Der US-Dollar befindet sich im freien Fall. Inzwischen ist die Leitwährung bereits unter die Paritätsgrenze mit dem Schweizer Franken gefallen.

Für Schweizer Konsumenten ist die Dollarschwäche ein Traum. «Reisende in die USA oder in Länder, die vorwiegend über den Dollar als Zahlungsmittel verfügen, profitieren vom Tief des US-Dollars,» erklärt Währungsanalystin der ZKB Susanne Toren. Zudem lohnt sich der Einkauf und Import von Jeans, technischen Produkten wie dem iPad oder Kosmetika über das Internet mehr denn je.

Für die Schweizer Exportindustrie könnte sich die Dollarschwäche laut Ivo Zimmermann hingegen zum Albtraum entwickeln. Im Gespräch mit aargauerzeitung.ch geht der Sprecher des Verbands Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) davon aus, dass der tiefe Dollar die Schweizer Exporterzeugnisse verteuert und die Margen dahinschmelzen lässt.«Wir müssen generell vielmehr von einer Frankenstärke als von einer Euro- bzw. Dollarschwäche sprechen.»

Exportindustrie im Schwitzkasten der Währungsschwäche

Ein weiterer Faktor ist, dass die Industrie bereits durch die Euro-Krise geschwächt wurde. Diesen Sommer geriet die Schweizer Exportindustrie unter Druck als der Euro phasenweise unter die kritische Marke von 1.30 Franken fiel. Zwar hat sich die europäische Leitwährung auf bescheidenem Niveau erholt, dennoch spürt die Industrie die Folgen der Euro-Krise noch heute.

«Wir befinden uns derzeit in einer Zangenbewegung, welche der Industrie nachhaltig schaden könnte.» Die Firmen von Swissmem führen zwei Drittel ihrer Erzeugnisse in den Euro-Raum und ein Fünftel in den Dollar-Raum aus - davon neun Prozent in die USA.

Firmen denken über Abgang ins Ausland nach

Nichtsdestotrotz will Swissmem nicht, dass die Schweizerische Nationalbank wie während der Euro-Krise den Franken künstlich schwächt. «Wir haben gesehen, dass die diesjährigen massiven Eurokäufe der Nationalbank keine nachhaltige Wirkung hatten». Es gebe andere Möglichkeiten, um auf die Frankenstärke und die Dollarschwäche zu reagieren.

Einerseits könnten die Schweizer Exportunternehmen laut Zimmermann versuchen, ihre Exportgeschäfte mit Termingeschäften oder Optionskäufen am Devisenmarkt abzusichern. «Allerdings sind die Märkte sehr volatil, was die Unsicherheit und damit die Kosten für diese Instrumente erhöht.

Selbst Stellenabbau kein Tabu

Eine Alternative ist, Teile für die Produktion der Güter im Euro- oder Dollarraum einzukaufen, um so die Nachteile des starken Frankens abzudämpfen. «Flankierend tun Unternehmen zudem das, was sie immer tun: Sie optimieren mit einem Strauss interner Massnahmen ihre Kosten und sind - sämtliche Vergleiche zeigen das - überdurchschnittlich innovativ.»

Was gut klingt heisst aber auch, dass die Industrie teilweise Stellen abbauen oder sogar über eine Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland nachdenken müssen. «Es liegt auf der Hand, dass besonders stark betroffene Unternehmen auch über die Verlagerung von Teilen ihrer Produktion nachdenken.»

Derweil geht ZKB-Analystin Susanne Toren davon aus, dass der Dollar noch weiter einbrechen wird. Wie tief der Fall sein wird, kann sie nicht beantworten. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass die Leitwährung auf bis 0.92 Franken fallen könnte.