Das letzte Jahr war ein turbulentes auf dem Schweizer Küchenmarkt. Piatti Küchen: pleite. Alno Schweiz: pleite. Forster Küchen: vor der Insolvenz verkauft. Die drei Schweizer Küchenfirmen haben eines gemeinsam. Sie alle sind durch die Insolvenz ihres deutschen Mutterkonzerns in Mitleidenschaft gezogen worden. Alno Deutschland wurde in Teilen Ende Dezember gerettet. Doch nun kommen im Zuge des Insolvenzverfahrens neue, brisante Details der Geschäfte rund um den Küchenbauer ans Licht. Mittendrin: der Schweizer Max Müller, von 2011 bis Mai 2017 Alno-Chef.

In einem ersten, vorläufigen Bericht kommt der Insolvenzverwalter zum Schluss, dass die deutsche Alno schon länger faktisch zahlungsunfähig gewesen sei. Der Vorwurf, der dadurch im Raum steht: Insolvenzverschleppung, in Deutschland eine Straftat. Laut dem Bericht, welcher der «Schweiz am Wochenende» in Auszügen vorliegt, seien einzelne Unternehmensteile von Alno wohl seit 2013 insolvent gewesen. Spätestens seit Ende 2016 sei die gesamte Firma als insolvent anzusehen. Also deutlich vor dem 12. Juli 2017, als der Insolvenzantrag gestellt wurde.

Staatsanwaltschaft untersucht

Darum geraten nun Max Müller und andere ehemalige Vorstandsmitglieder ins Visier der deutschen Justiz. Wie der Insolvenzverwalter Martin Hörmann auf Anfrage mitteilt, habe die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft Stuttgart Dokumente von ihm verlangt. Der Tatbestand der Insolvenzverschleppung wird in Deutschland mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder einer Geldbusse bestraft. Dazu ein zivilrechtliches Verfahren, das noch weitreichendere Konsequenzen haben kann. Etwa die Haftung für entstandene Schäden in Millionenhöhe. Müller weist laut deutschen Medien die Vorwürfe zurück.

Doch das ist nicht das einzige Ungemach für Müller. Vor den Feiertagen wurde publik, dass die Investorenfamilie Hastor gegen ihn auf Schadenersatz klagen will. Nach deren Einstieg bei Alno ist ein Streit zwischen ihnen und Max Müller sowie der ehemaligen Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas ausgebrochen. Ein Schadenersatz von 70 Millionen Euro steht im Raum. Dies weil die Investoren falsch informiert worden seien über den Geschäftsgang, heisst es in deutschen Medienberichten. Müller bestreitet den Vorwurf laut dem Insolvenzbericht. Und wirft den von den Hastors eingesetzten Verwaltungsratsmitgliedern Überforderung vor.

Der ganze Fall rund um Alno ist komplex. Noch sei denn auch die Insolvenzprüfung nicht abgeschlossen, heisst es im ersten Bericht. Dies soll bis März passieren. Dabei geht es nicht nur um eine allfällige Insolvenzverschleppung, sondern auch um das Firmengeflecht rund um Alno. So untersucht der Insolvenzverwalter auch Zahlungen an die Comco Holding AG. Bei einem wesentlichen Teil der Zahlungen sei noch näher aufzuklären, ob adäquate Gegenleistungen erbracht worden sind, heisst es im Bericht. Verwaltungsratspräsident der in der Schweiz eingetragenen Firma ist Max Müller. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Derweil basteln Müller und Ex-Alno-Finanzchefin Demirtas in der Schweiz an ihrem Küchenimperium. Über die Forster Swiss Home AG kaufte Müller im September von der Alno-Tochter Bruno Piatti die Forster Küchen – Reste des Firmenkonstrukts von Edgar Oehler. Seit Oktober ist Demirtas als Direktorin der Forster Swiss Home eingetragen. Der Schweizer Küchenmarkt dürfte also nach einem turbulenten 2017 auch in diesem Jahr nicht zur Ruhe kommen. Vor allem nicht, falls Müller und Demirtas wirklich vor Gericht landen.