«Der Schweizer Wirtschaft geht es besser als viele erwartet haben, die Unternehmungen erzielen trotz starkem Franken gute Gewinnmargen und das Gespenst eines Euro-Zusammenbruches hat sich grösstenteils verzogen, weiter sind Aktien sind immer noch vernünftig bewertet - all dies triebt die Börse an», beschreibt Marco Curti, Chief Investment Officer bei der Zürcher Kantonalbank die Gründe für den Jahresendspurt, der im Börsenjargon oft als «Jahresend-Rally» bezeichnet wird.

Der Anstieg steht allerdings auf dünnem Eis. «Es gibt wenig fundamentale Argumente für eine Rally», sagt Vontobel-Chefstratege Christophe Bernard, «denn die, Wirtschaftsaussichten bleiben verhalten und es gibt bei Aktien kein nachhaltiges Gewinnwachstum.» Lediglich nur die Vorlaufindikatoren seien positiv. «Die Handelsvolumina nehmen zum Jahresende ab, das macht es für Short-Positionen schwieriger, da das Glattstellen teuer werden», ergänzt Christian Gattiker, Chefstratege bei Julius Bär. «Und zu Jahresanfang gibt es den Anlagebedarf der Institutionellen, die traditionellen Jahresendrallies sind demnach schon eine Vorwegnahme des Anlagebedarfs.»

Ein weiterer Faktor sind die tiefen Zinsen. «Anleger werden dadurch fast gezwungen in Aktien zu investieren, da sich hier noch etwas Rendite erzielen lässt», beschreibt Curti die Lage. Auch die Aufkaufpolitik der Notenbanken trägt laut Gattiker zum Anlagenotstand bei, weil diese viele vermeintlich sichere Anlagen über ihre Progamme aufgekauft haben. Für Bernard sind diese Aufkaufprogramme sogar entscheidend. «Ohne die Massnahmen mit den Bezeichnungen wie FED-ZIRP und QE oder EZB-LTRO und OMT hätten die Märkte keinen Anstieg erlebt.»

Gerade das OMT-Programm der Europäischen Zentralbank EZB entfaltete in den letzten Monaten seine Wirkung. «So hat die EZB den Politikern Zeit verschafft, die strukturellen Ungleichgewichte anzugehen», sagt Bernard. «Entscheidend ist eine Stabilisierung der Wirtschaftsleistung in Südeuropa, sonst wird es für den Zusammenhalt der Eurozone irgendwann kritisch.»

Kein Euro-Zusammenbruch

«Die Notenbanken haben sich eines auf die Fahnen geschrieben - so viel Liquidität wie möglich ins System pumpen, um einen Wirtschaftszusammenbruch zu vermeiden», sagt Curti. Das machen sie durch den Kauf von Staatsanleihen, Devisen oder Hypothekarforderungen. «Diese Geldflut hat zu den erwähnten rekordtiefen Zinsen geführt und die wiederum heizen die Börsen an», beschreibt Curti diesen Kreislauf. «Der grosse Zusammenbruch ist dank EZB Intervention und des Europäischen Rettungsschirms ESM im Gegensatz zu den Jahren 2010 und 2011 im nächsten Jahr nicht wahrscheinlich», beruhigt Gattiker.

Gebannt sind die Gefahren damit nicht. «Es lauern viele Gefahren», sagt Curti, «denn die Eurokrise ist nicht gelöst, sondern nur zeitlich gestreckt worden und die sogenannte «Fiskalklippe» in den USA ist nicht weg vom Tisch.» Aber die Beurteilung dieser Gefahren durch die Anleger ist zurzeit weniger dramatisch als noch vor ein paar Wochen - und das wiederum treibt die Aktienpreise an.