Wirtschaft

Schoggihasen werden zum Ladenhüter: Die Coronakrise vermiest das Ostergeschäft

Wegen der Coronakrise verzichten viele auf die traditionellen Feiern im Kreis der Familie. Damit werden weniger Osterhasen verschenkt.

Wegen der Coronakrise verzichten viele auf die traditionellen Feiern im Kreis der Familie. Damit werden weniger Osterhasen verschenkt.

Die Nachfrage nach Osterhasen fällt in Zeiten der Pandemie tiefer aus. Die Detailhändler versuchen mit Rabatten und Aktionen nachzuhelfen.

So viele Aktionen vor Ostern gab es für Osterhasen und Schokoladen-Eier wohl noch nie. Bei Coop gibt es etwa auf das Osterschokolade-Sortiment beim Kauf von 3 Stück 20 Prozent Rabatt. Schokoladeneier werden gar mit einem Preisabschlag von 50 Prozent angeboten. Lidl hat bei rund 40 Produkten die Preise ebenfalls um 50 Prozent gesenkt.

Wegen der Coronakrise verzichten viele auf die traditionellen Feiern im Kreis der Familie. Damit werden weniger Osterhasen, Schoggi-Eier & Co. verschenkt. Die Schokoladen-Hersteller, die ihre Ware in ihren Läden verkaufen, leiden jedoch auch unter der vom Bundesrat verfügten Schliessung jener Geschäfte, die keine Güter des täglichen Bedarfs verkaufen.

So hat etwa der Schokoladen-Hersteller Läderach sämtliche Filialen geschlossen. «Wir verstehen den Entscheid des Bundes als klaren Aufruf, jegliche Art von Menschenansammlungen zu vermeiden, um damit die Verbreitung des Virus zu verlangsamen», sagt eine Sprecherin. Die Schliessung der Filialen treffe die Firma sehr. Denn die Produkte von Läderach würden fast ausschliesslich über die eigenen Läden verkauft. Im Online-Shop werden derweil die Osterhasen mit Rabatten zwischen 20 und 50 Prozent angeboten.

Diese Hasen waren vor einem Monat noch ein Verkaufsschlager:

Corona-Hasen aus Aargauer Bäckerei sind der Renner

Corona-Hasen aus Aargauer Bäckerei sind der Renner – Tele M1, 9.3.2020.

Lindt & Sprüngli habe die Osterprodukte bereits vor Beginn der Pandemie ausgeliefert, sagt eine Sprecherin. Wie sich Verkäufe in den letzten Tagen vor Ostern entwickeln, lasse sich noch nicht abschätzen. Dennoch sei klar, dass sich die aktuelle Situation auf das Ostergeschäft in der Schweiz auswirken werde. Wie Läderach hat auch Lindt & Sprüngli die eigenen Geschäfte geschlossen. Zudem bleiben auch die Touristen als Kunden aus. Andere Verkaufskanäle wie der Online-Shop oder der kürzlich eingerichtete Abholservice an drei Standorten hätten nun Bedeutung gewonnen. Im Online-Shop sind alle Osterprodukte mit einem Rabatt von 30 Prozent zu haben.

Hygiene- und Abstandsauflagen erschweren die Produktion

Kleinere Betriebe wie etwa die Luzerner Confiserie Bachmann können noch nicht abschätzen, wie sich das Ostergeschäft in Zeiten der Coronakrise entwickelt. Entscheidend sei die laufende Woche vor Ostern, sagt Geschäftsführer Matthias Bachmann. Er zeigt sich jedoch vorsichtig optimistisch, da die meisten Menschen über Ostern zu Hause blieben und nur wenige verreisten.

Allerdings wird das Volumen kleiner sein als sonst. Aufgrund der Hygiene- und Abstandsauflagen des Bundes habe das Unternehmen die Produktion deutlich herunterfahren müssen. In der Hochsaison arbeiteten durch die handwerkliche Herstellung jeweils viele Personen auf engem Raum, sagt Bachmann. Dies sei mit den neuen Regeln nicht mehr möglich gewesen. Daher musste die Firma etwa gewisse Grossaufträge ablehnen, weil dafür die Kapazitäten nicht ausgereicht hätten. Aus dem gleichen Grund seien einzelne Sorten bereits ausverkauft. Normalerweise stellt die Confiserie Bachmann über 50 verschiedene Schokohasen her und verkauft pro Sorte teils mehrere hundert Stück.

Auch der Detailhandel spürt die Auswirkungen des Coronakrise auf das Ostergeschäft. Die Migros etwa spricht von einem unterdurchschnittlichen Absatz an Osterschokolade. Zwar sei eine Schwankung aufgrund der jeweiligen Jahres- und Wettersituation normal, sagt ein Sprecher. In diesem Jahr käme jedoch eine tiefere Einkaufsfrequenz und die Schutzmassnahmen für die Risikogruppen hinzu. Genaue Zahlen nennt Migros wie alle angefragten Firmen nicht.

Bei Manor liegt der Umsatz deutlich unter Vorjahr, wie ein Sprecher sagt. Die Frequenz sei wegen des Coronavirus eingebrochen, nur noch die Hälfte der Filialen seien aufgrund der Einschränkungen des Bundes derzeit geöffnet. Auch Aldi und Lidl sprechen von einem geringeren Andrang auf Osterartikel. Derzeit seien vor allem Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel gefragt.

Mehr Lammfleisch, weniger Osterhasen

Coop dagegen hält sich mit einem Fazit noch zurück. Osterprodukte seien nach wie vor beliebt, sagt eine Sprecherin. Derzeit sei die Kundenfrequenz in den Supermärkten tiefer, was sich auf die Nachfrage auswirke. Dieses Jahr seien rohe Eier beliebter als sonst, auch die Nachfrage nach Lammfleisch liege klar über Vorjahr. Die Nachfrage nach Osterschokolade sei dagegen leicht gesunken.

Verschiedene Detailhändler wie Coop, Aldi oder Manor spenden Osterware, die sie nicht mehr verkaufen können, an Organisationen wie «Tischlein deck dich», Schweizer Tafel oder an den Caritas Markt. Die beiden Hersteller Läderach und Lindt & Sprüngli haben Schokolade an zahlreiche Spitäler verschenkt.

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