Swissness
Sackmesser-König Victorinox tüftelt an einer eigenen Smartwatch

Victorinox ist weltberühmt für die Schweizer Sackmesser. Daneben produziert die Firma auch Koffer, Kleider und Uhren. Und bald soll auch eine Smartwatch dazukommen, wie Firmenchef Carl Elsener verrät.

Andreas Schaffner und Peter Brühwiler
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Freude am Sackmesser: Victorinox-Chef Carl Elsener. SAMUEL TRUEMPY/key

Freude am Sackmesser: Victorinox-Chef Carl Elsener. SAMUEL TRUEMPY/key

KEYSTONE

Herr Elsener, die Frankenstärke verteuert die Taschenmesser im Ausland. Wie haben Sie reagiert?

Carl Elsener: Es kommt alles zusammen. Der teurere Franken und eine strengere Regulierung – Stichwort Swissness.

Zur Person

Carl Elsener junior (57) ist seit 2007 Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Victorinox AG in Ibach im Kanton Schwyz. Er stieg 1978 gleich nach der Matura ins Unternehmen ein, dessen «Swiss Army Knife» weltberühmt geworden ist. Gegründet hatte den Betrieb 1884 Carls Urgrossvater Karl Elsener. Die Aktien halten seit dem Jahr 2000 zwei Stiftungen.

Wieso?

Das führt dazu, dass wir immer höhere Anteile in der Schweiz produzieren müssen, etwa bei den Uhren. Wegen der Frankenstärke gerät jedoch das Verhältnis in Schieflage.

Steigen deshalb die Preise für die Schweizer Sackmesser und Uhren?

Ja und nein. Im Ausland, insbesondere im Euroraum, haben wir die Preise um 7 bis 10 Prozent angehoben. Das kompensiert aber nur einen Teil des Währungseffekts. Wir müssen besonders bei den Taschenmessern auch das Verhältnis zwischen Ausland und Inland im Auge behalten.

Und zwar?

Es ist unser Ziel, dass in der Schweiz die Preise immer tiefer sind als im benachbarten Ausland. Sodass die Touristen in der Schweiz wirklich einen Anreiz haben, die Messer und Uhren bei unseren Schweizer Partnern oder in unseren eigenen Läden zu kaufen.

Das heisst, im Inland werden sie billiger?

Die Verkaufspreise der Messer bleiben in der Schweiz gleich, die Uhren werden aber günstiger. Wir verzichten bei diesen bewusst auf die volle Marge.

Sie sind also auch abhängig vom Tourismus?

Genau. Wenn der leidet, leiden wir auch. Wir sind also mehrfach von der Frankenstärke betroffen.

Jetzt ist es ja auch so, dass Touristen nicht in die Schweiz kommen, aber trotzdem ein Sackmesser oder eine Uhr bestellen wollen. Bis jetzt sind sie kaum präsent im Internet-Handel – dem E-Commerce.

Das stimmt. In Zukunft werden wir aber auch in den Onlinehandel investieren. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Kanal für uns immer wichtiger wird. Seit Anfang Jahr sind wir in den USA, einem unserer wichtigsten Auslandsmärkte, mit einem Online-Laden präsent. Im Mai folgt Deutschland und gegen Ende Jahr auch die Schweiz.

Nun bauen sie eine völlig neue Uhrenfabrik in Delémont auf. Wie stark soll dieser Bereich werden?

Die schweren Folgen des Anschlags auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 haben uns schmerzlich gezeigt, wie gefährlich eine einseitige Abhängigkeit sein kann. Über die Ausweitung unserer Marke in andere Produktkategorien wie Uhren, Bekleidung und Reisegepäck haben wir diese Abhängigkeit reduziert. In Delémont wollen wir nun die Uhrenproduktion ausbauen und haben dafür die ehemaligen Wenger-Gebäude umgebaut. Heute ist unser Uhrenteam mit Biel, Pruntrut, Delémont und Ibach an vier Orten tätig. Nun können wir alles in einem Uhrenkompetenzzentrum zusammenfügen.

Stellen Sie die Uhrwerke auch selber her?

Nein, die beziehen wir von den Firmen ETA und Ronda.

Dann die grosse Frage: Wann kommt die Smartwatch aus Ihrem Haus auf den Markt?

Grundsätzlich sind wir eine Marke, die mit den Messern auf Multifunktionalität ausgerichtet ist. Wir suchen deshalb bei unseren Uhren auch eine Möglichkeit, die Funktionen zu erweitern. Gleichzeitig muss die Uhr aber eine lange Lebensdauer haben, im Vergleich zu einem Handy oder Computer.

Wann soll die Uhr vorgestellt werden?

Wir werden gegen Ende Jahr, spätestens Anfang nächstes Jahr das neue Konzept vorstellen.

Daneben haben Sie noch eine Kleiderkollektion und verkaufen Koffer.

Aber die produzieren wir nicht in der Schweiz. Beim Reisegepäck und der Bekleidung sind auch wir auf Produktionsstätten angewiesen, wo die erforderlichen fachlichen und personellen Ressourcen für eine wirtschaftliche Produktion vorhanden sind. Unser Markenversprechen gilt für die im Ausland hergestellten Produkte aber gleichermassen. Wir garantieren einen hohen Qualitätsstandard und wählen unsere Lieferanten sorgfältig aus.

Hier können Sie das Logo mit dem weissen Kreuz auf rotem Hintergrund nicht verwenden.

Genau. Auf allen importierten und nicht in der Schweiz hergestellten Produkten verwenden wir unser Unternehmenslogo nicht mehr auf rotem Hintergrund, sondern in Farben, die mit unseren Landesfarben nicht verwechselbar sind.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen Messer und den anderen Bereichen verändern?

Das «Swiss Army Knife» ist und bleibt das Kernprodukt unserer Marke und ist Inspiration für alle anderen Produktkategorien. Heute machen die Taschen- und Küchenmesser rund 55 Prozent des Umsatzes aus. Hier haben wir sicher eine gewisse Sättigung erreicht. Es ist daher wahrscheinlich, dass wir in Zukunft bei den anderen Bereichen stärker zulegen werden.