Für die Modehändler waren der lange Sommer und der warme Herbst der Horror: Die Kunden hatten wenig Lust, sich mit warmen Herbstjacken und dicken Pullovern einzudecken. Dies hat sich auf die Umsätze ausgewirkt. Laut dem Marktforschungsinstitut GFK gingen sie in der Zeit zwischen Januar und September im Vergleich mit dem Vorjahr um 10 Prozent zurück. Im September betrug der Unterschied zum Vorjahr 22 Prozent. Kein anderer Bereich im Schweizer Detailhandel musste so einen starken Rückgang hinnehmen.

Der November kommt den Modehändlern deshalb gelegen – er ist der Monat der Schnäppchenjäger. Mit dem Cyber Monday, dem Black Friday und dem Singles Day folgt eine Rabattschlacht auf die nächste. An diesen Tagen bieten die Detailhändler einen Teil ihrer Waren mit grossen Rabatten an. Den Ursprung haben die Rabattaktionen in den USA und in Asien.

Für die Modegeschäfte sind sie eine gute Gelegenheit, die Kunden zurück in die Läden zu holen – Hauptsache billig. Der Preis ist für die Konsumenten laut der Organisation Public Eye weiterhin ein Hauptargument für den Kauf eines Kleidungsstücks. Sie sagt, darunter leide die Nachhaltigkeit. Schon seit Jahren beklagen Organisationen wie Public Eye oder Amnesty International die Produktionsbedingungen in den Textilfabriken in Ländern wie Bangladesch, aber auch europäischen Produktionsländern wie der Türkei oder Bulgarien. Diese seien auch den tiefen Preisen hierzulande geschuldet.

Gemäss der Organisation Suisse Fair Trade verharrt der Marktanteil für nachhaltig produzierte Kleidungsstücke in der Schweiz seit Jahren bei rund sieben Prozent. Ein Sprecher sagt, nun seien viele Modelabels dabei, sich vermehrt mit nachhaltigen und sozial verträglichen Produktionsbedingungen auseinanderzusetzen. Einige hätten sich bereits verbessert.

Migros an der Spitze

Viel Erfahrung darin hat die Migros: Schon 1996 entwickelte sie den eco-Standard, der laut eigenen Angaben für eine umweltverträgliche Textilproduktion und für sichere Arbeitsbedingungen steht. Mittlerweile entsprechen 80 Prozent der Kleidungsstücke der Migros dem eco-Standard. Ursprünglich war geplant gewesen, dass Ende 2017 alle Textilien der Detailhändlerin diesem Standard entsprechen. Dieses Ziel habe die Migros aber verpasst. Dafür habe man in diesem Jahr angefangen, mit «ausgesuchten» internationalen Textilstandards zusammenzuarbeiten.

Coop führt unter dem Label Naturaline ebenfalls eine nachhaltig produzierte Modekollektion sowie andere Textilprodukte. Der Anteil von Naturaline an den Coop-Eigenmarken beträgt rund 30 Prozent, daneben hat Coop auch Billiglinien im Sortiment.

Für diese, heisst es bei Coop, würden wie für alle Produkte die Richtlinien für nachhaltige Beschaffung gelten. Mit dem breiten Sortiment wolle man den Kunden die Entscheidung für ein Produkt aber selber überlassen.

Bei Manor ist der Anteil von nachhaltigen Kleidungsstücken noch relativ klein, wie eine Sprecherin sagt. Konkrete Zahlen könne man keine nennen. So führe Manor einige Produkte unter der Bezeichnung «Manor Respect», die etwa aus biologischem Anbau oder recycelten Rohstoffen bestehen. Seit diesem Herbst führe Manor ausserdem eine Cashmere-Linie, für die strenge soziale und ökologische Kriterien gelten würden.

Laut der Organisation Public Eye gibt es in der Schweiz neben speziell nachhaltigen Labels noch weitere Möglichkeiten, sozial verträglich Kleider zu konsumieren. So gebe es ein wachsendes Nischenangebot an Secondhand-Läden oder sogenannte Walk-in-Closets: Veranstaltungen, an denen Kleidungsstücke getauscht werden können.