Mads Larsen

Schweiz-Chef von British American Tobacco: «Ich habe keine moralischen Bedenken»

Mads Larsen, Der Schweiz-Chef von British American Tobacco, in seinem Lausanner Büro.

Mads Larsen, Der Schweiz-Chef von British American Tobacco, in seinem Lausanner Büro.

Mads Larsen, Schweiz-Chef von British American Tobacco, über Kritik am neuen Tabakgesetz, E-Zigaretten und rauchende Heidis.

Mads Larsen bittet in sein Büro am Schweizer Sitz von British American Tobacco in Lausanne. 7 Milliarden Zigaretten produziert der Tabakriese jährlich in der Schweiz. Und wo ist der Aschenbecher? Er brauche keinen, sagt Larsen. Der 49-jährige Däne ist Nichtraucher. Das Interview möchte er nicht am Tisch, sondern in der Relax-Ecke mit den Ohrensesseln führen. Dabei geht es für ihn derzeit alles andere als entspannt zu: In Bern wird ein neues Tabakgesetz gemacht.

Die Schweiz ringt derzeit um ein neues Tabakgesetz. Braucht es das aus Ihrer Sicht überhaupt?

Mads Larsen: Ich glaube schon, dass gewisse Anpassungen notwendig sind. Es gibt momentan kein einheitliches Mindestalter beim Kauf von Tabakprodukten. Da muss sich etwas ändern. Das Mindestalter für den Konsum sollte generell auf 18 Jahre festgelegt sein. Wichtig: Man sollte unbedingt unterschiedliche Regulierungen für Zigaretten und Alternativprodukte wie E-Zigaretten in Betracht ziehen. Im aktuellen Gesetzentwurf ist das nicht der Fall. Das ist nicht verständlich.

Der Ständerat hat sich eben für ein Werbeverbot von Tabakprodukten in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet ausgesprochen. Auch nicht gut?

Wir denken, dass man das für die verschiedenen Produkte unterschiedlich regeln sollte. Im Rahmen des Jugendschutzes können wir mit Verschärfungen bei herkömmlichen Tabakprodukten, also solchen, die man raucht oder anzündet, leben. Für Zigaretten machen wir seit Jahren keine Aussenwerbung mehr und auch keine Werbung in Zeitungen.

Aber Sie werben für E-Zigaretten.

Für E-Zigaretten und andere Alternativprodukte wie Snus sollte Werbung erlaubt sein, weil diese Produkte in vielerlei Hinsicht potenziell viel weniger belastend sind als herkömmliche Zigaretten. Sie geben eine Gelegenheit, erwachsene Zigarettenraucher davon wegzubringen, hin zu Produkten, die viel weniger belasten.

Besonders in den USA stehen E-Zigaretten stark in der Kritik. Präsident Trump will solche mit Geschmack landesweit verbieten. Könnte sich die Stimmung auch in der Schweiz gegen die E-Zigaretten drehen?

Ja, leider. Vieles was ich in den Zeitungen sehe, auch in der Schweiz, sind reine Sensationsmeldungen ohne sachlichen Hintergrund. Deshalb möchte ich den Dialog suchen. Die Berichterstattung über die Todesfälle in den USA ist vielfach über Schlagzeilen erfolgt, die wenig über die genauen Hintergründe informierten. Die Überschrift lautet dann einfach: Leute sterben durch E-Zigaretten. In Wirklichkeit war in diesen offenen Systemen aber, gemäss den Untersuchungsbehörden, THC drin, also Marihuana, oder selbstgemischte Flüssigkeiten. Jedenfalls handelte es sich nicht um kontrollierte Kartuschen wie bei unseren Produkten, die geschlossene Systeme sind.

Die Rede ist von fünf Todes- und 450 Krankheitsfällen, die nun erst untersucht werden. Man weiss nicht, ob bei allen THC drin war.

Die Leute, die gestorben sind, haben laut Medien THC-E-Zigaretten und Zusätze, die sie selbst gemischt haben, konsumiert. Gemäss unserem Kenntnisstand hat keiner der ins Spital eingelieferten Konsumenten ausschliesslich kontrollierte Zusätze eingenommen, was sehr bedauerlich ist.

Es fehlen Langzeitstudien, die die Gefährlichkeit von E-Zigaretten über 20 oder 30 Jahre untersuchen. Sie empfehlen deren Gebrauch trotzdem ohne Bedenken?

Ja, ohne Bedenken. Alle Untersuchungen deuten darauf hin, dass E-Zigaretten eine weniger belastende Alternative sind. Gesundheitsorganisationen in England, Frankreich und die Behörden in Amerika empfehlen sie. Von daher empfehle ich das übrigens auch meinen Familienmitgliedern.

