Basel Stadt

«Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut»

Der abtretende Kantonalbankpräsident Willi Gerster äussert sich zum Ergebnis der BKB 2008 sowie zum Bankgeheimnis und zur Zukunft

Markus Vogt

Herr Gerster, die BKB sei kerngesund, hiess es, als die Bankspitze das Ergebnis 2008 vorstellte. Warum ist das so?

Willi Gerster:Die Basler Kantonalbank ist in keiner Weise an amerikanischen Subprime-Hypotheken oder deren verbrieften Derivatprodukten beteiligt. Unser diversifiziertes Geschäftsmodell hat den realen Stresstest der letzten Monate gut bestanden. Wir liessen uns trotz hohen Eigenmitteln in den vergangenen Jahren auch nicht zu abenteuerlichen Akquisitionen hinreissen. Manchmal werden wir auch in die Kategorie der «fleissig-biederen Universalbanker» eingeordnet, womit wir eigentlich gut leben können.

Das Jahresergebnis ist etwas weniger gut als im Rekord-Vorjahr. Weshalb?

Gerster: Das operative Ergebnis kann sich im Quervergleich sehen lassen. Mit einem erarbeiteten Bruttogewinn von 252 Millionen Franken konnte in Anbetracht des anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds ein erfreuliches Resultat erzielt werden. Auch der hohe Kundenzulauf sowie die gewonnenen Assets sind Highlights des letzten Jahres. Unsere Gewinnentwicklung wurde vor allem von der strategischen Beteiligung an der Nationale Suisse getrübt. Der Einbruch des Aktienkurses der Nationale Suisse hat sich negativ im Geschäftsabschluss niedergeschlagen.

Von der internationalen Krise scheint die BKB nur indirekt betroffen zu sein. Wie sieht es aus?

Gerster: Wie die gesamte Finanzbranche spürt natürlich auch die Basler Kantonalbank die indirekten Auswirkungen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. Insbesondere wirkt sich dies im Wertschriftengeschäft aus. Aufgrund der unsicheren Finanzmarktentwicklung wartet die Kundschaft mit Transaktionen weiterhin ab. Nur vereinzelt steigen Investoren mit geringen Volumina wieder ein, obwohl die gegenwärtigen Kurse für selektive Käufe geradezu einladen.

Wie rüstet sich die BKB für die Zukunft?

Gerster: Die Basler Kantonalbank gehört nun mit einem ausgebauten Handel, einem starken Private Banking auch in Zürich, einem starken Firmenkundengeschäft und einer soliden Bank Coop als schweizweite Tochtergesellschaft zu den sieben grössten Bankengruppen der Schweiz. Ich bin überzeugt, dass es der Bank auch im aktuellen Umfeld gelingt, mit ihrer Positionierung und Geschäftspolitik weiterhin solide Erträge auf hohem Niveau zu erwirtschaften. Die Krise bringt auch diverse Chancen. Hier spielt uns der eher konservative Ruf in die Hände, denn dieser entspricht dem gegenwärtig ablaufenden Werte- und Bedürfniswandel der Kunden nach mehr Sicherheit und hoher Transparenz. Mit dem Markenclaim «fair banking» steht die Basler Kantonalbank für diese Wertehaltung ein.

Bleibt die BKB die Bank der kleinen Leute?

Gerster: Die Basler Kantonalbank soll im Sinne von «Schuster bleib bei deinem Leisten» ein verlässlicher Partner für die sogenannt «kleinen Leute» bleiben, aber die sogenannten «kleinen Leute», das ist doch in Realität die grosse Mehrheit der Bevölkerung! Die Basler Kantonalbank ist heute eine Bank, welche Finanzdienstleistungen für die gesamte Bevölkerung anbietet. Es gibt aber keinen Grund, weshalb wir die Anlagebedürfnisse der vermögenden Privatkundschaft den Grossbanken oder den Privatbanken überlassen sollten. Mit der bereits dritten Auszeichnung in Folge als «Elite der Vermögensverwalter» hat das Private Banking der Basler Kantonalbank bewiesen, dass es zu den Top-Vermögensverwaltern im deutschsprachigen Raum Europas gehört. Auch für die Wirtschaft, für die KMU, für mittelgrosse Firmenkunden, für Institutionelle et cetera sind wir ein wichtiger Partner. Ich glaube auch nicht, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung nach dem, was wir im vergangenen Jahr an Staatshilfen für Banken gesehen haben, ausgerechnet für die solide finanzierten Kantonalbanken die Staatsgarantien abschaffen will.

Das Bankgeheimnis scheint nicht mehr zu halten sein. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Gerster: Trotz der Konzessionen gegenüber den OECD-Standards kann meines Erachtens keine Rede davon sein, dass das Bankgeheimnis in der Schweiz aufgehoben wird. Wer will denn den «gläsernen Bürger», wie das teilweise unsere Nachbarstaaten kennen? Der Schutz der Privat-sphäre ist in unserem Demokratieverständnis ein hohes Gut. Es gilt nun die weiteren Entwicklungen abzuwarten, was bei den Neuverhandlungen über die Doppelbesteuerungsabkommen herauskommt. Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass keine Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet wird, aber die Verantwortung für die Steuererklärung muss beim Kunden bleiben. Letztlich bin ich froh, dass die Schweizer Medien instinktiv begonnen haben, statt Selbstzerfleischung zu betreiben sich auch mit den Steuerschlupflöchern in denjenigen Ländern zu befassen, die massiven Druck auf die Schweiz ausgeübt haben.

Mit dem vollzogenen Wechsel im Bankpräsidium haben Sie den gestaffelten Rückzug begonnen. Verspüren Sie nach den vielen Jahren bei der BKB nicht etwas Wehmut?

Gerster: Wehmut überhaupt nicht! Einerseits bin ich sehr zufrieden, dass die Bank solide dasteht und die Kontinuität mit Andreas C. Albrecht als neuem Bankpräsidenten gewahrt ist. Mit den verbleibenden Funktionen bin ich ja weiterhin für die Tochtergesellschaft Bank Coop und als Mitglied des Konzernausschusses für beide Banken engagiert. Andererseits freue ich mich riesig darauf, in Zukunft wieder mehr frei verfügbare Zeit für mich selber zu haben. Kürzlich las ich irgendwo ein Zitat von Victor Hugo und fand, dass es eigentlich gut zu meiner Situation passt: «Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.»

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