Mega-Zusammenschluss
Schweizer Chemiehersteller Clariant fusioniert mit US-Konzern Huntsman

Durch die Heirat mit dem US-Wettbewerber Huntsman wird Clariant zum zweitgrössten Spezialitätenchemiekonzern weltweit. Die Amerikaner erhalten das Präsidium und betonen, dass sie an den Standorten und der Börsenkotierung in der Schweiz festhalten wollen.

Drucken
Teilen
Clariant macht mit dem US-Konzern Huntsman gemeinsame Sache. (Archiv)

Clariant macht mit dem US-Konzern Huntsman gemeinsame Sache. (Archiv)

Keystone/GEORGIOS KEFALAS

Geliebäugelt mit einer Fusion haben die Konzernchefs von Clariant und Huntsman bereits vor acht Jahren, wie Huntsman-Präsident und -Chef, Peter Huntsman, am Montag in Zürich vor den Medien sagte.

Das Eis definitiv gebrochen ist laut Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann vor drei Wochen, als die beiden Managementteams erstmals zusammenkamen. Am Ende war es auch die starke Konsolidierung in der Branche, die zum Zusammenschluss geführt habe.

Bei der Fusion zu HuntsmanClariant wird sehr auf Gleichberechtigung der Parteien geachtet: Für den offiziellen Firmensitz ist Pratteln BL vorgesehen, die operativen Geschäfte sollen von The Woodlands im US-Bundesstaat Texas aus geführt werden. Das Amt des Konzernchefs übernimmt der Amerikaner. Kottmann wird Verwaltungsratspräsident.

Beide können auf die Zustimmung der Hauptaktionäre zählen, der Huntsman-Familie wie der Clariant-Grossaktionäre. An der neuen Gesellschaft mit 28'200 Mitarbeitern und 200 Fabriken sollen die Clariant-Aktionäre 52 Prozent halten, die Huntsman-Eigner den Rest.

Kein Stellenabbau hierzulande

Clariant steuert zwar weniger zum Gesamtumsatz von HuntsmanClariant von 13,2 Milliarden Dollar und zum Betriebsgewinn von 2,3 Milliarden Dollar bei. Aber der Marktwert der Schweizer sei höher, so Huntsman. Synergien von 400 Millionen Dollar sollen zwei Jahre nach dem auf Ende Jahr erwarteten Abschluss der Transaktion erreicht werden.

Die rund 750 Angestellten von Clariant und rund 550 von Huntsman in der Schweiz können vorerst aufatmen. Überschneidungen sieht die neue Führung nicht in erster Linie hierzulande. "Die Schweiz und die Region Basel wird profitieren, weil sich die Geschäftsfelder ergänzen", sagte Kottmann. Ein Stellenabbau sei nicht geplant

Der Huntsman-Chef seinerseits betonte: "Wir verpflichten uns, eine Schweizer Firma zu bleiben." Basel sei wichtig für die Produktion sowie die Forschung und Entwicklung - und das werde auch so bleiben. Ebenso sollen die Aktien weiterhin in der Schweiz gehandelt werden - wie auch an der New York Stock Exchange.

Die Baselbieter Volkswirtschaftsdirektion nahm die Fusion wohlwollend auf: Sie scheine geeignet, die Kompetenzen der beiden Unternehmungen zu stärken. Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz gibt zu bedenken, dass die Mitspracherechte der Angestellten eingeschränkt werden könnten, wenn der operative Sitz in den USA sein werde. Die Gewerkschaft Unia verlangt Arbeitsplatzgarantien.

Gegen feindliche Übernahme

Der Finanzmarkt zeigte sich erfreut. Am Morgen stieg die Aktie auf 22,89 Franken, den höchsten Stand seit fast 15 Jahren. Übernahme- und Fusionsgerüchte um Clariant gab es die letzten Jahre regelmässig - auch von der deutschen Weltmarktführerin Evonik. Kottmann betonte, dass Clariant keine feindliche Übernahme wollte.

Während Clariant aus Sandoz hervorging, wurde Huntsman von der gleichnamigen Familie gegründet. Peter Huntsmans Vater Jon hatte das Unternehmen anfangs der 1970er-Jahre gegründet. Der Junior sagte am Montag: "Meine Mutter begrüsst die Fusion, sie ist der Boss unserer Familie und wenn sie glücklich ist, sind alle glücklich."

HuntsmanClariant wird laut Angaben der Firmen weniger zyklisch sein, weniger Schulden haben und höhere Margen generieren als die bisherigen Einzelfirmen.

Aktuelle Nachrichten