Schon vor seiner Wahl bemerkte manch einer echauffiert: Falls Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wird, werde ich das Land in den nächsten vier Jahren meiden. Nun scheint es, als würden diese leisen Drohungen wahr. Kaum ist Trump an der Macht, schockiert er mit seinem Einreiseverbot für Menschen aus sieben überwiegend islamischen Ländern.

Die Folge: Menschen aus der ganzen Welt buchen weniger Reisen in die USA – und zwar nicht nur die, die Trump nicht in seinem Land möchte. Auch die, die dürfen, wollen nicht.

ForwardKeys, ein auf Buchungsdaten spezialisiertes Unternehmen, veröffentlichte eine Analyse, für welche die Daten von mehr als 200'000 Reisevermittlern ausgewertet wurden. Insgesamt gingen die Flugbuchungen in die USA zwischen dem 28. Januar und dem 4. Februar, also just nachdem Trump das Einreiseverbot einführte, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent zurück.

Ganz Westeuropa betroffen

Die Wahl Trumps im November und der hohe Dollarkurs sind Gründe, weshalb der Tourismus in den USA in letzter Zeit leicht rückgängig war, doch gemäss Branchenexperten sind Touristen insbesondere seit dem 27. Januar weniger interessiert an Ferien in den USA.

An diesem Freitag verfügte Trump, dass zum Schutz vor Terrorrisiken die Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern (Iran, Irak, Jemen, Syrien, Libyen, Somalia und Sudan) sowie Flüchtlinge vorübergehend nicht in die USA einreisen dürfen.

Die Buchungen aus den betroffenen Ländern ab dem Einreiseverbot gingen erwartungsgemäss am stärksten zurück. Und zwar um 80 Prozent. In Westeuropa gab es einen Rückgang um 13,6 Prozent, in Nordeuropa um 6,6 Prozent und ihn Südeuropa um 2,9 Prozent. Nur in Ostereuropa sind gemäss dem Branchenbericht die Buchungen um 15,8 Prozent gestiegen.

Auch die Reisesuchmaschine «Kayak» bekommt die Auswirkungen des neuen US-Präsidenten zu spüren. Der «Nordwestschweiz» liegen Auswertungen von Fluganfragen in die USA vor. Das dominierende Wort: Rückgang.

Bereits nachdem Trump am 8. November zum Präsidenten gewählt wurde, gab es aus den EU-Ländern weniger Suchanfragen. Bis zum 29. Januar sanken sie um 8 Prozent im Vergleich zur selben Periode im Vorjahr. Bei Schweizern war das Interesse um 6 Prozent geringer.

Am Tag von Trumps verordnetem Einreiseverbot für bestimmte Bürger (27.1.) war die Begeisterung von Herrn und Frau Schweizer für USA-Ferien besonders gering. Es gab 31 Prozent weniger Fluganfragen. Am Tag danach (28.1.) waren es 23 Prozent weniger als an jedem anderen Tag des Monats.

Beim USA-Reisespezialisten «travelamerica.ch» gab es im Januar leicht weniger Anfragen gegenüber dem Vorjahr. «Wir haben weniger Anfragen, aber gleich viele Buchungen wie 2016», sagt Inhaber Simon Schellmann. Das sei zwar komisch, gemäss dem Reiseexperten liege es aber daran: «Die, die in die USA reisen wollen, buchen sowieso. Aber diejenigen, die sich nicht sicher sind, fragen derzeit die USA nicht an.»

Fünfmal höherer Rückgang

Auf Anfrage wertete auch die Reisesuchmaschine «Momondo» ihre Suchanfragen für die USA exklusiv für die «Nordwestschweiz» aus. Dabei hat «Momondo» alle Anfragen von der Schweiz in die USA im Zeitraum vom 13. bis 26.1.2017 (vor Einreiseverbot) mit allen Suchanfragen zwischen dem 27.1. und 8.2.2017 verglichen. «Wir haben einen Abfall von 20 Prozent festgestellt», sagt Pressesprecherin Natalie Stein.

Ein Blick auf alle Schweizer Suchanfragen in diesen Zeiträumen zeige, dass das gesamte Volumen aller Suchanfragen im selben Zeitraum lediglich einen Abfall von knapp 4 Prozent verzeichnete. Der Abfall von Suchanfragen in die USA ist somit fünfmal höher als der globale Durchschnitt.

Hotelplan Swiss merkt bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rückgänge. «Bei uns sind die USA seit Jahren ein Trend-Land im Langstreckenbereich», sagt Kommunikationschefin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Stand gestern seien die Buchungen für USA-Reisen 11 Prozent im Plus gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr gewesen.

Die Swiss stellt momentan keine spezielle Entwicklung der Buchungssituation in die USA seit der Wahl von Donald Trump fest. Merkt aber an, dass es grundsätzlich auch noch zu früh sei, um mögliche (langfristige) Auswirkungen beurteilen zu können.

In den USA sorgt man sich aber um diesen Wirtschaftszweig. Die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) hat bereits Ende Januar beunruhigt reagiert. Taleb Rifai, Generalsekretär der UNWTO, macht sich Sorgen um das Image, welches bei einem solch feindlich ausgesprochenen Einreiseverbot sicher leide. «Auf diese Weise riskiert man eine sinkende Reisenachfrage für die USA», sagte Rifai.