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Robotertaxis und Datenbrillen: Was im nächsten Jahr in der Tech-Branche wichtig wird

Apple soll im nächsten Jahr eine neue Datenbrille auf den Markt bringen.

Apple soll im nächsten Jahr eine neue Datenbrille auf den Markt bringen.

Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, im kommenden Jahr eine Million Robo-Taxis auf die Strassen zu schicken. Und Apple soll eine eigenen Datenbrille.

Den Auftakt des Technikjahrs markiert traditionell die Con­sumer Electronics Show (CES), die am 8. Januar in Las Vegas startet. Seit Jahren werden dort die neuesten Gadgets aus der Technikwelt präsentiert. 2013 war das zum Beispiel eine ­smarte Gabel, die vibriert, wenn man zu schnell auf ihr herumkaut. Doch so wenig die elektronischen Helferlein das Prob- lem Übergewicht «lösen» könnten, so sehr drängt sich der ­Eindruck auf, dass sich viele ­Innovationen im Alltag gar nicht durchsetzen. Seit Jahren wird über den smarten Kühlschrank geredet, der automatisch Milch bestellt. Doch die meisten Menschen besorgen die Milch noch immer selbst im Supermarkt.

Ohnehin hat sich die CES in den letzten Jahren zu einer Automobilmesse entwickelt, die im Kalender der Autobauer fast noch wichtiger ist als die Branchentreffen in Detroit oder Genf. Kein Wunder: Autos sind Computer auf vier Rädern. In einem durchschnittlichen Fahrzeug stecken heute 150 Millionen Zeilen Programmiercode. Zum Vergleich: Das gesamte Space Shuttle kam mit etwa 400000 Zeilen Code aus. Das Betriebssystem ist für die vollvernetzten Vehikel mindestens so bedeutsam wie das Getriebe. Auch Google drängt mit seinem Infotainment-System Android Automotive in den umkämpften Automarkt, der insbesondere wegen neuer Mobilitätsdienste vor einer gewaltigen Transformation steht.

Robotertaxis im Grossstadtdschungel

Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, im kommenden Jahr eine Million Robo-Taxis auf die Strassen zu schicken. Damit will er die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft unter Druck setzen. Musks vollmundige Versprechen sind stets mit etwas Vorsicht zu geniessen. Schon häufiger hat er mit seinen Ankündigungen Anleger enttäuscht. Der umtriebige Technikvisionär hat die Analysten aber auch immer wieder überrascht, nicht zuletzt mit der Ankündigung, in Deutschland eine Gigafactory für den Bau von Elektroautos zu errichten.

Mit dem Taxi-Service «Tesla Network» sollen Tesla-Besitzer ihr autonomes Fahrzeug zum Robo-Taxi umfunktionieren: Wenn das Roboterfahrzeug den Besitzer zum gewünschten Ziel kutschiert hat, fährt es autonom durch die Stadt und sammelt per App Fahrgäste ein. Der Besitzer soll dann zwischen 25 und 30 Prozent des Beförderungstarifs als Provision kassieren. Verkehrsexperten sind alarmiert: Tesla hat 2016 einen tödlichen Unfall auf einem Highway in Florida produziert, weil die Sensoren einen im rechten Winkel kreuzenden weissen Sattelschlepper mit dem hellen Himmel verwechselt hatten. Ein fataler Fehler.

Was hat Apple Neues im Köcher?

Der Stadtverkehr mit seinen ­unvorhersehbaren Ereignissen ist aber nochmals deutlich ­komplexer als der Autobahn­verkehr – und stellt die Technik vor neue Herausforderungen. Wie sicher können die Robotertaxis im unübersichtlichen Grossstadtdschungel navigieren? Zwar hat Tesla angekündigt, seine Bordcomputer in hunderttausenden Modellen austauschen zu lassen. Doch verzichtet der Elektrobauer weiterhin auf sogenannte Lidar- Sensoren und Lichterkennung, was beim autonomen Fahren Standard ist und Experten für essenziell erachten. Musk ficht das nicht an – er hält das Sensorsystem für überflüssig.

Wie jedes Jahr blickt die Tech-Branche mit Spannung auf das iPhone-Release im September. Gerüchten zufolge plant Apple den Start einer eigenen Datenbrille (Apple Glass). Fraglich ist, ob Apple mit einer Augmented-Reality-Brille mehr ­Erfolg haben wird als Google. Der Konkurrent musste sein Produkt Google Glass 2015 nach nur einem Jahr wieder vom Markt nehmen. Viele empfanden es als übergriffig, von Unbekannten mit einer kamerabewehrten Datenbrille gescannt zu werden. Ob sich die Gadgets im Konsumentenbereich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten.

In China gehören Datenbrillen mittlerweile zur Ausrüstung von Polizisten, die mit dem Tool nach Kriminellen in Menschenmengen fahnden. Im Reich der Mitte werden im kommenden Jahr 626 Millionen Videokameras in Betrieb sein. Bis 2021 könnten nach Schätzungen der Analysefirma IHS Markit weltweit sogar über eine Milliarde Kameras installiert sein – 54 Prozent davon in China.

Das Überwachungsnetz bildet die Grundlage für das im nächsten Jahr beginnende Sozialkreditsystem, bei dem Bürger ein Punktekonto erhalten und nach ihrem Verhalten bewertet werden. Wer Blut spendet oder die Regierung in sozialen Medien lobt, bekommt Punkte gutschrieben. Wer bei Online-Spielen schummelt oder bei Rot über die Ampel geht, bekommt Punkte abgezogen.

Smartphone-Daten für den Wahlkampf

Apropos Überwachung: Der US-Wahlkampf könnte nicht nur genauso schmutzig wie der vorherige werden, sondern noch um eine Stufe datengetriebener. Der US-Journalist Thomas B. Edsall schrieb kürzlich in einem Leitartikel für die «New York Times», dass Donald Trump gerade dabei sei, den «Online-Krieg» für sich zu gewinnen. Trumps Wahlkampfteam könnte massiv Smartphone- Daten abgreifen. Der Schlüssel seien sogenannte Mobile Advertising IDs, eine Werbekennung, die jedes Smartphone besitzt. Durch die Verknüpfung der Werbe-ID mit Webaktivitäten könnten Wahlkampfteams heraus­finden, wo sich der Smartphone-Nutzer aufhält, welche Webseiten er besucht, in welchen Geschäften er eincheckt, welche Interessen er hat – und detaillierte Psychogramme potenzieller Wähler erstellen.

Übrigens: Die Prognosen, die der Futurist Ray Kurzweil in seinem 1999 erschienenen Buch «Homo S@piens» für das Jahr 2019 stellte, lesen sich erstaunlich aktuell. Er schreibt: «Computer sind jetzt weitgehend ­unsichtbar überall ein­gebettet – in Wände, Tische, Stühle, Schreibtische, Kleidungsstücke, Schmuck und im Körper.» Und: «Die Interaktion mit Computern erfolgt überwiegend durch Gesten und Zweiwege-Kommunikation in natürlicher gesprochener Sprache.» Tatsächlich: Im nächsten Jahr wird die Hälfte aller Suchanfragen mit der Stimme durchgeführt. Man muss nicht in die Glaskugel blicken, um die nicht allzu kühne Prognose zu wagen, dass der Alltag im kommenden Jahr noch etwas computerisierter wird.

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