Teure Frucht

Schweizer Äpfel sind knapp und werden teurer

Schweizer Äpfel sind ein rares Gut, das treibt die Preise hoch – Entspannung ist für Herbst angesagt.

Schweizer Äpfel sind ein rares Gut, das treibt die Preise hoch – Entspannung ist für Herbst angesagt.

Der letztjährige Frost lässt die Schweizer Äpfel knapp werden. Entspannung gibt's erst im Herbst.

In der Obstbranche ist man erleichtert, dass sich die neue Apfelernte anbahnt. Es scheint eine gute bis sehr gute Ernte zu sein. Voraussichtlich ab Mitte August kann der Markt wieder hauptsächlich mit inländischen Äpfeln aus der Ernte 2018 versorgt werden. Dann werden die Auswirkungen des Frostfrühlings 2017 endgültig ausgestanden sein.

Noch zeigen sich indessen die Folgen dieser ausserordentlich schlechten Ernte 2017 in den Verkaufsregalen, und das europaweit. Der Schweizer Handelsverband für Früchte und Gemüse stellte eine europaweite Knappheit fest. «Äpfel waren und sind in ganz Europa rar», sagt der Direktor von Swisscofel, Marc Wermelinger.

Mit Schnee bedeckte Äpfel: Der Frostfrühling machte den Schweizer Bauern zu schaffen.

Mit Schnee bedeckte Äpfel: Der Frostfrühling machte den Schweizer Bauern zu schaffen.

  

Das erleben auch die Schweizer Konsumenten. «Äpfel gehen aus», so betitelte Anfang Juni der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) eine Kurzmeldung. Diese zeigt, dass die Schweiz gegen Ende Mai nur noch wenig mehr als 3000 Tonnen an inländischen Äpfeln an Lager hatte. Im Vorjahr waren es zur selben Zeit noch über 14 500 Tonnen, also fast fünf Mal mehr.

Es seien nur noch Golden Delicious und ein paar Premiumsorten erhältlich, schreibt der LID. Aber auch dieser Vorrat ist bald aufgebraucht. «Das Angebot reicht knapp bis Mitte Juli.»

Die Knappheit schlägt sich gemäss den Gesetzen von Angebot und Nachfrage in den Preisen nieder. Für Schweizer Tafeläpfel mussten die Grosshändler den Bauern zwischen 30 und 50 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr.

Bis zu 76 Prozent höhere Preise

Im Detailhandel, wo noch weitere Kosten dazu gerechnet werden, fallen die Preissteigerungen hingegen etwas weniger hoch aus. Erkennbar sind sie dennoch. In der ersten Juniwoche kostete zum Beispiel das Kilo Äpfel der Sorte Braeburn genau Fr. 4.13, rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Für Gala-Äpfel mussten Fr. 4.17 bezahlt werden, 12 Prozent mehr als im Vorjahr; für Golden-Delicious-Äpfel dann Fr. 4.10, gar 76 Prozent mehr als 2017. Gleich blieb der Kilo-Preis lediglich für die ohnehin etwas teurere Premiumsorte «Jazz», die weiterhin Fr. 4.92 kostete. Alle anderen Sorten waren im Juni ausgegangen, wie der Wochenbericht des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt.

Die erste Juniwoche war nicht etwa ein statistischer Sonderfall. Im Mai 2018 wurden im Vorjahresvergleich ähnliche Preisaufschläge für die meisten Sorten festgestellt. Nur bei den Golden-Äpfeln war die Entwicklung nicht ganz so extrem wie im Juni. Gegenüber dem Vorjahr mussten die Konsumenten für diese Sorte durchschnittlich rund 24 Prozent mehr an der Kasse abgeben.

Der späte Schnee sorgt jetzt dafür, dass Detailhändler weniger Aktionen anbieten können.

Der späte Schnee sorgt jetzt dafür, dass Detailhändler weniger Aktionen anbieten können.

        

Der Frostfrühling hatte auch zur Folge, dass die Detailhändler weniger Aktionen für Äpfel anbieten konnten. Das wiederum quittierten die Konsumenten mit geringeren Einkäufen. Bei Aktionen kaufen sie sonst bis zu 50 Prozent mehr ein. Auch dieser Effekt ist in den Statistiken erkennbar: «Es ist — nicht überraschend — insgesamt ein leicht unterdurchschnittlicher Konsum festgestellt worden im letzten Monat», sagt Swisscofel-Direktor Wermelinger.

Es sind die Spätfolgen einer extremen Frostwelle, die im April 2017 über Europa hereinbrach. Die Bauern kämpften um ihre Ernten, Frostkerzen waren schweizweit ausverkauft. Doch es half nicht viel. In einigen wichtigen Anbauregionen der Schweiz fiel die Hälfte der Ernte aus. Später wurden die Vorräte bald einmal knapp.

Mit einem Importkontingent konnte die Lücke von Januar bis April überbrückt werden. Rund 8000 Tonnen Äpfeln durften zusätzlich importiert werden. Dafür hat das Bundesamt für Landwirtschaft grünes Licht gegeben. So konnte der Verkauf von Schweizer Äpfeln etwas gedrosselt werden, damit die Vorräte länger reichten. Sonst wären die Schweizer Äpfel über Monate aus den Verkaufsregalen verschwunden.

Des Schweizers liebste Frucht

Andere Früchte wie Bananen, Orangen oder Ananas hätten die Lücken in den Läden füllen können. Doch der Apfel hätte so womöglich seinen Status als des Schweizers liebste Frucht verlieren können. «Die gesamte Apfelbranche ist froh, dass der Detailhandel seine Regale für Schweizer Äpfel offen gehalten hat und es auch weiterhin tun wird», sagt Wermelinger.

Nun muss die Branche noch die Wochen und Monate bis zur nächsten Apfelernte überbrücken. Die allerersten Schweizer Frühsorten werden zwischen Mitte und Ende Juli erwartet. Das wird aber nicht reichen. «Das Sortiment wird wohl noch länger mit Importen ergänzt werden müssen, bis dann ab September immer mehr Schweizer Apfelsorten dazu kommen», sagt Wermelinger. Anfangs Juli wird die Branche zusammen kommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Wir gehen davon aus, dass die Grenze für Tafeläpfel noch bis Mitte August offenbleiben muss.» Ab dann sind die Aussichten besser, denn die neue Ernte verspricht gut zu werden. «Aktuell hören wir aus den Hauptanbaugebieten, dass es eine erfreuliche Apfelernte geben wird. Wir hoffen selbstverständlich, dass dies auch tatsächlich der Fall sein wird.»

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