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Schwab junior: «Forum war immer Bestandteil meines Lebens»

Olivier Schwab gestern in Davos.

Olivier Schwab gestern in Davos.

Beim World Economic Forum (WEF) drägnt die zweite Generation ins Rampenlicht. Olivier Schwab, Sohn von WEF-Gründer Klaus Schwab, leitet das Büro China. Ob er dereinst in die Fussstapfen seines Vaters tritt? «Die Frage stellt sich nicht», so Schwab.

Herr Schwab, ist es im WEF mehr Vorteil oder Nachteil, der Sohn von Klaus Schwab zu sein?

Olivier Schwab: Ehrlich gesagt: Weder noch! Ich trage eine regionale Verantwortung in China und bin somit einer von zehn Direktoren. Wir sind alle genau gleich gestellt, wir rapportieren alle an den Managing Director für die regionale Strategie.

Wie kam es, dass Sie 2010 im Forum eingestiegen sind, das Ihr Vater vor 42 Jahren gegründet hat und heute noch leitet?

Es war eine Stelle offen, um die «Technology Pioneers» zu leiten, ein Projekt, bei dem wir die zukünftigen Googles und Facebooks dieser Welt ausfindig machen. Wegen meiner Erfahrung im Silicon Valley hat mich das interessiert. Zwei Jahre habe ich das geleitet, und nun bin ich seit einem Jahr in China.

Die «Bilanz» zitierte kürzlich den Chef von Nestlé China mit den Worten: «Für die Chinesen ist es wichtig, dass ein Schwab vor Ort ist.»

Ja, das hat in China tatsächlich eine gewisse Bedeutung.

Wie frei können Sie in China arbeiten?

Das geht absolut problemlos! Das World Economic Forum ist bereits seit Anfang der 1980er-Jahre in China präsent. Das Interesse von Unternehmern und Akademikern an unseren Dienstleistungen ist sehr hoch.

Helfen Sie Firmen, die in China Fuss fassen wollen?

Nicht direkt, wir sind kein Broker, da gibt es genug andere. Aber wir bilden Brücken mit unseren Aktivitäten, zum Beispiel dem «Summer Davos», einem grossen Forum, an dem wir Unternehmen aus China mit Unternehmen aus dem Rest der Welt zusammenbringen. Das ist unser wichtigstes Projekt.

In China findet derzeit ein Machtwechsel statt. Was erwarten Sie von der neuen Regierung?

China steht vor grossen Herausforderungen. Ein Beispiel: Die prekäre Umweltsituation. Da herrscht dringender Handlungsbedarf. Ich bin überzeugt, dass sich die neue Führung dessen bewusst ist, sie hat schon gewisse Ankündigungen gemacht in SachenUmweltschutz und Nahrungsmittelsicherheit. Da werden wir in den kommenden Jahren Verbesserungen sehen.

Wen werden Sie hier in Davos treffen?

Etwa 40 Unternehmer aus China sind da, 20 Experten von Top-Universitäten sowie Regierungsvertreter. Wir planen etwa ein halbes Dutzend Diskussionsrunden. Wie kann China seine Wertschöpfungskette verbessern? Wie sieht China 2020 aus? Wie kann das Land den Umweltproblemen begegnen? Und so weiter. Die Nachfrage von Unternehmern und Regierungsvertretern, zu verstehen, was in China läuft, ist enorm.

Warum ist niemand von der chinesischen Top-Führungsebene nach Davos gereist?

Weil der Machtwechsel noch im Gang ist. Im Oktober wurde die Top-Führung ernannt, derzeit befinden sich die Ministerien im Transitionsprozess. Klarheit wird man erst im März haben.

Sie sind etwa gleich alt wie das Forum, Sie sind quasi damit aufgewachsen. War es immer Ihr Wunsch, eines Tages hier zu arbeiten?

Nicht unbedingt. Aber jetzt habe ich die Gelegenheit, eine interessante und für mich wichtige Rolle zu spielen. Dafür bin ich dankbar. Aber es stimmt schon: Das Forum war immer ein Bestandteil meines Lebens.

Möchten Sie eines Tages Nachfolger Ihres Vaters werden?

Haben Sie meinen Vater kürzlich getroffen?

Ja.

Dann haben Sie selber gesehen: Er hat genug Energie, um noch sehr lange weiterzumachen. Die Frage stellt sich also nicht.

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