Die EU-Kommission schlägt jetzt doch - wie zuvor schon jahrelang versprochen - die völlige Abschaffung der Roaminggebühren vor. Allerdings möchte sie auch Massnahmen gegen Missbrauch einführen. Der normale Verbraucher sollte davon nicht betroffen sein. Details der Vorschläge bleiben noch zu regeln.

Zu welchem Preis werden Personen, die in einem EU-Land wohnen, künftig im EU-Ausland telefonieren können?

Zu genau demselben Preis wie auch in jenem Land, in dem sie wohnhaft sind. Ein Deutscher, der in Spanien Urlaub macht, bezahlt in Spanien für ein mobiles Telefongespräch genauso viel wie in Deutschland. Allerdings erst ab Mitte Juni 2017, wenn die Roaminggebühren fallen sollen.

Gibt es eine zeitliche Beschränkung?

Nein. Das wollte die EU-Kommission mit ihrem ersten, wieder zurückgezogenen Vorschlag einführen: roamingfreies Telefonieren nur an 90 Tagen im Jahr. Dieser Vorschlag ist jetzt vom Tisch. Grund für die zeitliche Begrenzung war die Befürchtung, dass es zu Missbrauch kommen könnte.

Welcher Missbrauch ist gemeint?

Dass sich zum Beispiel ein Verbraucher eine SIM-Karte in einem Land mit niedrigen Mobilfunkpreisen kauft und damit dann in seinem teureren Land telefoniert - also ständig gebührenfreies Roaming betreibt, um Geld zu sparen. Das ist zwar vorteilhaft für den Konsumenten, schadet aber dem Mobilfunkanbieter und entspricht nicht der Idee, welche die EU-Kommission mit der Abschaffung der Roaminggebühren erreichen will.

Wie soll der Missbrauch festgestellt werden?

Die EU-Kommission geht davon aus, dass ein Verbraucher eine SIM-Karte regelmässig dort benutzt, wo er wohnt. Ein Deutscher, der sich in Deutschland eine SIM-Karte gekauft hat, wird zwischendurch immer mal in Deutschland sein und dort sein Handy ohne Roaming nutzen. Wenn aber ein Verbraucher ständig Roaming nutzt, ohne auch mal in dem Netz zu telefonieren, zu dem die SIM-Karte gehört, dann geht die EU-Kommission von Missbrauch aus.

Wie soll das kontrolliert werden?

Die Telekommunikationsunternehmen haben schon heute genau im Blick, wo und wie ihre SIM-Karten genutzt werden. Das sind automatisierte Verfahren, die auch die neuen Roamingregeln überwachen sollen. Die genauen Verfahren will die EU-Kommission mit dem Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Gerek) festlegen.

Was passiert bei Missbrauch?

Vermutet ein Telekomunternehmen Missbrauch, informiert es den Verbraucher über diesen Verdacht. In einem nächsten Schritt kann der Anbieter wieder Roaminggebühren einführen. Allerdings schlägt die Kommission hier sehr niedrige Tarife vor: 0,04 Euro pro Minute beim Telefonieren zum Beispiel.

Können sich Konsumenten gegen unbegründeten Verdacht wehren?

Ja. Sie können nach der ersten Verdachtsinformation durch den Anbieter die Sache klarstellen. Sollte es zu einem Konflikt kommen, soll sich der Handynutzer an die Regulierungsbehörde wenden können.

Geraten Pendler, die regelmässig zum Arbeiten ins benachbarte EU-Ausland fahren, auch unter Missbrauchsverdacht?

Nein. Sie sollen wie alle anderen EU-Bürger von den normalen neuen Roamingregeln profitieren und eben keine Extragebühren bezahlen, wenn sie ihr Smartphone bei der Arbeit im EU-Ausland benutzen. Auch für Pendler soll es dafür keine zeitliche Begrenzung geben.

Profitieren Schweizerinnen und Schweizer von der Neuerung?

Schweizer, die in der Schweiz wohnen, profitieren nicht von der Abschaffung der Roaminggebühren. Hingegen Auslandschweizer, die in einem EU-Land leben, müssen künftig im EU-Ausland keine Roaminggebühren mehr bezahlen. Dies gilt aber nicht, wenn sie ihr Handy in die Schweiz nutzen.