Krankenkassen

Santésuisse fürchtet um das Image der Krankenkassen

Santésuisse-Präsident Christoffel Brändli

Santésuisse-Präsident Christoffel Brändli

Der Krankenkassenverband santésuisse zeigt sich besorgt über die Gründung der neuen Konkurrenzorganisation. «Das wird wird kaum dazu führen, dass die Branche in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen wird», sagte Präsident Christoffel Brändli.

Die Situation sei zwar nicht neu, aber schlecht und kontraproduktiv, hielt Brändli am Freitag vor den Medien in Bern fest. Nur knapp zwei Jahre nach der Gründung der Allianz Schweizer Krankenversicherer (ASK) würden ein weiteres Mal Sonderinteressen vor Gemeinschaftsinteressen gestellt.

"Wir sind über diese Entwicklung besorgt, weil die Zersplitterung die Interessenwahrung der Branche schwächt", sagte Brändli. Diese sei umso wichtiger, weil es in der Branche in naher Zukunft um wesentliche Fragen gehe. Er könne nur hoffen, dass Ignazio Cassis - designierter Präsident des neuen Verbands curafutura - die Branche nicht weiter spalten werde.

"Wir sind als Branche gefordert, uns konstruktiv, geschlossen und klar in die politische Meinungsbildung einzubringen." Dies wäre mehr denn je nötig, wenn es um die laufende Gesundheitsdiskussion in der Schweiz gehe. Brändli erwähnte beispielsweise die Debatten um die Einheitskasse, die Rückerstattung zu viel bezahlter Prämien oder den Risikoausgleich.

Groupe Mutuel bleibt Mitglied

Trotz alledem wird die santésuisse laut Brändli der führende Branchenverband bleiben. Über 80 Prozent der Versicherer mit rund 60 Prozent der Versicherten stünden nach wie vor zum Verband.

So auch die Groupe Mutuel. Auch wenn der Versicherer in Vergangenheit in einzelnen Fragen eine andere Meinung gehabt habe als der Branchenverband, stehe er hinter santésuisse, sagte CEO Thomas J. Grichting. Auch wenn verbandsintern kontrovers über den Risikoausgleich diskutiert worden sei, sei sich die Branche in gesundheitspolitischen Fragen weitgehend einig.

"Als Krankenversicherer sind wir Konkurrenten, aber im Interesse der Branche sollten wir nach Gemeinsamkeiten und weniger nach Differenzen suchen", erklärte Grichting. Die "äusserst schwierige neue Situation" schwäche die Branche.

Zur Zukunft der ASK, des dritten Branchenverbands, äusserte sich Grichting dahingehend, dass dieser "mittelfristig eher einer Auflösung zugeführt werde". Sicher sei, dass die ASK nach dem Austritt der Sanitas und Helsana kein Konkurrenzverband der santésuisse sein werde.

Keine weiteren Abgänge

Auch der RVK, der Verband von 25 kleinen und mittleren Krankenversicherern mit rund 625'000 Versicherten, stärkte santésuisse den Rücken. Der Branchenverband übernehme eine "wichtige und wertvolle Koordinationsaufgabe", sagte RVK-Vertreter und santésuisse-Vizepräsident Dieter Boesch.

Ähnlich äusserten sich die Präsidenten der beiden Krankenkassen Visana und Concordia. Visana-Präsident Albrecht Rychen appellierte an die santésuisse-Vertreter, einem weiteren Auseinanderdividieren der Verbände entgegenzuwirken.

Laut santésuisse-Vizepräsident Boesch geht der Verband von keinen weiteren Austrittskandidaten aus. Mittelfristig sei es sogar denkbar, mit den ausgetretenen Kassen dort eine Zusammenarbeit zu pflegen, wo es Sinn mache.

Einnahmeausfall "nicht existenzgefährdend"

Für Präsident Brändli bedeutet die neue Situation einen Ansporn, noch besser zu werden. Die Abspaltung wird sich indes auch in der Kasse von santésuisse bemerkbar machen: Ein Austritt von CSS und Helsana - zwei der drei grössten santésuisse-Mitglieder - hat einen Einnahmeausfall von über 4 Millionen Franken zur Folge.

Die Ertragsleistung nimmt somit von 13 Millionen auf 9 Millionen Franken ab. Dies sei viel, aber nicht existenzgefährend, sagte Boesch. Präsident Brändli ergänzte, dass santésuisse finanziell gut da stehe. "Wir können auch eine Durststrecke von über einem Jahr verkraften."

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1