Raiffeisen ist eine Bank, die gerne mit Bodenständigkeit und Bescheidenheit in Verbindung gebracht wird. Doch die Zentrale in St. Gallen scheint diesen Werten in der Ära Vincenz nicht wirklich nachgelebt zu haben.

Der frühere Chef wurde bekannt für seine Helikopterflüge, hatte einen Privatchauffeur und bezog ein Millionensalär, ganz zu schweigen von seinen Privatgeschäften, für die er in Untersuchungshaft sitzt.

Und wie ist es heute? Ein hartes Sparregime scheint der aktuelle Chef Patrik Gisel noch nicht durchgesetzt zu haben. Die Manager werden weiterhin sehr gut bezahlt und geniessen Privilegien, die selbst bei Grossbanken kaum mehr üblich sind.

Das gilt insbesondere auch für die ehemalige Legal & Compliance-Chefin der Bank, Nadja Ceregato, die Frau von Pierin Vincenz.Sie trat vor bald einem Jahr von ihrem Posten zurück und befindet sich seither in einer Auszeit.

Diese dauert noch bis Ende Jahr, danach wird sie nicht mehr zu Raiffeisen zurückkehren. Das ehemalige Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung weilt derzeit im Ausland. Sie absolviere in Boston an der renommierten Harvard Business School das sogenannte Advanced Management Program (AMP), heisst es aus dem Innern der Bank.

Beim AMP handelt es sich um einen exklusiven und sehr teuren Lehrgang für Manager: Für den siebenwöchigen Kurs zahlen Kursteilnehmer 80 000 Dollar. Immerhin: Im Preis sind Kost und Logis inbegriffen.

Doch im Fall von Ceregato wird nicht sie selbst für die Kosten aufkommen, sondern die Genossenschaftsbank Raiffeisen. Das scheint der Deal zu sein, den Ceregato mit Chef Patrik Gisel aushandelte. Die Bank wollte sich dazu nicht äussern und verwies auf frühere Aussagen, wonach ihre Auszeit noch bis Ende Jahr daure. Ceregato war per Mail nicht zu erreichen. Ihre Raiffeisen-Adresse ist deaktiviert.