Tourismus

Schadet das Burkaverbot dem Schweizer Tourismus?

Rund 840 000 Hotelübernachtungen generierten Gäste aus muslimischen Ländern im vergangenen Jahr in der Schweiz. Ein Teil dieser Touristen dürften wegen der Annahme des Burka-Verbots im Tessin ausbleiben. Der Gewerbeverband ist verärgert.

Rund 840 000 Hotelübernachtungen generierten Gäste aus muslimischen Ländern im vergangenen Jahr in der Schweiz. Davon stammten 520 000 aus dem Mittleren Osten.

Diese Gäste aus Golfstaaten geben während eines Aufenthalts in unserem Land täglich 500 Franken aus. Ein Teil dieser spendierfreudigen Touristen könnte wegen der Annahme des Burka-Verbots im Tessin ausbleiben. Dieses Verhüllungsverbot soll gar auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden.

«Burkas tragen in der Schweiz meist Touristinnen und nicht Frauen, die hier wohnen», sagt Guglielmo Brentel, Präsident des Branchenverbands Hotellerie Suisse.

Daher werde sicher der eine oder andere Kunde aus dem arabischen Raum nicht mehr anreisen: «Wie hoch der effektive Schaden in Franken und insbesondere für das Image sein wird, ist schwierig zu beziffern.»

Schadet dem Ruf als offenes Land

Brentel hält das Burka-Verbot für unnötig. Es widerspreche unserem Ruf als gastfreundschaftliches Land, sagt der Hotelier: «Der Schweizer Tourismus zeichnet sich seit über 100 Jahren durch Toleranz und Offenheit gegenüber fremden Kulturen und Religionen aus.»

Deshalb sei die Schweiz dafür bekannt, die Bedürfnisse ihrer Gäste zu erkennen und zu erfüllen, sei es betreffend Beherbergung oder beim Essen: «Auch darum sind wir für Touristen aus Fernmärkten ein so beliebtes Reiseziel.»

Das gelte nicht nur für Touristen aus dem arabischen Raum, sondern auch für Chinesen und Inder. «Ein Sikh kann hier seinen Turban tragen. Das wird in einem liberalen Land selbstverständlich akzeptiert.»

Ausgerechnet Gewerbeverbandspräsident Jean-François Rime lassen diese Sorgen kalt. Der SVP-Nationalrat befürwortet ein Burka-Verbot.

Die Gefahr, dass gut betuchte Touristen die Schweiz meiden könnten, hält er für «übertrieben».

Diese Aussagen stossen Mitgliedern sauer auf. Das werde noch zu reden geben, ist zu hören.

8,9 Milliarden Franken in den Mittleren Osten

Der Vizepräsident des Gewerbeverbands und frühere Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker sagt: «Mit dieser Aussage hat sich Rime voreilig zum Fenster hinausgelehnt. Das steht ihm frei. Aber das ist seine persönliche Haltung und nicht die des Gewerbeverbandes.»

Das Burka-Verbot sei nicht das «wichtigste Problem» des Landes, sagt Büttiker: «Es schadet nicht nur dem Tourismus, sondern auch der Exportindustrie.»

Damit legt er den Finger auf einen weiteren wunden Punkt: 2012 lieferten Schweizer Firmen Waren im Wert von 8,9 Milliarden Franken in den Mittleren Osten.

Ein Burka-Verbot könnte dazu führen, dass Aufträge verloren gehen.

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