Millionen von Päckchen wird die Post in diesem Dezember ausliefern. Ein Teil davon wird vom chinesischen Onlineversandhaus Alibaba sein. 2016 verarbeitete die Post über 9 Millionen Sendungen aus dem asiatischen Raum: Der Löwenanteil kommt von Alibaba. In diesem Jahr wird die Anzahl der Päckchen aus China nochmals ansteigen. Doch nicht nur bei den Konsumenten in der Schweiz ist die Plattform beliebt. Auch Schweizer KMU suchen ihr Heil beim Chinesischen Onlineriesen. Und wollen so in China wachsen.

Seit 2014 ist das Freihandelsabkommen mit China unterzeichnet. Für Schweizer KMU sollte es einfacher werden, ihre Ware nach China zu exportieren. Doch die Exporte verliefen bis jetzt schleppend. Der Grund: Der Markteinstieg ist nicht einfach. Man müsse bereit sein, ins Marketing zu investieren, sagt Daniel Küng Chef von Switzerland Global Enterprise (SGE). Seine Institution unterstützt Schweizer KMU beim Gang ins Ausland. Die Konkurrenz beim Direktverkauf von Produzenten zu Konsumenten sei gross. Es gebe in China viele Mitbewerber, etwa aus Australien, Japan, Korea und den USA, die in Europa weniger präsent seien, so Küng.

China: Top-Exportmarkt

Trotzdem sieht SGE China als Top-Exportmarkt an. In einer Studie hat SGE 107 Länder miteinander verglichen. Und China steht an der Spitze der Exportmärkte, vor den USA und Südkorea. Das sei laut SGE jedoch keine Überraschung. China biete einen riesigen Markt, das Bruttoinlandprodukt betrug 11,2 Billionen Dollar. Tendenz steigend mit über 6 Prozent, wie SGE schreibt. Durch das Freihandelsabkommen hätten Schweizer KMU Preisvorteile gegenüber europäischen Konkurrenten.

Deshalb könne gerade der digitale Gang nach China für viele Firmen in der Schweiz interessant sein, sagt Daniel Küng. Vor allem im Konsumgüterbereich. Und dies nicht nur als erster Schritt: «Es gibt Firmen, die nur online in China präsent sind». Andere würden physische mit virtueller Präsenz ergänzen. Über den Onlinehandel sei der Markteinstieg in China einfacher als noch vor fünf Jahren auf herkömmlichem Weg war, sagt Küng.

«Früher musste man zwangsläufig vor Ort präsent sein. Eine Filiale gründen, Partner haben: Das ist eine Herausforderung.» Küng glaubt jedoch, dass es in Zukunft notwendig ist, physisch präsent zu sein. «Auch mit der ganzen Digitalisierung wird das menschliche Element nie ganz verloren gehen», sagt Küng.

Bonbonherstellerin Ricola ist einer der Schweizer Firmen, die physische und virtuelle Präsenz in China miteinander verbindet. Sie verkaufen ihre Ware unter anderem auf der Onlineplattform T-Mall, welche vom Internetriesen Alibaba betrieben wird. Die Seite ist eigens für den sogenannten B2CBereich angelegt. Also für den Verkauf vom Produzenten direkt an den Kunden.

Ricola profitiert davon, dass die Firma bereits seit längerer Zeit in China präsent ist. Die Bekanntheit der Marke Ricola unterscheide sich jedoch nach Region, wie Stefan Huber, Regionenleiter Ostasien bei Ricola erklärt. Darum sei Werbung wichtig für den Markenaufbau in China.

Für diese Werbung nutzt Ricola die Onlineplattform T-Mall. Die Website sei in erster Linie ein Fenster zu China, eine Quelle für Konsumenteninformationen und eine Möglichkeit zum Testen von verschiedenen Marketingaktivitäten. Dabei sei die Profitabilität nicht primäres Ziel.
Ein Problem beim Handel in China trotz Freihandelsabkommen: Der administrative Aufwand ist gross.

Ricola müsse zum Beispiel den Nachweis erbringen, dass die Firma Markeneigentümer ist und auch die aktuellen Markenrechte in China besitze, so Huber. Dies sei allerdings im Interesse der Markenhersteller, um die Anzahl Fälschungen im Angebot zu minimieren.
Auch andere Schweizer Firmen entdecken den Onlinehandel über T-Mall.

So können Chinesen etwa Produkte von Victorinox oder vom Kosmetikhersteller La Prairie auf der Onlineplattform kaufen. Das Geschäft in China wächst, mehr und mehr Schweizer Firmen entdecken das Land der Mitte als Exportmarkt für sich. Derweil wächst auch in der Schweiz der Marktanteil von Alibaba am Onlinehandel. Bereits gehört Alibaba zu den 10 Onlineplattformen mit dem höchsten Umsatz in der Schweiz. Tendenz steigend.