Finanzen

Raiffeisen-Obere greifen kräftig zu: Verwaltungsrat bezieht 2,7 Millionen Franken

Blick auf den Hauptsitz der Raiffeisen in St. Gallen.

Blick auf den Hauptsitz der Raiffeisen in St. Gallen.

Die von Krisen gebeutelte Bank zeigt sich bei der Vergütung des Aufsichtsgremiums spendabel. Für 2018 hat der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz eine Gesamtvergütung von gut 2,7 Millionen Franken bezogen. Das sind nochmals rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vor einem Jahr ging ein Aufschrei durchs Land. Damals wurde bekannt, dass sich der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz für 2017 eine Vergütung von 2,4 Millionen Franken genehmigt hatte. Das waren 44 Prozent mehr als im Jahr davor. Dies irritierte angesichts der Affäre um den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, der damals wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung noch in Untersuchungshaft sass. Sie irritierte auch vor dem Hintergrund, dass die Einführung des neuen Kernbankensystems schleppend verlief, begleitet von Fehlern und Pannen. Und sie irritierte, weil der Verwaltungsrat bezüglich der Überwachung und Kontrolle von Vincenz eine schlechte Figur abgegeben hatte.

Und nun dies: Für 2018 hat der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz eine Gesamtvergütung von gut 2,7 Millionen Franken bezogen. Das sind nochmals rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen Sozialleistungen zulasten des Arbeitgebers von knapp einer halben Million Franken – ein Plus von rund 30 Prozent.

Das neuerliche Wachstum der Vergütung hätte gar noch höher ausfallen können. Denn wie der Verwaltungsrat im Vergütungsbericht schreibt, hat er «für den Zeitraum vom 17. Juni bis 31. Dezember 2018 freiwillig eine Reduktion der Vergütungen beschlossen». Mit anderen Worten: Für den halben Juni und das ganze zweite Semester wurden jene Regeln angewendet, die auch zur Bemessung der Vergütung für 2016 gegolten hatten, also für jenes Jahr vor dem eingangs erwähnten Lohnsprung um fast die Hälfte.

Viel Geld, aber wofür?

Das Zurückrudern des Verwaltungsrats äussert sich darin, dass für den Zeitraum vom 17. Juni bis Ende Jahr Vergütungen von 1,26 Millionen Franken ausbezahlt wurden. Für das erste Semester bis zum 16. Juni waren es noch 1,45 Millionen. Der Schluss liegt nahe, dass der 17. Juni als Stichtag gewegen der damaligen Rücktrittswelle aus dem Verwaltungsrat gewählt wurde. Einen Tag zuvor traten als Folge des Versagens des Aufsichtsgremiums in der Affäre Vincenz sechs der damals noch elf Verwaltungsräte zurück. Ergo musste sich Raiffeisen mit diesen Personen nicht über die als «freiwillig» deklarierte Reduktion einigen. Weitere drei Mitglieder verabschiedeten sich am 10. November aus dem Gremium. Seither gilt der Verwaltungsrat als rundum erneuert.

Irritierend ist auch der Blick auf die Vergütung von Johannes Rüegg-Stürm. Der HSG-Professor präsidierte den Verwaltungsrat in jener Ära, in der Vincenz nach Belieben schalten und walten konnte und das Aufsichtsgremium im vernichtenden Urteil des Wirtschaftsrechtlers Peter V. Kunz wie «ein amateurhafter KMU-Verwaltungsrat» agierte. Unter dem Druck der Affäre Vincenz trat Rüegg-Stürm am 8. März 2018 zurück. Offiziell ist sein Austritt aber auf den 16. Juni 2018 datiert. Für diese Periode, die mehrheitlich durch totales Nichtstun gekennzeichnet ist, bezog Rüegg-Stürm 260'000 Franken. Im ganzen Jahr 2017 waren es 582'000 Franken. Und der amtierende Präsident Guy Lachappelle? Er bezog für die sieben Wochen seit seinem Eintritt Mitte November 82'000 Franken. Dass der Verwaltungsrat trotz der Reduktion der Vergütungen in der zweiten Jahreshälfte mehr bezog als 2017, begründet das Gremium mit strukturellen Veränderungen, Neubesetzungen und einer hohen Frequenz an Verwaltungsrats- und Ausschusssitzungen.

«Deutliche Reduktion» in Sicht

Raiffeisen Schweiz scheint sich indessen bewusst zu sein, dass es betreffend Vergütung weiterer Reformen und Mässigung bedarf. So beantragt der Verwaltungsrat an der diesjährigen Delegiertenversammlung, dass die Delegierten konsultativ über den Vergütungsbericht abstimmen werden. Zudem hat der Verwaltungsrat per 1. Januar 2019 für sich ein neues Vergütungsreglement in Kraft gesetzt. Augenfälligste Neuerung: «Im Vergleich zu den letzten Jahren führt das neue Vergütungsmodell des Verwaltungsrats zu einer deutlichen Reduktion der Gesamtvergütungen des Verwaltungsrats ab 2019.»

Was unter einer «deutlichen Reduktion» konkret zu verstehen ist, gibt Sprecherin Angela Rupp auf Anfrage nicht bekannt. Was fest steht: Das neue Vergütungssystem sieht Pauschalen für die Grund- und Ausschussvergütung vor und schafft die bisherigen Sitzungsgelder und -spesen ab. Neu wird der Verwaltungsrat ausserdem seine Vergütung alle zwei Jahre überprüfen und nicht mehr wie bisher alle vier Jahre. Zudem wird laut Rupp diskutiert, im Vergütungsbericht künftig nicht nur wie bisher die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung und die höchste Einzelvergütung offenzulegen, sondern die Löhne jedes einzelnen Geschäftsleitungsmitglieds.

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