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Roche-CEO: «Ich möchte keine Mitarbeiter, die nur wegen des Geldes kommen»

Roche-CEO Severin Schwan rechtfertigt seine hohen Lohnbezüge.

Roche-CEO Severin Schwan rechtfertigt seine hohen Lohnbezüge.

Roche-Chef Severin Schwan kann die Kritik an hohen Boni verstehen. Der Österreicher rechtfertigt seinen hohen Lohn aber mit dem erzielten Geschäftserfolg von Roche im Jahr 2012.

Herr Schwan, wie stehen Sie zur Minder-Initiative?

Severin Schwan: Als Österreicher habe ich ja kein Stimmrecht in der Schweiz und bin deshalb vorsichtig, in dieser Sache Ratschläge zu erteilen. Aber ich bin froh, wenn jetzt das Schweizer Volk entscheidet und wir in der Sache Klarheit haben. Aber generell, habe ich Verständnis für die Initiative nämlich vor allem dann, wenn die Vergütung nicht im direkten Verhältnis zum Erfolg des Unternehmens steht.

Sie gehörten schon im vergangenen Jahr zu den drei grössten Spitzenverdienern der Schweiz. Dieses Jahr ist ihre Vergütung noch einmal um 1,2 Millionen Franken auf 12,54 Millionen gestiegen. Sind hohe Saläre mit der Abzockerdebatte inzwischen nicht zu einem Makel geworden?

Die Erhöhung meines Bonus reflektiert den Erfolg im vergangenen Geschäftsjahr. Ich glaube, das Entscheidende ist, dass Vergütungen im Zusammenhang mit dem Geschäftsverlauf stehen. Und das ist bei unserer Entschädigungspolitik gegeben.

Dann sind Sie also das Geld wert?

Diese Frage ist schwierig objektiv zu beantworten. Aber der entscheidende Punkt ist, dass die Vergütung sich nach dem Erfolg des Geschäftsverlaufs richtet.

WEF-Gründer Klaus Schwab forderte Anfang Januar, dass das höchste Gehalt nicht mehr als das 20 bis 40-fache des niedrigsten Gehaltes in einer Firma betragen sollte. Sonst sei der soziale Zusammenhan gefährdet. Wie sehen Sie das?

Ich glaube der wesentliche Punkt ist – der ja auch in der Minder-Initiative zum Ausdruck kommt –, dass die Aktionäre als Eigentümer des Unternehmens in der Vergütungspolitik mitsprechen können. Und da sind wir bei Roche natürlich in einer ganz besonderen Situation, bei uns besitzen die Familien Oeri und Hoffmann von vorneherein die Mehrheit der Aktienstimmen.

Die Genehmigung Ihrer Boni durch die Generalversammlung ändert aber nichts an der Lohnschere innerhalb des Konzerns.

Der Erfolg des Unternehmens kommt ja der Wirtschaft im Allgemeinen und dann auch der Bevölkerung der Schweiz zugute. Wenn ein Unternehmen dann entsprechend Steuern im Land zahlt, wenn es investiert und Arbeitsplätze schafft, dann gibt es auch die Akzeptanz für hohe Vergütungen. Wenn es aber nicht so ist, dass hohe Vergütungen an den Erfolg gebunden sind und keine Investitionen getätigt und keine hohe Steuern gezahlt werden, dann habe ich für Kritik Verständnis.

Ist für Sie der Bonus eigentlich der entscheidende Arbeitsanreiz?

Nein. In unserem Geschäft ist es natürlich so, dass wir mit unserer Forschung etwas für die Patienten tun können. Je länger ich bei Roche dabei bin, desto länger identifiziert ich mich mit diesem letztlichen Ziel. Als ich bei Roche als Trainee im Finanzbereich begonnen habe, war entscheidend, dass ich in einem Unternehmen mit einer guten Reputation beginne. Über die Jahre beginnt man sich aber immer mehr mit der eigentlichen Aufgabe des Unternehmens zu identifizieren: Nämlich neue Medikamente zur Verfügung zu stellen, die das Leben verlängern und die Lebensqualität verbessern. Wenn sie mit Ärzten und Patientinnen sprechen, die von unseren neuen Brustkrebsmedikamenten profitieren, dann ist das für einen selber eine enorme Motivation.

Und ist es auch der grössere Anreiz für sie als der Bonus?

Absolut.

Dann bräuchten Pharmakonzerne also gar kein Bonussystem?

Es braucht natürlich kompetitive Vergütungen. Man bewegt sich ja auch in einem Wettbewerb mit anderen Firmen, dann muss man auch von der Vergütungsseite attraktiv sein. Aber es ist schon so, ich möchte keine Kultur bei Roche haben, wo die Leute nur wegen des Geldes kommen. Das möchte ich nicht. Ich möchte keine Söldnerkultur, bei der wir Mitarbeiter haben, die nur wegen dem Geld kommen. Das sind nicht die Richtigen.

Welche Mitarbeiter wollen sie dann?

Wir brauchen Leute, die wirklich von sich aus motiviert sind, die wirklich einen Beitrag leisten wollen zu dem, was wir als Unternehmen machen. Und die auch loyal zu unserem Unternehmen sind. Die Leute in unseren Labors sind nicht Forscher geworden, weil sie viel Geld verdienen wollen. Sondern sie treibt die wissenschaftliche Neugierde an und sie wollen etwas für die Patienten bewirken.

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