Kaum ist der Jubel über das Freihandelsabkommen mit China verstummt, schon werden in der Schweizer Wirtschaft wieder warnende Stimmen laut: «Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA könnte der Schweiz erheblichen Schaden zufügen», sagte Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, gestern an einer Medienkonferenz in Zürich. Der Dachverband beruft sich auf eine Studie des deutschen Ifo-Instituts, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt wurde.

Konkret prophezeit die Studie der Schweiz den Verlust von bis zu 18 000 Arbeitsplätzen – und 3,8 Prozent weniger Einkommen. Der Grund: Durch das Freihandelsabkommen EU-USA werden die Vorteile des innereuropäischen Freihandels – von dem auch die Schweiz profitiert – aufgehoben. Europäische Firmen würden sich deshalb eher Zulieferer in den USA suchen, der Schweiz gingen Aufträge verloren.

Bundesrat bemüht um Gespräche

Die genannten Zahlen entsprechen dem schlimmstmöglichen Szenario der Studie. In diesem würden nicht nur die Zölle abgeschafft, sondern auch nichttarifäre Barrieren beseitigt – damit sind beispielsweise unterschiedliche Qualitätsstandards gemeint. Dass dieses Szenario tatsächlich eintrifft, gilt aber als unwahrscheinlich. Die Erfahrung zeigt, dass gewisse Handelshemmnisse auch nach dem Abschluss eines Freihandelsabkommens bestehen bleiben.

Des Weiteren gehen die Autoren der Studie im Falle einer umfassenden Liberalisierung davon aus, dass sich der Handel zwischen EU-Staaten und den USA um rund 80 Prozent erhöhen wird. In der Schweiz brachten Freihandelsabkommen in der Vergangenheit lediglich bis zu 18 Prozent Umsatzsteigerungen. Künzli von Handel Schweiz relativiert deshalb das Schreckensszenario aus der Studie. Er vermutet dahinter «strategische Spiele».

Gefährlich sei die Situation aber dennoch: «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zwischen Stuhl und Bank fallen.» Er fordert deshalb den Abschluss weiterer Freihandelsabkommen. Neue Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA hält er derzeit allerdings für unrealistisch. Dies deshalb, weil die Schweiz 2006 solche Gespräche abgebrochen hat. Die Gründe waren damals unterschiedliche Positionen in Agrar- und Umweltschutzfragen.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann kennt die Gefahren des EU-USA-Freihandelsabkommens. In einem Interview mit der «NZZ» sagte er, dass man kein Diskriminierungsrisiko eingehen wolle und deswegen der amerikanischen Seite einen Brief geschrieben habe. «Für die Aufnahme paralleler Verhandlungen ist es noch zu früh, aber wir wollen in Kontakt kommen und die Entwicklung begleiten können», so der Wirtschaftsminister.