Angesagt war eine Medienorientierung. Eingeladen hatte die Novartis-Tochter Sandoz, die Generika herstellt. So weit, so klar. Komplizierter wird es beim Thema der Veranstaltung: den Biosimilars. Bei diesem Kunstwort handelt sich um eine neue Art von Generika. Im Unterschied zu Letzteren sind sie aufwendiger herzustellen. Biosimilars sind Kopien von biotechnologisch hergestellten Medikamenten. Diese werden in einem aufwendigen Verfahren mittels gentechnisch veränderter Zellen hergestellt anstatt auf chemischer Basis.

Wie im Verlauf der Medienkonferenz in Zürich am Dienstag klar wurde, wollte Sandoz vor allem die Werbetrommel für die Biosimilars rühren, auch wenn die Firma laut Gesetz ihre eigenen Produkte nicht anpreisen darf. Unbesehen von den Motiven der Novartis-Tochter werden Biosimilars in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen, auch wenn das Thema in der Bevölkerung noch kaum bekannt ist. Im Jahr 2020 würden mit biotechnologisch hergestellten Medikamenten rund 3 Milliarden Franken in der Schweiz umgesetzt, schätzt Martina Weiss von der Helsana, die als Vertreterin der Krankenkassen am Anlass teilnahm. Im Jahr 2016 betrugen diese Ausgaben erst 1,3 Milliarden Franken. Günstige Kopien dieser oft sehr teuren Präparate werden also eine wichtige Rolle spielen, um diesem Kostenschub zu begegnen.

Doch hier liegt das Problem. Bislang haben die Biosimilars hierzulande einen äusserst schweren Stand. Im Jahr 2016 machten sie gerade mal 0,6 Prozent aller Kosten der biotechnologischen Originale aus, wie der letztjährige Arzneimittelreport der Helsana zeigt. Er sei jedoch überzeugt, dass dieser Anteil nun steigen werde, da laufend neue Biosimilars auf den Markt kämen, sagt Sandoz-Manager Alexander Salzmann.

Zahlreiche Hürden

Dagegen zeigt sich Martina Weiss von Helsana weniger optimistisch. Noch immer fehlten die Anreize, um vom Original auf die Kopie umzustellen. So habe die therapeutische Freiheit der Ärzte hierzulande einen hohen Stellenwert. In anderen Ländern wie etwa Norwegen werde die Umstellung durch die Behörden verordnet. Erschwerend hinzu komme die Regelung der Margen für Ärzte und Apotheker, die Anreize für die Abgabe von Originalpräparaten schaffe, sagt Weiss. Sie macht ein Beispiel mit dem Rheuma-Mittel Remicade, eines der umsatzstärksten Medikamente in der Schweiz. Wenn ein Arzt das Original verschreibt, erhält er pro Infusion eine um 50 bis 80 Franken höhere Marge. Dies müsse dringend geändert werden, fordert auch Salzmann von Sandoz.

Doch bei einem anderen wichtigen Punkt hört die Einigkeit zwischen den Krankenkassen und den Generikaherstellern auf. Die Versicherer pochen auf ein Referenzpreissystem. Mit diesem würde für ein Generikum oder Biosimilar nur noch ein bestimmter Höchstbetrag vergütet. Will ein Patient ein teureres Präparat, muss er die Differenz selber berappen. Dagegen wehren sich die Generikahersteller nach Kräften, weil sie sich unter anderem davor fürchten, dass damit ihre Preise unter Druck kommen. Wie so oft herrscht also unter den wichtigen Akteuren Uneinigkeit, wenn es um Eingriffe ins Gesundheitswesen geht. Der Bundesrat befürwortet das neue System und hat es nun bis Mitte Dezember in die Vernehmlassung geschickt.