Eine Raffinerie aus dem Kanton Neuenburg* steht in der Kritik: Sie soll illegales Gold aus Südamerika verarbeitet haben. Dass die Vorwürfe eine Schweizer Firma treffen, darf insofern nicht überraschen, als die Alpenrepublik in den letzten Jahren zu jenem Tiegel avanciert ist, in dem das Gold der Welt verschmilzt. (* in einer früheren Version haben wir fälschlicherweise Kanton Bern geschrieben; Anm. d. Red.)

Die Schweiz ist in der gesamten Wertschöpfungskette des gelben Edelmetalls – mit Ausnahme seiner Förderung – spitze. Der wichtigste Rohstoffhandelsplatz hat insbesondere auch im Goldhandel Weltbedeutung erlangt. 

Goldkanten von 20 Metern

Gold ist eigentlich nicht sehr selten und findet sich überall: Auf den Kontinenten, im Meer, sogar im Menschen selbst. Konzentration und die Form des Goldes können jedoch signifikant variieren. In der 15 Kilometer dicken Erdkruste kommt das Metall mit einer Konzentration von 0,005 Gramm pro Tonne vor. Hochgerechnet ergäbe das theoretisch die unglaubliche Menge von 30 Milliarden Tonnen, die unter uns noch schlummern. Doch wegen der geringen Konzentration lohnt sich der Abbau meist nicht.

Der Gold-Weltverband World Gold Council schätzt die bisher in allen Zeiten weltweit geförderte Goldmenge auf 177'000 Tonnen, mit einem Wert per Ende 2013 von 6,85 Billionen Dollar. Würde man all dieses Gold zu einem Würfel giessen, hätte dieser eine Kantenlänge von rund 20 Metern – überraschend wenig. Gold ist als Edelmetall vor Oxydation gefeit und wird genau genommen nicht verbraucht. Jede je geförderte Menge ist damit eigentlich heute noch vorhanden.

Der grösste Anteil der Goldverwendung entfällt auf Schmuck mit 85'400 Tonnen (48,2 Prozent). Es folgen Anlagegold (Goldmünzen und -barren) mit geschätzten 36'100 Tonnen (20,4 Prozent) und Zentralbanken mit 30'500 Tonnen (17,2 Prozent) des bereits geförderten Bestands. Kunstgegenstände und Industrie binden etwa 25'200 Tonnen ( 14,2 Prozent).

Was die Förderung angeht, so ist die Schweiz nur noch für Hobby-Goldschürfer interessant. Die letzte kommerzielle Schweizer Goldmine wurde 1961 geschlossen. Damals gab es im Kanton Tessin zwischen Sessa und Astano eine Goldader. Seither fehlen Edelmetall-Vorkommen im Schweizer Boden, die zur Kommerzialisierung geeignet sind.

Grösster Händler der Welt

Trotzdem stieg die Schweiz zum internationalen Goldplayer Nummer eins auf. Die Schweiz ist mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent global der grösste Goldhändler. Darin noch nicht mit einberechnet ist jenes Gold, das über die Zollfreilager verschoben wird. Fünf Goldraffinerien machen die Schweiz zusätzlich attraktiv als Drehscheibe des Markts für das gelbe Metall. Vier der weltweit grössten Goldraffinerien sind hier domiziliert.

Zusammen verfügen sie über Kapazitäten, mit denen 70 Prozent der Weltproduktion verarbeitet werden können. 40 bis 70 Prozent der globalen Goldförderung werden in den Raffinerien der Schweiz eingeschmolzen und verfeinert. Die Goldraffinerien Pamp in Castel San Pietro, Valcambi in Balema und Argor-Heraeus in Mendrisio haben allesamt ihren Hauptsitz im Kanton Tessin. Weitere Goldraffinerien sind die beiden Schmelzwerke Cendres Métaux in Biel und Metalor in Neuchâtel.

Der Edelmetallhandel war lange von der Aussenhandels-Statistik ausgeklammert. 1981 hatte der Bundesrat entschieden, diese Daten nicht mehr zu veröffentlichen. Verschiedene Faktoren dürften zu diesem Entscheid geführt haben: Einerseits wollte man dem Bankenplatz London, dem Hauptkonkurrenten Zürichs, nicht zu viele Informationen geben. Andererseits versuchte man zu verhindern, dass solche – damals auch politisch – sensible Daten öffentlich wurden, besonders jene der Goldimporte aus der Sowjetunion oder aus dem damaligen Apartheid-Staat Südafrika, der sich unter einem internationalen Embargo befand.

Diese Praxis wurde 2014 geändert. Heute publiziert die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) eine Statistik, in der auch Edelmetalle und Edelsteine inbegriffen sind. Dass die EZV diese Transaktionen berücksichtigt, hat das Gesicht des Schweizer Aussenhandels verändert. Mit einem Anteil von gut einem Fünftel am Aussenhandelswert ist Gold der unangefochtene Exportschlager, noch vor den traditionellen Produkten wie Medikamente oder Uhren.