Fleisch

Schweizer Detailhändler verscherbeln Fleisch zu Schleuderpreisen

Proviande zeigt sich zufrieden mit dem Schweizer Fleischkonsum.

Grillen Fleisch

Proviande zeigt sich zufrieden mit dem Schweizer Fleischkonsum.

Werfen Sie den Grill an! Coop und Migros verkaufen ihre Grillprodukte zu Schleuderpreisen. Grund dafür ist das nasskalte Wetter und eine Überproduktion an Schweinefleisch.

Sven Zaugg

An Grillen war in den vergangenen Wochen nicht zu denken. Doch die Wetterprognosen für das bevorstehende Pfingstwochenende verheissen Gutes: 23 Grad und Sonnenschein. Das freut neben den Fleischfetischisten auch die Schweizer Detailhändler, die ihre Bestände an Grillprodukten endlich absetzen können - und das zu Schleuderpreisen.

Derzeit liegen die Verkaufspreise für Fleischprodukte 10 Prozent unter Vorjahr - zudem ist laut den Schweizer Detailhändlern mit weiteren «aggressiven» Aktionen zu rechnen. Der Konsument darf sich also freuen, seine Brieftasche wird geschont.

«Aggressive» Aktionen von Migros und Coop

«In mehreren Verkaufsstellen wurden die Grillartikel um bis zu 50 Prozent verbilligt», sagt Coop-Mediensprecherin Denise Stadler und verspricht in den kommenden Wochen weitere Preisabschläge. Im Fokus liegt primär Schweinefleisch; in diesem Segment übersteigt das Angebot die Nachfrage massiv.

Auch die Migros bestätigt auf Anfrage, dass der Absatz von Grillartikeln in den letzten Wochen stagnierte. Mediensprecher Urs Naef hält fest, dass verschiedene Aktionen nicht den erhofften Erfolg gebracht hätten. «Wir hoffen jedoch auf ein schönes Pfingstwochenende und vor allem auf die Weltmeisterschaft.» Deshalb will der Detailhändler verschiedene Aktionen auf Grillartikel verlängern.

Neue Impfung führt zu Überangebot

Das Überangebot an Schweinefleisch hat indessen weniger mit dem schlechten Wetter zu tun, als mit einer neuen so genannten Circovirenimpfung. Dank dieser Impfung erkrankten oder starben in diesem Winter weniger Ferkel. Gemäss dem Produzentenverband Suisseporcs gelangten dadurch im ersten Quartal rund 11 000 Schweine mehr auf die Schlachtbank als im Vorjahr. Es sei damit zu rechnen, dass das Schweinefleischangebot das ganze Jahr über höher sein wird als im Vorjahr

Die höhere Produktion hat aber auch zur Folge, dass die Produzenten von Schweizer Schlachtschweine mit 4.30 Franken derzeit rund 1 Franken weniger erhalten als noch 2008.

Fleisch bei Schweizer Konsument hoch im Kurs

Heinrich Bucher, Direktor des Branchenverbandes Proviande, stellt fest, dass die Detailhändler aufgrund des Überangebots von Schweinfleisch vor allem dieses Segment stark bewerben. «Dies wird letztlich dem Konsumenten zu Gute kommen - er wird diesen Sommer billiges Schweinefleisch konsumieren können.» Das sei ohnehin noch immer das beliebteste Stück Fleisch in der Schweiz.

Grundsätzlich zeigt sich Proviande zufrieden mit dem Schweizer Fleischkonsum. Lediglich 2009 stellte der Brancheverband einen leichten Rückgang der Fleischkonsumation fest, was auf die Finanzkrise zurück zu führen sei, wie Bucher erklärt. Trotzdem habe der Stellenwert von Fleisch wieder höher als in den vergangenen Jahren.

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