Affäre Vincenz

Raiffeisen-Präsident Rüegg-Stürm tritt per sofort zurück

Lächelnd für eine gemeinsame Zukunft an Bord: Johannes Rüegg-Stürm (l.) und Patrik Gisel in einer Aufnahme für den Raiffeisen-Jahresbericht 2016.

Lächelnd für eine gemeinsame Zukunft an Bord: Johannes Rüegg-Stürm (l.) und Patrik Gisel in einer Aufnahme für den Raiffeisen-Jahresbericht 2016.

Die Affäre um dem den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz zieht weitere Kreise: Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm legt per sofort sein Amt nieder, wie die Bank am Donnerstagabend mitteilte.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Zusammenhang mit dem eingeleiteten Strafverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung Pierin Vincenz sowie das noch immer laufenden Verfahrens der Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen Raiffeisen sei «dies ein wichtiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit von Raiffeisen Schweiz langfristig zu erhalten», heisst es in der Mitteilung weiter.

Zwei neue VR-Kandidaten

Rüegg-Stürm mache mit diesem Schritt den Weg frei, um den Verwaltungsrat der nach eigenen Angaben drittgrössten Bank der Schweiz zu erneuern. Der 1961 geborene HSG-Professor präsidierte den Verwaltungsrat im 50-Prozent-Pensum seit 2011. Ins Gremium berufen wurde er 2008. Interimistisch übernimmt das Präsidium nun Pascal Gantenbein, der 2017 als unabhängiges Mitglied in das Aufsichtsgremium von Raiffeisen gewählt worden war. Gantenbein, Professor für Finanzmanagement an der Universität Basel, ist zuvor vom Verwaltungsrat zum Vizepräsidenten gewählt worden.

Seine «vordringlichste» Aufgabe sieht er darin, das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in die Genossenschaft wieder zu stärken.

Darüber hinaus kündigt Raiffeisen zwei Kandidaten an, welche die Delegiertenversammlung am 16. Juni in den Verwaltungsrat wählen soll: Rolf Walker und Thomas Rauber. Sie sollen Edgar Wolhauser und Werner Zollinger ersetzen, die wegen der statutarischen Amtszeitbeschränkung das Gremium verlassen. Walker ist Partner bei der Beratungsgesellschaft Ernst&Young und darüber hinaus bei der Finma als Prüfer für Banken, Effektenhändler und Finanzmarktinfrastrukturen akkreditiert. Im Hinblick auf seine Position als VR bei Raiffeisen Schweiz habe er seine Anstellung bei Ernst&Young «wegen Unvereinbarkeit» gekündigt. Rauber ist Chef bei TR Invest, einer privaten Beteiligungsgesellschaft, die Kapital an KMU und Startups vergibt. Darüber hinaus sitzt Rauber seit 2011 für die CVP im Grossen Rat des Kantons Freiburg.

Der abtretende Präsident Johannes Rüegg-Stürm hatte noch vergangenen Sonntag gegenüber der «NZZ am Sonntag» gesagt, er wolle zwei weitere Jahre als Präsident antreten. Das gegenwärtige Management mit Raiffeisen-Chef Patrik Gisel nahm er in Schutz und bestritt, dass der Verwaltungsrat zu wenig genau hingeschaut habe. Erst mit der Eröffnung der Strafuntersuchung gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz seien für den Verwaltungsrat Verdachtsmomente sichtbar geworden, betonte Rüegg-Stürm. Eine Strafverfolgungsbehörde habe ganz andere Mittel, um einen Sachverhalt zu klären. Die Entwicklung habe ihn «völlig überrascht und schockiert».

Seit einer Woche in Haft

Pierin Vincenz sitzt seit letzter Woche in U-Haft. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Er soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Aduno reichte im letzten Dezember Anzeige ein. Raiffeisen hatte letzte Woche nachgedoppelt und ebenfalls eine Strafanzeige eingereicht. Bei Raiffeisen geht um verdeckte Treuhandverhältnisse. Vincenz bestreitet die Vorwürfe.

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