Henri Poupart-Lafarge, Präsident von «Alstom Transport», zeigte sich nach der Vertragsunterzeichnung am Dienstagmorgen in Südafrika höchst erfreut: «Wir sind stolz, von PRASA (Passenger Rail Agency of South Africa) für ein Projekt mit solchem Ausmass ausgewählt worden sein.»

Der Deal zwischen PRASA und Alstom lief über die Firma Gibela, ein südafrikanisches Konsortium der Alstom. Bis 2026 soll sie 600 neue Personenzüge mit insgesamt 3600 Wagons liefern. «Wir sind überzeugt, dass unsere Züge auf höchstem Standard den Interessen der Kunden entsprechen.»

Auch Renzo Radice, Medienbeauftragter von Alstom Schweiz, bezeichnet die Vertragsunterzeichnung als Meilenstein in der Geschichte des Energie- und Transportunternehmens: «Es handelt sich um den grössten Einzel-Auftrag für die Alstom und eines der grössten Projekte weltweit im Zugtransport».

Das Projekt zeige laut Radice, dass die Firma dank ihrem Know-How in der Eisenbahninfrastruktur ein «weltweites Vertrauen» geniesse.

WIFI an Board

Bei den neuen Zügen in Südafrika handelt es sich um wahre Hightech-Modelle: Sie sind unter anderem mit Klimaanlage, einem «On Board»-Informationssystem sowie WIFI ausgestattet. Jeder Zug soll aus sechs Wagen bestehen und über 1300 Passagiere aufnehmen können. Mit rund 120 km/h sollen die Südafrikaner zur Arbeit fahren können.

Produziert werden die Züge in einer neuen Firma im Osten von Johannesburg. Laut einer Medienmitteilung der Alstom entstehen in der lokalen Fabrik 1500 neue Stellen, indirekt sollen 33 000 weitere Jobs dazukommen. Verläuft alles planmässig, wird die Arbeit im Jahr 2015 aufgenommen, bis dahin werden die ersten zwanzig Züge in Brasilien hergestellt und dann nach Afrika geschifft.

Reaktion auf steigende Nachfrage der Pendler

PRASA gilt als führendes Bahnunternehmen in Südafrika und zählt über 17 000 Angestellte. Dank dem Engagement der Alstom erhofft sich das Unternehmen, die Zugsindustrie im afrikanischen Staat zu beleben. Grund dafür ist vor allem die ständig wachsende Zahl an Pendlern, welche täglich aus den Vororten in die grösseren Städte und zurück pilgern.

Betroffen sind vor allem die grössten Städte des Landes: Pretoria, Johannesburg, Kapstadt und Durban. In diesen Regionen sollen in den nächsten zwanzig Jahren rund 1200 Züge zum Einsatz kommen.

Sie dienen hauptsächlich dem regionalen Nahverkehr, wie Renzo Radice von Alstom Schweiz bestätigt. «Es handelt sich mehrheitlich um Vorortszüge», sagt er, «die Distanzen sind allerdings grösser als hierzulande.» Radice vergleicht das Netz mit jenem der S-Bahn in der Schweiz.

Die Schweiz selbst sei allerdings nur am Rande vom Deal am anderen Ende der Welt betroffen. Die Transport-Abteilung der Alstom in Neuhausen (SH) ist hauptsächlich auf Motor- und Triebwerke spezialisiert.