraubahnen mit über einer Million Besucher pro Jahr an den SBB und fordert bessere Umsteigemöglichkeiten an Bahnhöfen und Verbindungen aus dem Ausland nach Interlaken. Und den Einheimischen, die sich über Reisegruppen aus Asien aufregen, entgegnet er: «Wir leben vom Tourismus. Man muss auch etwas Verständnis aufbringen – und ein bisschen mehr Wertschätzung!»

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