1. Wieso muss der VW-Konzern einen zweistelligen Milliardenbetrag zurückstellen?

Die US-Umweltbehörde hat dem deutschen Fahrzeughersteller im vergangenen September illegale Anschalteinrichtung in der Motorsteuerung in einigen Diesel-Motoren nachgewiesen. Die manipulierte Software hatte den Motor so gesteuert, dass bei Tests die Abgas-Grenzwerte nicht überschritten wurden. Gestern wurde bekannt, dass der Konzern wegen des Skandals einen zweistelligen Betrag von 16,2 Milliarden Euro zurückstellen muss. Dies führt zu einem Verlust von 1,6 Milliarden.

2. Kann sich VW diesen hohen Betrag leisten?

Es ist der grösste Verlust in der Geschichte. 1993 hatte es zuletzt einen Fehlbetrag von 1,94 Milliarden D-Mark gegeben, das entspricht umgerechnet eine Milliarde Euro. 2014 machte VW einen Gewinn von 11,1 Milliarden.

3. Was hat VW mit den US-Behörden vereinbart?

Volkswagen hat diese Woche mit den US-Behörden und mit verschiedenen Klägern eine Einigung erzielt. Damit will man einen Schlussstrich unter die Abgas-Affäre ziehen. Betroffen sind zunächst rund eine halbe Million Fahrzeuge in den USA. Laut Medienberichten erhalten VW-Besitzer je 5000 Dollar erhalten.

4. Gibt es jetzt keine Sammelklagen gegen VW?

Das wird sich noch zeigen: Die gemeinnützige Stiftung «Stichting Volkswagen Car Claim», die die Interessen von allen privaten und unternehmerischen Haltern von Fahrzeugen, die einen vom Dieselskandal betroffenen Motor eingebaut haben, vertritt, hat positiv auf das Angebot von VW an Fahrzeughaltern in den USA reagiert. Sie gilt als die weltweit grösste Klägerin.

5. Was heisst die Vereinbarung für die VW-Kunden in der Schweiz?

Der VW-Importeur Amag meldet, dass die Regelungen in den USA für Verfahren ausserhalb der USA keine rechtlichen Wirkungen entfalten. In der Schweiz konzentriere man sich auf den Nachbesserungs-Prozess.

6. Wie ist der Stand der Umrüstungen der VW-Modelle hierzulande

Die VW-Garagen haben bereits Ende Januar mit der Nachbesserung des VW Amarok mit 2,0-Liter-Motor begonnen und mittlerweile rund zwei Drittel erfolgreich abgearbeitet. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat jetzt die Fahrzeuge Audi A4, A5 und Q5 sowie Seat Exeo mit dem 2,0-Liter-EA189-Motor für das geplante Sofware-Update freigegeben. Die ersten Fahrzeuge von Audi sind laut Amag nachgebessert worden. Die Software-Lösung für den VW Passat mit EA189-Motor und 2,0 Liter Hubraum noch einmal überarbeitet werden. Dies werde einige Wochen in Anspruch nehmen. Nun versucht man den Golf vorzuziehen.

7. Was passiert mit den rund 2000 Strafanzeigen in der Schweiz?

Die Bundesanwaltschaft (BA) gab gestern bekannt, dass gut 2000 Strafanzeigen bei ihr eingegangen sind. Sie wurden in Absprache mit der Staatsanwaltschaft im deutschen Braunschweig an diese zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet.

8. Auch andere Fahrzeughersteller rufen ihre Autos zurück. Wieso?

Betroffen sind laut einer Agenturmeldung rund 630'000 Autos von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und Volkswagen in Europa. Bei den betroffenen Autos wird bei bestimmten Aussentemperaturen die Reinigung der Abgase zurückgefahren. Ob und wie die betroffenen Schweizer Kunden betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Opel Schweiz erklärte auf Anfrage, man wolle noch keine Stellung nehmen. Bei Mercedes Benz Schweiz ist man in Kontakt mit dem Hauptsitz in Stuttgart.

9. Wie sieht es insbesondere bei Mitsubishi aus?

Am Mittwoch hat der japanische Autobauer Mitsubishi bei 625'000 Autos Manipulationen bei Verbrauchswerten eingestanden. Mitsubishi Schweiz erklärt auf der Homepage, dass es sich ausschliesslich um Fahrzeuge für den Japanischen Markt handle. Modelle für die Schweiz seien nicht betroffen. Mit den Motoren beziehungsweise dem Motormanagement haben diese Vorgänge nichts zu tun.

10. Was ist mit Mercedes-Hersteller Daimler los?

Daimler ist vom US-Justizministerium aufgefordert worden, den Zertifizierungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen zu untersuchen. Die Anweisung folgt auf Sammelklagen von US-Autobesitzern, die der Mercedes-Hersteller überhöhte Emissionswerte vorwerfen. Daimler wolle vollumfänglich mit den amerikanischen Behörden kooperieren, gab das Unternehmen in der Nacht auf gestern bekannt. Der Autokonzern teilte darüber hinaus mit, die US-Sammelklagen wegen angeblich überhöhter Abgaswerte für unbegründet zu halten. Man wolle sich dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen.

VW-Skandal: Ist die Schweiz betroffen?

So reagierte die Schweiz vor einem halben Jahr auf den VW-Skandal

Bach, Sachverständiger der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), gibt Auskunft, ob die Schweiz von der Abgas-Affäre rund um dem VW-Konzern betroffen werden kann.