Schuldenkrise
Schweizer Banken sind kein Fluchthafen für schwarzes Geld aus Zypern

Der holländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hat als neuer Vorsitzender der Eurogruppe seine erste Krise hinter sich. Jetzt steht er in der Kritik, weil er in Zypern Aktionäre, Besitzer von Bankobligationen und reiche Sparer zur Kasse bittet.

Roman Seiler
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Die Laiki Bank auf Zypern schliesst die Tore.

Die Laiki Bank auf Zypern schliesst die Tore.

Keystone

Der Chefökonom der Bank Julius Bär, Janwillem Acket, lobt Dijsselbloem. Er sei ein «echter Senkrechtstarter in der Politik», aber «kein sehr diplomatischer, sondern ein eher gradliniger» Typ: «Er will dazu beitragen, dass die Eurozone in Zukunft ein solides Bankensystem hat. Steuerzahler sollen, wenn möglich, nicht mehr zur Kasse gebeten werden, um Banken zu retten.»
Auf Zypern lockten hohe Zinsen
Genau dies musste er als Finanzminister im Februar in den Niederlanden tun. Er verstaatlichte die systemrelevante SNS Reaal und schützte damit noch Halter von erstrangigen Obligationen des Geldhauses vor Verlusten. «Er hat damals angekündigt, das sei das letzte Mal, dass er so etwas zulasse», sagt Acket.
Für den Ökonomen ist das, was in Zypern passiert, «ein Warnschuss für alle in der Eurozone, die mit randständigen Geschäftsmodellen Banken betreiben, Geldwäscherei nicht verhindern, Steuerhinterziehung zulassen oder mit überhöhten Zinsversprechen Spargelder anziehen». Wohl auch deswegen waren die Geldhäuser bei Russen beliebt, die rund 30 Milliarden Franken auf Zypern parkiert hatten.
Die Laiki Bank, das zweitgrösste Geldhaus der Insel, wird zerschlagen. Einlagen von mehr als 100 000 Euro verfallen weitgehend. Beim grössten Finanzinstitut, der Bank of Cyprus, sind es 30 bis 40 Prozent. «Es waren die Zyprioten, welche auch die Kleinsparer zur Kasse bitten wollten», sagt Acket. Diese bleiben jetzt geschützt. Das wollte auch Dijsselbloem, sagt Acket: «Bis 100 000 Euro sind Spareinlagen sicher. Diese Botschaft hat sich jetzt durchgesetzt.»
Dieser Knall sei nicht zu vermeiden gewesen, so Acket: «Jetzt wissen Zocker, dass sie nicht mehr darauf spekulieren können, dass im Falle des Kollapses einer solchen Bank europäische Politiker einknicken und sie retten.» Anleger hätten auch eine Eigenverantwortung: «Dass es schiefgehen kann, wenn man sein Geld gegen hohe Zinsen bei einer nicht ganz sauberen Bank anlegt, hat schon der Zusammenbruch isländischer Banken gezeigt.»
Allerdings könnte das radikale Bankensanierungsprogramm auch anderswo Sparer und Anleger aufschrecken. Besitzer von Obligationen, die von südeuropäischen Banken herausgegeben wurden, oder deren Kunden, die bei ihnen Spareinlagen parkiert haben, könnten nun Geld zurückziehen.
«Das ist der Knackpunkt beim Krisenmanagement in Zypern», sagt Credit-Suisse-Ökonom Thomas Herrmann: «Es erhöht die Verunsicherung.» Er hält den möglichen Ansteckungseffekt allerdings nicht für gross: «Italienische und spanische Banken haben eine andere Kapitalstruktur. Sie verfügen über bessere Kapitalpuffer in Form von Anleihen als die zypriotischen Banken.» Daher seien die Einlagen von Sparern in Italien und Spanien auch sicherer. Angesichts der Schlagzeilen aus Zypern könnten Sparer allerdings in Panik geraten und einen Teil oder ihre gesamten Ersparnisse abziehen oder ihre Bankobligationen oder -aktien abstossen. «Das kann zur Folge haben, dass es für betroffene Banken teurer wird, Kapital aufzunehmen», sagt Herrmann. Das sei einer der zentralen Gründe für die Misere in Europa.
Schweiz kein Fluchthafen mehr
«Steigt die Verunsicherung betreffend der Sicherheit des Euros wieder an», so Herrmann, «steigt auch das Interesse, sein Geld auf stabileren Finanzplätzen zu parkieren, wo die Verlustrisiken kleiner sind. Das muss nicht zwangsläufig die Schweiz sein. Schweizer Banken seien kein Fluchthafen für schwarzes Geld aus Zypern, so Acket: «Wir haben aus unserer Vergangenheit gelernt und wollen sauberes Geld verwalten. Wir betreiben eine Weissgeldstrategie.» Auch für die Finanzmarktaufsicht (Finma) ergebe sich wegen Zypern «kein besonderer Handlungsbedarf», sagte gestern Direktor Patrick Raaflaub an der Jahresmedienkonferenz. Die Banken wüssten, welche Sorgfaltspflichten bei der Annahme von Neugeldern gelten: «Wir überwachen die Einhaltung aller Regeln immer.»

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