«Der Wechselkurs erholt sich nicht so rasch», sagte Philip Mosimann, Chef von Bucher Industries, im Juli 2011. Damals, kurz vor der Einführung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank, lag der Kurs bei Fr. 1.20. Heute, ein Jahr nach der Aufhebung des Mindestkurses, sind es noch Fr. 1.09.

Das liess Auftragseingang und Umsatz des Herstellers von Landmaschinen und Kommunalfahrzeuge in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres um elf Prozent einbrechen. Das widerspiegelt sich im Aktienkurs, der seit dem letzten Juni um 34 Prozent abgestürzt ist.

Mosimann übergibt die operative Führung des Konzerns mit 11 600 Mitarbeitern, davon 1000 in der Schweiz, im April an seinen Nachfolger Jacques Sanche. Er war zuvor Chef des Apparateherstellers Belimo. Im Herbst startete Sanche sein Einführungsprogramm bei Bucher. Mosimann wird Verwaltungsratspräsident.

Nun stehen die Schweizer Arbeitsplätze einmal mehr auf dem Prüfstand. Gemäss einer gut unterrichteten Quelle sei geplant, die 200 Arbeitsplätze des Bereichs Municipal in Niederweningen ins Ausland zu verlagern.

In der Fabrik im Zürcher Wehntal, gleich ennet der Grenze zum Kanton Aargau, montiert Bucher Fahrzeuge zur Strassenreinigung für Kommunen. In diesem Geschäft tätig ist auch die britische Tochter Johnston, die gemäss Geschäftsbericht in Dorking über «eine der modernsten Fabriken für Kommunalfahrzeuge» verfügt.

Der Markt sei «auf tiefem Niveau stabil» geblieben, heisst es in der Medienmitteilung zum Geschäftsgang im letzten Herbst. Im lettischen Ventspils produziert und montiert Bucher Komponenten für solche Fahrzeuge.

Bisher keine Entscheide gefällt

Sprecherin Vanessa Ölz sagt dazu: «Wegen des starken Frankens prüfen wir laufend bei allen Schweizer Standorten, mit welchen Massnahmen wir die aktuelle Kostensituation verbessern können.

Diskutiert werden alle Möglichkeiten, auch Personalmassnahmen.» Eine erste hat Bucher gerade auf Anfang Jahr umgesetzt: Wie das Badener Tagblatt am Mittwoch berichtete, führte der Industriekonzern für die Division Unipektin in Niederweningen Kurzarbeit ein. Zwei Drittel der rund 100 Angestellten arbeiten vorübergehend noch drei Tage pro Woche.

Viele weitere Massnahmen seien bereits umgesetzt worden, sagt Vanessa Ölz. Dazu zählen der vermehrte Einkauf im Euro-Raum, die effizientere Herstellung von Produkten, vorübergehende Kurzarbeit sowie Arbeitszeitverlängerungen. Es gebe bis heute aber keine weitergehenden Entscheide, sagt die Sprecherin: «Welche Massnahmen wir ergreifen und wie schnell wir sie umsetzen werden, ist offen.»

Im Umkehrschluss heisst das: Es ist auch nichts ausgeschlossen. Beim Geschäftsbereich Municipal kommt dazu, dass das dafür zuständige Konzernleitungsmitglied das Unternehmen «im gegenseitigen Einvernehmen» im August verlassen hat, um sich «beruflich neu zu orientieren».

Seither führt Johnston-Chef Coen van Rosmalen interimistisch den Bereich. Gut möglich, dass man einen allfälligen Verlagerungsentscheid erst fällt, wenn klar ist, wer diese Sparte in Zukunft führen soll.

«Wegen des starken Frankens prüfen wir laufend bei allen Schweizer Standorten, mit welchen Massnahmen wir die aktuelle Kostensituation verbessern können.»
Vanessa Ölz Sprecherin von Bucher Industries