Banken
Schleichender Abbau: Wo die Credit Suisse beim Personal spart

Die Schweizer Grossbank kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: In der Schweiz gehen bei der Credit Suisse immer mehr Stellen verloren. Im Gegenzug profitieren Polen und Asien.

Beat Schmid
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Tidjane Thiam baut in der Schweiz ab und in Asien aus.

Tidjane Thiam baut in der Schweiz ab und in Asien aus.

Keystone

Bei der Credit Suisse in Basel werden Jobs abgebaut. Nachdem bereits letztes Jahr Stellen verschwanden, geht der Abbau auch 2017 weiter. Dabei komme es immer wieder zu Entlassungen, sagt ein Mitarbeiter der Niederlassung. So wie in Basel dürfte es in etlichen grösseren Standorten der Grossbank aussehen.

Auch im Herzen der Bank, im Uetlihof, zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort, am Fusse des Zürcher Hausbergs, werden «ganz im Stillen Jobs abgebaut», sagt ein langjähriger Mitarbeiter zur «Schweiz am Wochenende». Wann und wie viele Stellen abgebaut würden, wisse niemand genau. Der Abbauprozess sei selbst für Vorgesetzte weitgehend intransparent. Die Bank gehe so vor, damit sie sich mit den Verbänden nicht an einen Tisch setzen müsse, mutmasst der Angestellte.

Wie sehr die Schweizer Belegschaft Federn lassen muss, kann man im kürzlich publizierten Geschäftsbericht nachlesen. So verschwanden in der Schweizer Einheit, der sogenannten Swiss Universal Bank, im Jahr 2016 offiziell 260 Stellen. Die Unit beschäftigt insgesamt 13150 Angestellte auf Vollzeitbasis. In Realität dürften noch weit mehr Stellen verschwunden sein, da externe Mitarbeiter, sogenannte Contractors, nicht unter die offizielle Statistik fallen.

Credit Suisse hat in Polen 289 offene Stellen

Es zeigt sich auch, dass nicht nur Spezialisten in den nachgelagerten operationellen Bereichen betroffen sind von Stellenstreichungen, sondern zunehmend auch Bankberater mit Kundenkontakt. Die Zahl der Schweizer Kundenberater im Solde der CS schrumpfte in einem Jahr von 2060 auf 1970. Anteilsmässig trennte sich die Bank von mehr Kundenberatern als von übrigem Personal. Laut einem Sprecher seien diese Reduktionen Teil des bereits angekündigten Abbauplans von 1600 Stellen in der Schweiz. Man versuche, das Personal vor allem durch natürliche Abgänge zu reduzieren, heisst es weiter. Oft müssen Bankberater gehen, weil sie mit ihren Kunden eine zu geringe Rendite erwirtschaften.

Während die Grossbank in der Schweiz abbaut, entstehen im Ausland laufend neue Jobs. Zum Beispiel in Polen, wo die Grossbank bereits über 4000 Beschäftigte zählt. Gemäss der hauseigenen Stellensuchplattform hat die Bank im osteuropäischen Land derzeit 289 offene Stellen, davon allein 104 im Bereich Informatik. Damit zählt der Standort Polen fast so viele offene Stellen wie die Schweiz, wo derzeit 300 Jobs ausgeschrieben sind, nur gerade 40 im Bereich Informatik.

Wachstum in Asien kostet viel Geld

Viele vakante Stellen gibt es auch in Asien, wo die CS-Belegschaft ebenfalls stark wächst. Wie mehrfach angekündigt, sieht Konzernchef Tidjane Thiam im asiatischen Raum die grössten Wachstumschancen. Dabei lässt er einiges springen: Gemäss Geschäftsbericht stiegen die Personalausgaben im Bereich Privatebanking um 25 Prozent oder 130 Millionen auf 652 Millionen Franken. Die Zahl der Kundenberater stieg dagegen lediglich um zehn Prozent auf knapp 640.

Der Anstieg der Personalkosten in der asiatischen Privatebanking-Einheit sei «vor allem auf höhere Gehaltskosten» zurückzuführen, wie es im CS-Geschäftsbericht heisst. Durch das starke Wachstum wird Asien immer wichtiger im Bankkonzern. Mittlerweile beschäftigt die Region etwa halb so viel Mitarbeiter wie die Schweizer Einheit. Doch bei der Rentabilität hinken die Aktivitäten im Osten denjenigen in der Schweiz deutlich hinterher. Die Schweizer erzielen einen Vorsteuergewinn von 2 Milliarden Franken, während es in Asien dreimal weniger war.