Schweizer Einkaufstouristen sparen in Deutschland doppelt: Einerseits dank tieferen Preisen, andererseits wegen der Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer, die bis zu 19 Prozent beträgt. Um dieses Geld im jeweiligen Laden zurückfordern zu können, müssen sie eine Ausfuhrbescheinigung verlangen und diese vom Zoll stempeln lassen.

Einige Einkaufstouristen begnügen sich damit aber nicht: Sie erschleichen sich Mehrwertsteuer-Rückzahlungen, die ihnen nicht zustehen. Das berichtet der "Blick". Sie kaufen beispielsweise Waren für Freunde in Deutschland, lassen sich dafür Ausfuhrscheine stempeln und kassieren die Rückerstattung – obwohl sie den Einkauf nicht mit nach Hause nehmen. Andere fischen laut "Blick" Kassenbons aus dem Müll und knöpfen dem betreffenden Geschäft unter einer Ausrede einen Ausfuhrschein ab, den sie dann dem Zoll zum Stempeln vorlegen. Die Einkäufe, die auf dem Kassenbon stehen, haben sie nie getätigt.

Zoll greift durch

Bis im Frühjahr 2017 konnten die deutschen Zöllner nichts gegen diese Masche tun. "Wenn jemand eine Ausfuhrbescheinigung für Waren hatte, die er nicht mit sich führte, mussten wir die Leute laufen lassen", so die deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft.

Das ist nun Vergangenheit. Seit dem 1. Juli 2017 können tricksende Einkaufstouristen gebüsst werden. Über 1000 Schweizer sind laut einem Vertreter des Hauptzollamtes Singen schon verwarnt und gebüsst worden. Die Bussen betragen zwischen 20 und 55 Euro. Wer mit Einkäufen im Wert von über 275 Euro trickst, muss mit einem Verfahren der Staatsanwaltschaft rechnen. (mwa)