Wirtschaft

Roaming-Gebühren im Ausland: Wo Swisscom doppelt und Salt dreimal so viel wie Sunrise verrechnet

Wer in Rom telefonieren will, tut gut daran, vorgängig eine Roaming-Option abgeschlossen zu haben.

Wer in Rom telefonieren will, tut gut daran, vorgängig eine Roaming-Option abgeschlossen zu haben.

Roaming-Kosten für Schweizer Reisende in EU-Ländern können sehr unterschiedlich hoch ausfallen. Es kommt ganz darauf an, welches Datenpaket man benötigt, wie ein Vergleich der verschiedenen Telekomanbieter zeigt.

Für viele Schweizer hat das lange Warten ein Ende: Ab heute sind die Grenzen nach Deutschland, Österreich und Frankreich wieder offen. Auch der Flugverkehr gleicht sich langsam dem regulären Betrieb an; Reisen in viele Länder Europas sind wieder möglich. Ferien im Ausland werden also rechtzeitig auf den Sommer plötzlich wieder zum Thema. Und dazu gehört, dass sich der Urlaubsreisende neben der Wahl des passenden Hotels und des bevorzugten Strandes auch mit unliebsamen Roaming-Gebühren für sein Handy befassen muss.

Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat die Roaming-Tarife von verschiedenen Schweizer Telekomanbietern in EU-Ländern verglichen. In einem ersten Test wurden die Kosten untersucht, die in Europa für den Gebrauch von 1000 Megabyte Daten und 120 Minuten Telefonie anfallen. In einer zweiten Analyse verglich moneyland.ch die Preise für die Internet-Nutzung ohne Telefonie, für Datenvolumen unterschiedlicher Grösse. Nicht berücksichtigt wurden Abos, bei denen Roaming bereits inklusive ist.

Wer ist am günstigsten, wer fällt ab?

Wer im Ausland im Internet surft und gleichzeitig telefonieren will, der fährt mit den Angeboten der Sunrise-Billigmarken Lebara und Yallo am günstigsten. Je 40 Franken kostet die Nutzung bei den Anbietern im Test. Dies gilt aber nur für Kunden, die bereits ein Abo bei Lebara oder Yallo besitzen. Auf dem dritten Platz landet Swype von Yallo (42 Franken), ebenfalls eine Marke von Sunrise. Auffallend ist, dass die Telekomriesen Swisscom, Sunrise und Salt mit ihren Angeboten fast gleich teuer sind: Sie verrechnen dem Kunden knapp 60 Franken. Sunrise- und Salt-Kunden müssen dafür im Besitz eines Abos sein.

Eine andere Reihenfolge ergibt sich, wenn man das Daten-Roaming ohne Telefongespräche betrachtet. Ein Paket von 1 Gigabyte (GB) Daten ist für Abo-Kunden von TalkTalk mit 10 Franken am günstigsten, dahinter fügt sich Mucho Mobile mit 14 Franken ein. Diese beiden Anbieter sind in der Schweiz allerdings kaum bekannt. 1 GB Daten kostet bei Swisscom 14.90 Franken, Abo-Kunden bei Sunrise, Lebara und Yallo sowie bei Salt zahlen dafür rund 20 Franken.

Wer für 3 GB Datenvolumen kauft, bezahlt bei Sunrise mit 19.90 Franken am wenigsten, auf dem zweiten Platz folgen Lebara und Yallo mit 25 Franken. Auffällig: Bei Swisscom kosten 3 GB mobile Daten doppelt so viel (39.90 Franken) und bei Salt sogar dreimal so viel (59.85 Franken) wie bei Sunrise.

Worauf sollten Kunden achten?

Beim Roaming gilt: Wer sich nicht informiert, der kann Ende Monat eine böse Überraschung auf der Handyrechnung erleben. «Der Roaming-Markt ist extrem kundenunfreundlich», meint Ralf Beyeler, Telekom-Experte von moneyland.ch. Der Grund: Wenn Konsumenten im Ausland einfach drauf los telefonieren und das Internet nutzen, machen sie das zum Normalpreis, dem so genannten Standardtarif. Und dieser ist meist exorbitant teuer. Vorgängig Datenpakete zu kaufen oder Optionen abzuschliessen, lohnt sich.

Beyeler macht ein Beispiel: «Ein Salt-Kunde bezahlt in Europa pro Gesprächsminute bis zu 1.99 Franken pro Minute. Wenn er eine Roaming-Option hat, zahlt er noch 20 Rappen pro Minute.» Aber auch bei Optionen lauern Tücken. Wer aus den Ferien zurück ist, sollte die gebuchte Option schnell wieder abbestellen. Ansonsten erhebt der Anbieter weiterhin eine Gebühr, auch wenn der Kunde nicht mehr im Ausland weilt.

Praktischer sind laut Beyeler Datenpakete, weil sie meist ein festgesetztes Gültigkeitsdatum haben. Ferienreisende sollten aber abschätzen können, wie viele Daten sie während ihrer Zeit im Ausland wirklich benötigen. In vielen Hotels und an öffentlichen Orten stehe meistens kostenloses WLAN zur Verfügung. Wer ein grosses Paket kauft und nur einen Bruchteil davon nutzt, wird sich ärgern.

Gut überlegen sollten sich Kunden laut Beyeler auch, ob sie ein Handy-Abo inklusive Roaming brauchen. Diese Abos seien zwar bequem, da Kunden ihr Smartphone ohne versteckte Kosten im Ausland gebrauchen können. Jedoch seien jene Abos auch verhältnismässig teuer. Wer nur gelegentlich ins Ausland reist, für den lohne sich die hohe Grundgebühr meistens nicht. Allgemein rät Beyeler den Konsumenten: «Machen Sie sich schlau, bevor Sie ins Ausland reisen.»

Was ist dieses Jahr anders bei den Roaming-Gebühren?

In den letzten Jahren senkte Swisscom jeweils im Frühjahr die Preise der Roamingpakete. Die Konkurrenten reagierten – und glichen das Preisniveau ihrer Angebote ebenfalls an jenes von Swisscom an. Doch jene Bewegung im Roaming-Markt bleibt dieses Jahr aus, weil Swisscom die Tarife zum ersten Mal seit langem nicht reduziert hat. Ralf Beyeler kommt zum Schluss: «Swisscom setzt nicht mehr auf Roaming.»

Auf Anfrage bestreitet Swisscom die Aussage Beyelers. Für eine grosse Mehrheit der Abo-Kunden seien Roamingpakete einfach kein Thema mehr, da Roaming in der EU bereits im Abo inbegriffen sei, schreibt eine Sprecherin. «Sie zahlen nicht mehr separat fürs Roaming.» In der Schweiz und innerhalb der EU könnten Kunden unlimitiert telefonieren, simsen und surfen, ausserdem profitierten sie von attraktiven Standardtarifen.

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