Kürzlich in Thailand: Sunrise teilte ihrem Kunden mit, dass er für ein Megabyte Daten auf seinem Smartphone 22.62 Franken bezahlen muss. Das heisst: Werden ein paar Mails mit Anhängen geladen und vielleicht auch noch eine in der Mailbox hinterlassene Sprachnachricht eines Freundes, kostet es schnell mal 200 Franken und mehr.

Im Telekom-Jargon spricht man von Roaming-Gebühren. Gemeint sind damit aber nichts anderes als überrissene Tarife für Handyeinsatz im Ausland, die sich die Telekomanbieter unter einander aufteilen. «Es gibt wirklich keine Rechtfertigung für diese Gebühren», sagt Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Comparis.

Die seit Jahren verrufene Praxis kommt nun allmählich auch in der Schweiz ins Wanken. So hat der Telekomkonzern Swisscom am Mittwoch bekannt gegeben, dass er die Roaming-Gebühren massiv senkt. 50 Megabyte kosten noch 9 Franken (18 Rappen pro Megabyte), 200 Megabyte 29 Franken (14,5 Rappen pro Megabyte) und 1 Gigabyte 99 Franken (9,7 Rappen pro Megabyte).

In der EU soll es verboten werden

Damit ist Swisscom deutlich günstiger als Sunrise und Orange. Das zeigt ein Comparis-Vergleich, der jeweils die günstigste Variante aus der ganzen Angebotspalette der Telekomanbieter berücksichtigt. Demzufolge kostet 1 Gigabyte Daten im Ausland bei Orange 1668 Franken und bei Sunrise 1024 Franken. «Dabei entstehen bei der Benützung des Smartphones im Ausland für die Telekomkonzerne nur marginal höhere Kosten als im Inland», so Ralf Beyeler.

Aus Sicht der Schweizer Konsumenten besonders ärgerlich: Während sie der Roaming-Abzocke der Anbieter mehr oder weniger wehrlos ausgeliefert sind, debattiert man in der Europäischen Union (EU) bereits über die Abschaffung der Roaming-Gebühren, weil sie nicht gerechtfertigt sind. EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes will bereits am 17. Juli eine entsprechend Gesetzesvorlage präsentieren.

In der Schweiz dürfte man noch lange auf das Ende des Roaming-Regimes warten. «In den kommenden fünf Jahren passiert hier sicher nichts», prognostiziert Beyeler. Eine Orange-Sprecherin sagt aber auf Anfrage: «Die Roaming-Tarife werden auch in Zukunft weiter sinken, weil die Konkurrenz gross ist und der Wettbewerb spielt.» Auch Sunrise weist darauf hin, dass man die Preise kürzlich gesenkt habe. Eine weitere Senkung sei aktuell kein Thema.

Prepaid-Lösungen oft am günstigsten

Wichtig ist es, dass sich Smartphone-Nutzer, die in den Ferien auch mal Fotos auf Facebook posten oder Google-Maps für die Orientierung verwenden wollen, vor der Auslandsreise beim eigenen Provider nach den günstigsten Angeboten erkundigen.

Bei Swisscom empfiehlt der Experte das 200-Megabyte-Angebot. Bei Sunrise gibt es das Angebot «Now Roaming»: Allerdings kosten damit 200 Megabyte auch 210 Franken (10 Franken Abogebühr plus 1 Franken pro Megabyte). Bei Orange gibt es mit «Travel Pack» ein ähnliches Angebot, das es in drei Ausführungen gibt. Beim TravelPack 200 kosten 200 Megabyte 100 Franken.

Oft sind Prepaid-Karten, die man im Ausland kauft, aber immer noch die günstigste Lösung. «In vielen Ländern erhält man 1 Gigabyte bereits für 20 bis 30 Franken», so Beyeler.