Benzinpreis
Schweizer Autofahrer griffen noch nie so tief ins Portemonnaie wie im 2012

Der Liter bleifrei kostete im 2012 durchschnittlich 1,81 Franken – soviel wie noch nie. Erdölhändler machen die politische Lage dafür verantwortlich. Beim Konsumentenschutz spricht man jedoch von Abzockerei. So oder so: Besserung ist nicht in Sicht.

Roman Huber
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Benzin: Im 2012 so teuer wie nie zuvor – und im 2013?

Benzin: Im 2012 so teuer wie nie zuvor – und im 2013?

Kostete der Liter bleifrei im Jahr 2011 noch durchschnittlich 1,73 Franken, so verzeichnete der Schweizer Autofahrer mit 1,81 Franken das teuerste Tankjahr aller Zeiten. Am höchsten lag der Benzinpreis mit 1,76 Franken bislang im Jahr 2008. Besser erging es den Diesel-Fahrern: Im Jahresschnitt bezahlten sie 1,93 Liter, 10 Rappen weniger als im 2008.

Sogar die 2-Franken-Marke geritzt

Noch nie sei das Benzin so teuer gewesen wie im 2012, titelte «20 Minuten Online». Vor 10 Jahren war der Benzinpreis in der Tat noch 50 Rappen tiefer. Im April musste man davon ausgehen, dass der Benzinpreis gar die Marke von zwei Franken nehmen würde. Die Irankrise mit dem Öl-Embargo gegen das Land wurde als Hauptgrund für die Preis-Hausse angegeben, ist doch Iran nach Saudi-Arabien das zweitwichtigste Ölförderland. Der anhaltende Atom-Streit mit Iran und die Fortsetzung des Embargos deuten derzeit darauf hin, dass von dieser Seite vorläufig keine Preisentschärfung zu erwarten ist.

MIt der Pleite von Petroplus und der vorübergehenden Stilllegung der Raffinerie in Crissier Mitte Jahr erhöhte sich in der Schweiz der Importanteil für Benzin von 60 auf 80 Prozent. Der Anstieg des Benzinpreises in der Schweiz habe man zu 10 Prozent darauf zurückführen müssen, erklärte damals Öl-Experte Richard Tschümperlin gegenüber der Nordwestschweiz.

Politik oder Mineralölkonzerne?

Wer dieses Jahr um die 10 000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt hat, musste laut Rolf Hartl, Präsident der Schweizerischen Erdölvereinigung, für das Benzin 80 Franken mehr bezahlen als im Vorjahr. Über die Gründe ist man sich strittig. Die Kurse an der Rohstoffbörse in Amsterdam sind ausschlaggebend, die laut der Händlervereinigung von der politischen Lage und vom Wechselkurs zum Dollar abhängig seien, wird doch das Mineralöl in Dollar gehandelt. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, ist jedoch überzeugt, dass nicht nur die Politik den Benzinpreis beeinflusst. Mehrfach hat sie schon beteuert, dass Preise von den Mineralölkonzernen auf Kosten der Konsumenten gesteuert würden.