«Ein weiteres Zeichen, dass sich das Blatt auf dem europäischen Markt gegen Apple gewendet hat», so die «Financial Times» gestern. MTS, Megafon und VimpelCom haben die Kooperation mit dem US-Technologieunternehmen Apple beendet. Sie sagen, dass aufgrund der bestehenden Verträge, das Geschäft mit iPhones nicht profitabel betrieben werden könne. Für Apple ist das ein herber Rückschlag auf dem russischen Markt.

Die drei Mobilfunkanbieter kontrollieren mehr als vier Fünftel des russischen Marktes. Details über die Verträge sind zwar nicht öffentlich. Aber Analysten schätzen, dass die russischen Telekom-Unternehmen mit ihren zwei- bis dreijährigen Apple-Verträgen deutliche Verluste eingefahren haben. Jedes der Unternehmen wurde gemäss FT nämlich dazu verpflichtet, die Marketingkosten für den Vertrieb von 1 bis 1,5 Millionen iPhones mitzutragen. «Die Mobilfunkanbieter wurden zudem benachteiligt, weil Russland Subventionen für Mobilgeräte verbietet, was iPhone für die meisten russischen Konsumenten extrem teuer macht», so die englische Zeitung weiter.

Missbrauch der starken Position?

Apple wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Das Unternehmen aus Cupertino (Kalifornien) kann die Geräte zwar noch in seinen eigenen Shops in Russland verkaufen. Doch der Verlust der russischen Netzbetreiber kommt zu einem Zeitpunkt, da Apple auch in Europa verstärkt regulatorischem Gegenwind ausgesetzt ist. Die Wettbewerbsbehörden untersuchen wegen möglicher Verstösse gegen das Kartellrecht. Netzbetreiber beklagen sich, dass Apple die starke Position ausgenutzt habe, um die Werbekosten auf sie in ungebührendem Masse überzuwälzen. Im Unterschied zu anderen Mobilgerätehersteller, die die Werbekosten in der Regel selber übernehmen.

In der Schweiz hat die Wettbewerbskommission (Weko) derzeit kein Verfahren gegen Apple laufen. In der Vergangenheit hat die Weko aber schon Anfragen zu Apples Garantiepolitik und betreffend die Erhältlichkeit der Geräte erhalten. Ein formelles Verfahren wurde aber nie eröffnet, wie die Weko gestern auf Anfrage der «Nordwestschweiz» mitteilte. (FHM)