Jahresbilanz

SBB machen satten Gewinn – 50 Millionen gehen an SBB-Kunden zurück

SBB-Chef Andreas Meyer will mehr für die Stammkunden tun.

SBB-Chef Andreas Meyer will mehr für die Stammkunden tun.

Die SBB wollen einen Teil ihres Gewinn über Preissenkungen zurückgeben. Deutlich weniger gut als beim Personenverkehr sieht es in einem anderen Bereich aus.

Für heitere Mienen sorgte am Dienstag in Bern das Geschäftsjahr 2017. Tatsächlich konnten die SBB das Konzernergebnis im vergangenen Jahr um 18 Millionen Franken auf 399 Millionen Franken steigern. Dies entspricht einem Plus von fast 5 Prozent. Auch bei der Zahl der beförderten Passagiere konnten die SBB nochmals leicht zulegen: Auf 1,26 Millionen (+0,6 Prozent). Praktisch stabil blieben hingegen die gefahrenen Personenkilometer. Ein leichtes Plus konnte bei der Sitzplatzbelegung erreicht werden, die mit einem Gesamtdurchschnitt von 28,2 Prozent immer noch vergleichsweise tief liegt. Anders gesagt: Wirklich voll sind die Züge nur zu den Pendlerzeiten im Stossverkehr. Bei der Pünktlichkeit gibt es insbesondere bei den Verbindungen von und mit Italien Verbesserungspotenzial.

Die Digitalisierung hinterlässt im Kundenverhalten immer deutlichere Spuren. Die über SBB Mobile abgesetzten Billette machten 26 Prozent aller Tickets aus, was einem Plus von 6,6 Prozent entspricht. Insgesamt werden mittlerweile fast 85 Prozent der Tickets via Selbstbedienung erworben – Automaten, Internet und App. Nur noch 14,8 Prozent der Billette werden über den Schalter verkauft. Rund 480'000 Kunden benützen ein GA (+1,7 Prozent), rund 2,5 Millionen ein Halbtaxabo (+5,7 Prozent).

Hoher Verlust bei Cargo

Nicht so rosig wie im Personenverkehr sieht es im Güterverkehr aus: SBB Cargo musste mit 239 Millionen Franken einen deutlichen Jahresverlust hinnehmen. Vor allem im Einzel-Wagenladungsverkehr ist das Geschäft mit einem Minus von 14,5 Prozent stark rückläufig. Hier herrscht Handlungsbedarf, wie SBB-Chef Andreas Meyer klar machte. Ein Sparprogramm ist angesagt. Per Ende 2023 wird SBB Cargo ihre Leistungen voraussichtlich mit rund 800 Mitarbeitern weniger als heute erbringen.

Handlungsbedarf erkannt haben die SBB auch in Hinsicht auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Darum sollen die Kunden angesichts des guten Geschäftsgangs zumindest von einigen wenigen Preissenkungen profitieren. Sparbillette in Randreisezeiten werden neu bis zu 70 Prozent ermässigt. Der telefonische Rail-Service steht ab 1. Mai 2018 zum Ortstarif statt zum Minutentarif zur Verfügung; und GA-Kunden erhalten neu ein Gutscheinheft. «Damit wollen wir etwas für unsere besonders treuen Kunden tun», sagte Meyer. Offenbar hat man erkannt, dass man diese Klientel etwas stärker pflegen muss. Insgesamt gibt die SBB mehr als 50 Millionen Franken an die Kunden zurück. Für den SBB-Chef ist klar, dass auch durch die bald im Inland verkehrenden Fernbusse die Preismarken unter Druck geraten.

Meyer gönnt sich Auszeit

Für die Gewerkschaften zeigt die Jahresbilanz, dass es Spielraum für Verbesserungsmöglichkeiten im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das SBB-Personal gibt. Seit Anfang Jahr wird verhandelt. Für Andreas Meyer ist hingegen ein guter Zeitpunkt gekommen, sich eine zweimonatige Auszeit zu gönnen. «Seit 11 Jahren ist praktisch jede Minute verplant», begründete der SBB-Manager den Entscheid, sich ein wenig Müssiggang zu gönnen. Er wolle sich in dieser Zeit vermehrt um Eltern, Familie und Freunde kümmern. Während seiner Abwesenheit wird Meyer durch den Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon (63) vertreten, der Ende Jahr in Frühpension geht.

Und wer bezahlt? Bei den SBB haben die Kadermitarbeiter nach zehn Vollzeit-Dienstjahren Anrecht auf ein Sabbatical von 40 Arbeitstagen, also zwei Monaten. Das Unternehmen schenkt 30 Tage, die restlichen 10 muss der Angestellte aus seinem Ferienguthaben beziehen. Finanziell muss Meyer, dessen Gesamtbezüge gemäss Kaderlohnreporting im Jahr 2016 gut eine Million Franken betrugen, folglich keine Einbussen in Kauf nehmen.

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