Den richtigen Umgang mit Geld erlernt der Nachwuchs im eigenen Elternhaus und für die Eltern hat die Finanzerziehung einen hohen Stellenwert. Das sind zwei Schlüsselerkenntnisse aus der bisher grössten schweizweiten Umfrage zum Thema Taschengeld. Die von Credit Suisse und Pro Juventute in Auftrag gegebene Studie hat mit 14 000 Befragten, darunter 7200 Mütter und Väter mit Kindern im Alter von 5 bis 14 Jahren, zweifellos eine starke Aussagekraft. Eindeutig sind die Ergebnisse trotzdem nicht.

Fast jedes dritte Kindergartenkind im Alter von 6 Jahren erhält in der Schweiz bereits ein regelmässiges Taschengeld. Im Durchschnitt sind es etwa 5 Franken pro Monat. Ab der Primarschulstufe geht es zügig aufwärts. Vor dem Übertritt in die Oberstufe beträgt das Sackgeld im Durchschnitt bereits 23 Franken und in den folgenden zwei Jahren verdoppelt sich dieser Betrag gleich noch einmal. Mehr als die Hälfte der Kinder im Alter von sieben Jahren erhalten bereits regelmässig ein Taschengeld.

Wie viel Sackgeld geben Sie Ihren Kindern?

Wie viel Sackgeld geben Sie Ihren Kindern?

Zürich – 12.07.2017 – Für eine Studie der Credit Suisse wurden mehr als 14'000 erwachsene Schweizer zum Thema Taschengeld befragt. Wie viel die Schweizer Kinder durchschnittlich erhalten, wer möglicherweise benachteiligt wird und wofür die Kinder das Geld ausgeben, erklärt das Video.

«Ämtli» für Geld ist out

«Geld fällt nicht vom Himmel», ist einer von neun Leitsätzen, den 77 Prozent der befragten Eltern in der Finanzerziehung ihrer Kinder zu befolgen angeben. Doch bei der Vergabe des Sackgeldes wird dieses Leistungsprinzip ausgeklammert. 63 Prozent der Kinder erhalten ihren monatlichen Batzen ohne Bedingungen.

Trotzdem sagen zwei Drittel der Eltern, ihre Kinder müssten im Haushalt mithelfen. Und von der Minderheit, welche die Vergabe des Taschengeldes doch an Bedingungen knüpft, haben 78 Prozent die Erfüllung der klassischen «Ämtli» im Kopf. Das sind doch schon ziemlich bemerkenswerte Zwiespältigkeiten und solche finden sich in der umfangreichen Studie eine ganze Reihe.

So sagen zum Beispiel nur 62 Prozent der Westschweizer, dass der Umgang mit Geld ein wichtiges Erziehungsziel ist, während die Zustimmungsrate der Deutschschweizer bei über 90 Prozent, jene der Tessiner immerhin noch bei über 70 Prozent liegt. Für drei Viertel der «Lateiner» stehen «Genuss und Lebensfreude» zuoberst auf der erzieherischen Prioritätenliste (im Gegensatz zu bloss einem Drittel in den deutschsprachigen Landesteilen).

Doch Kinder, die in der Westschweiz und im Tessin ein monatliches Taschengeld erhalten, müssen dafür viel häufiger als ihre Altersgenossen diesseits der Sprachgrenzen eine Arbeit dafür erledigen. Katja Wiesendanger, Direktorin von Pro Juventute, sagt in Übereinstimmung mit einer Mehrheit der Eltern, das Sackgeld sei zum Üben da. Die Erfüllung häuslicher Tätigkeiten sei eine Selbstverständlichkeit, die nicht mit Lohn nach marktwirtschaftlicher Logik entschädigt werden sollte.

Wo bleibt der Konsum?

Doch wie funktioniert dieses Üben und was ist der erzieherische Sinn einer Investition, die nicht selber verdient sein will? Offenbar ist schon die Frage falsch gestellt. Die Mehrheit der Kinder lernt mit ihrem Sackgeld nämlich vor allem, zu sparen. Selbst Kinder, die das Taschengeld ganz zur freien Verfügung haben, also davon keine bestimmten Ausgaben wie das Handyabo oder das Essen in der Mensa tätigen müssen, stecken einen bedeutenden Teil des elterlichen Batzens ins Sparschwein.

Rund ein Drittel der Kinder wird von den Eltern sogar explizit zum Sparen aufgefordert, Sparen ist quasi Bedingung für den Erhalt des Sackgeldes. So spart sich der Schweizer Nachwuchs schon früh substanzielle Beträge zusammen. Bei 7- bis 8-Jährigen liegen im Mittel 650 Franken in der Kasse, bei 14-jährigen mehr als 1400 Franken.

Obwohl nur relativ wenige Eltern das «Sparen um des Sparens willen» als Teil ihrer Finanzerziehung vermitteln möchten, scheinen sich die Jungen genau an diesen Grundsatz zu halten. Dieser Widerspruch wirft die Frage auf, ob eine umfassende Finanzerziehung nicht stärker auch den Konsum einbeziehen sollte.

Einen Hinweis darauf, dass die Übungsanlage Taschengeld diesem Thema nicht wirklich gerecht wird, gibt unter anderem folgende Erkenntnis:

Eltern trauen ihren Kindern den Umgang mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr trotz fortschreitender Digitalisierung kaum zu. Erst mit 16 Jahren besitzen Kinder eine eigene Bankkarte. Je älter die Kinder werden, desto häufiger erhalten sie von den Eltern einen Zuschuss, wenn der monatliche Betrag nicht reicht. «Offensichtlich führen die wachsenden Konsumwünsche bei den Kindern dazu, dass auch der Druck auf die Eltern zunimmt, den Kindern weiteres Geld zu geben», heisst es in der Studie.

Überhaupt scheinen viele Eltern die Einflüsse von ausserhalb als störend für die heile Welt des Sackgeldes wahrzunehmen. Negative Einflüsse kommen gemäss der Umfrage von anderen Kindern (65 Prozent), von Idolen (91 Prozent) wie auch von den Medien (88 Prozent) oder von der Werbung (93 Prozent). Allein auf die Schule wollen sich Schweizer Familien als Partner in der finanziellen Erziehung der Kinder verlassen. Das stellt dem Sackgeld als Erziehungsinstrument kein gutes Zeugnis aus.