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Roche setzt heute am Standort Rotkreuz voll auf Diagnostik – dabei stand dieses Geschäft einst auf der Kippe

In Rotkreuz ZG arbeiten für Roche 2400 Mitarbeiter.

In Rotkreuz ZG arbeiten für Roche 2400 Mitarbeiter.

Der Pharmakonzern Roche hat den Standort im zugerischen Rotkreuz markant ausgebaut – und setzt dort auf das Geschäft mit Diagnostik.

Wer an Roche denkt, der denkt an Basel. Dort wurde der Pharmakonzern vor 123 Jahren gegründet, dort hat er bis heute seinen Hauptsitz. Im Schatten von Basel hat neben Kaiseraugst im Fricktal ein dritter Standort in der Schweiz stark an Bedeutung gewonnen: Rotkreuz im Kanton Zug. Dort hat Roche alle zentralen Funktionen des Geschäfts mit Diagnostik gebündelt. Was vor 50 Jahren mit 60 Angestellten begann, ist heute ein Standort mit über 2400 Mitarbeitern. In Anwesenheit von Roche-Chef Severin Schwan feierte das Unternehmen am Mittwoch mit lokalen Politikern das runde Jubiläum.

Neben der zentralen Steuerung des Geschäfts und der Forschung arbeiten in Rotkreuz rund 600 Mitarbeiter in der Produktion. Diese stellen Analysegeräte her, mit denen diagnostische Test durchgeführt werden. So können etwa Blut-, Gewebe- oder Urinproben ausgewertet werden. Zum Einsatz kommen die Geräte in Spitälern, Grosslabors oder in Arztpraxen. In dieser sogenannten In-Vitro-Diagnostik ist Roche der Weltmarktführer, vor Firmen wie Siemens oder Abbott.

Das Geschäft stand einst auf der Kippe

In den 90er-Jahren sei das Geschäft ein Wackelkandidat innerhalb des Konzerns gewesen, sagte Schwan. Roche habe damit kein Geld verdient, die Marktanteile waren bescheiden. Während Roche andere Bereiche wie Vitamine, rezeptfreie Medikamente oder Riechstoffe verkaufte, hat die Firma an der Diagnostik festgehalten. Mit dem milliardenschweren Kauf der deutschen Firma Boehringer Mannheim machte Roche einen massiven Sprung nach vorne.

Nach der erfolgreichen Übernahme schlug die Stunde für Rotkreuz. Der Standort Mannheim sei übermächtig gewesen, sagte Schwan. Damals habe man entschieden, nicht alles in Deutschland zu konzentrieren, wovon Rotkreuz stark profitiert habe. Nach dem starken Wachstum zwischen 2005 und 2016 schafft Roche die Voraussetzungen für einen weiteren Schub: Vor kurzem hat die Firma in Rotkreuz ein weiteres grosses Stück Land gekauft, wie Standortleierin Annette Luther sagte. Damit liesse sich das Areal um einen Viertel erweitern. «Wir starten derzeit mit der Planung für den Bau von mehreren Gebäuden.»

Neben den zwei Hauptpfeilern Pharma und Diagnostik erhalte das Datenmanagement eine strategische Bedeutung für Roche, sagte Schwan. Neben den Instrument und Tests werde der Konzern vermehrt sogenannte digitale Entscheidungshilfen anbieten. «Wir müssen die Informationen aus den Geräten so aufbereiten, dass Ärzte schneller Entscheidungen treffen können», sagte der Österreicher.

Trotz des starken Wachstums in Rotkreuz ist die Nordwestschweiz noch immer der mit Abstand bedeutendste Standort. Dort arbeiten 10 800 von landesweit rund 13 500 Angestellten. Zum Vergleich: Novartis beschäftigt in der Schweiz 12 300 Mitarbeiter, davon in Basel knapp 9500.

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