In zwei Wochen wird der neue Präsident der Raiffeisen-Genossenschaften gewählt. Guy Lachappelle, der einzige Kandidat, dürfte das Rennen machen. Die oppositionellen Raiffeisen-Kräfte haben die Waffen gestreckt. Wie die «Schweiz am Wochenende» erfahren hat, werden sie keinen Sprengkandidaten lancieren. Noch vor kurzem haben sie genau dies angedroht, sollte der Verwaltungsrat die Kandidatur von Lachappelle nicht zurückziehen. Daraus wird nun nichts.

Die grossen Zweifel der Kritiker, ob Lachappelle der richtige Mann für die angeschlagene Genossenschaftsbank ist, bleiben aber unverändert bestehen. Sie sind überzeugt: Für einen glaubwürdigen Neuanfang bei der drittgrössten Bankengruppe der Schweiz ist er der Falsche. Seine Rolle beim ASE-Betrugsskandal, verärgerte Kleinaktionäre bei der Übernahme der Bank Cler nagen an der Glaubwürdigkeit des Bankers aus Basel. Dazu kommen Diskussionen um seine künftige Entschädigung, die deutlich über derjenigen seines Vorgängers liegt. «Es geht nicht darum, ob ihm die Finma die Gewähr biete oder nicht, es geht darum, dass es nicht den Hauch eines Zweifels an seiner Glaubwürdigkeit gibt», sagt ein Kritiker.

Öffentlich will sich indessen kein Lachappelle-Kritiker äussern. Dieses Schweigen schwächt ihre Position freilich und macht es der Führungsriege in St. Gallen einfach, die Kritiker aus den eigenen Reihen als notorische Nörgler zu diffamieren.

Eine Kampfwahl wäre gut

Trotzdem darf sich Guy Lachappelle nicht zu sehr über den kollabierenden Widerstand freuen. Zwar wird er gewählt werden, doch mit einem Glanzresultat darf er nicht rechnen. Das ist der Grund, warum es aus seinem Umfeld heisst, dass es besser für den designierten Raiffeisen-Präsidenten wäre, er hätte einen Gegenkandidaten.

Denn würde er als Sieger aus einer Kampfwahl herausgehen, wäre Lachappelle für sein Amt legitimiert. Er könnte den Kritikern sagen: «Schaut, ihr hattet eine Chance mit eurem Kandidaten, aber ich habe mich durchgesetzt.»

So bleibt an ihm haften, dass er nur gewählt wurde, weil niemand anders gefunden wurde. Pikanterweise ist es genau dieses Argument, das Verwaltungsräte den Kritikern entgegenhalten. Man könne froh sein, dass überhaupt jemand diesen Job mache.

Hört man sich in einflussreichen Schweizer Wirtschaftskreisen herum, braucht Lachappelle deutlich über 80 Prozent der Delegiertenstimmen, um den nötigen Respekt und die Autorität in der Genossenschaft zu erlangen. Stehen nur zwei Drittel oder noch weniger hinter ihm, wird es praktisch unmöglich, die Bank in die Zukunft zu führen. Es dürfte zudem schwer werden, einen fähigen CEO zu finden.

Die Wahl findet in zwei Wochen statt. Guy Lachappelle und weitere Kandidaten nutzen die Zeit, um bei den Delegierten für ihre Kandidaturen zu werben. Diese Woche war Lachappelle auf seiner Roadshow in Gravesano TI, in Gisikon LU und in Thun. Gestern Freitagnachmittag weilte Lachappelle gemäss Terminplan in Lausanne. Nächsten Mittwoch folgt ein Auftritt in Gossau SG. Dort kommt er mit den Delegierten aus der Ostschweiz sowie Zürich und Schaffhausen zusammen. Erst kurz vor seiner Wahl trifft er sich mit den Vertretern der Nordwestschweiz, darunter befinden sich einige seiner schärfsten Kritiker.