Auch Ihrer 12-jährigen Tochter, wenn sie 18 ist?

Ganz sicher nicht. Ich empfehle ihr nicht, Nikotinprodukte zu benutzen. Ich glaube, Sie würden Ihren Kindern auch nicht sagen, sie sollen etwas benutzen, das nicht unbedingt gesund ist. Meinen rauchenden Familienmitgliedern empfehle ich E-Zigaretten, auch wenn es noch keine Langzeitstudien gibt.

Wie lange wird es noch dauern, bis Sie statt herkömmlichen nur noch E-Zigaretten verkaufen?

Das wird noch sehr lange dauern. Bislang sind erst 6 bis 7Prozent der Zigarettenraucher auf alternative Tabak- oder Nikotinprodukte umgestiegen. Bis 2025 befinden wir uns im Schweizer Gesamtmarkt vielleicht bei 20 bis 25 Prozent.

Wie entwickelt sich der Umsatz in der Schweiz?

Der Volumenumsatz mit Zigaretten geht jährlich zwei bis drei Prozent zurück. Einen Teil dieses Rückgangs wird durch Zigaretten zum Selberdrehen sowie mit Alternativprodukten, inklusive den E-Zigaretten, kompensiert. Aber der Gesamtnikotinverbrauch geht zurück, auch bei den jüngeren Konsumenten.

In der Schweiz dürfen Sie Zigaretten mit einem höheren Schadstoffgehalt produzieren, als es in der EU erlaubt ist. Deren Verkauf ist auch hierzulande verboten. Ihre Hauptabnehmer sind Länder im Nahen und Mittleren Osten mit lascheren Gesundheitsgesetzen. Keine moralischen Bedenken?

Nein, ich habe keine moralischen Bedenken deswegen. Wenn BAT Schweiz plötzlich sagen würde, wir produzieren nur noch Zigaretten mit tieferen Werten, würden wir Umsatz im Ausland verlieren. Denn diese Zigaretten würden sonst einfach anderswo produziert. Zudem möchten viele Kunden die Beschriftung «In der Schweiz hergestellt» auf ihren Zigaretten.

Es bleibt der Widerspruch: Hier bewerben Sie weniger schädliche Produkte und in ärmeren Ländern wie Indonesien weiterhin die klassischen Zigaretten mit hohen Schadstoffwerten.

In vielen Ländern gibt es ebenfalls strenge Werbegesetze. Aber die Nachfrage nach diesen Zigaretten ist dort grösser als in Europa. Wenn wir sie nach Schweizer Vorgaben produzieren würden, würden wir im Ausland Kunden und Umsatz verlieren. Das wollen unsere Aktionäre nicht. Wir produzieren diese Zigaretten in der Schweiz, weil sie dann «Made in Switzerland» sind und dies ein weltweites Qualitätssiegel ist.

Es ist etwas anderes, wenn man die Herkunft einfach vermerkt oder offensiv damit wirbt.

Es ist untersagt, mit der Herkunft allzu stark zu werben. Unsere Industrie ist sehr reguliert.

Also kein rauchendes Heidi auf den Verpackungen?

Leider nein, kein Heidi (lacht).

Vor einigen Tagen gab Ihr Mutterhaus einen Abbau von 2300 von total 55 000 Stellen bekannt. Wie stark sind Ihre Angestellten in der Schweiz betroffen?

Das kann ich aktuell noch nicht sagen. Wir haben heute etwa 350 Stellen in der Schweiz …

… es waren einmal 500.

Ja, in den letzten Jahren fielen einige Stellen weg. Das ist eine logische Folge des sinkenden Tabakkonsums. Dann braucht es weniger Leute in der Herstellung. Und auch am administrativen Sitz hier in Lausanne haben wir die Prozesse optimiert. Was ich heute sagen kann, ist, dass die Produktionsstätte im jurassischen Boncourt von diesem angekündigten Abbau ausgenommen ist. Da kann ich Entwarnung geben. Lausanne wird sicher von diesen Plänen betroffen sein. Für eine konkrete Aussage ist es aber noch zu früh. Der Standort bleibt auf jeden Fall bestehen.

Es ist nicht lange her, da durfte man sogar noch im Zug rauchen. Wo wird man in 10 bis 15 Jahren noch rauchen dürfen?

Ich weiss es nicht. Ich denke, dass die Schweiz das weiterhin relativ liberal handhaben wird. Ich denke, dass man weiterhin auf offener Strasse rauchen darf, nicht so wie teilweise in den USA. Sonst dürfte man ja auch keine Benzinautos mehr fahren. Wobei, wer weiss, so ein Verbot kommt ja vielleicht auch irgendwann.

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